Diese Demokraten bringen sich bereits für die Präsidentschaftswahlen in Position
In rund einem Monat sind in den USA Parlamentswahlen. Die Präsidentschaftswahl ist noch einmal zwei Jahre später. Das hindert viele Demokraten aber nicht daran, schon jetzt mit dem Gedanken einer Kandidatur um das höchste Amt im Land zu spielen. Offiziell kandidiert noch niemand. Tatsächlich reisen mögliche Bewerber aber durch wichtige Vorwahlstaaten, schreiben Bücher und treten auffällig häufig dort auf, wo sie später Stimmen brauchen könnten.
Diese Namen sollte man bis zu den Wahlen 2028 im Auge behalten.
Kamala Harris hat noch eine Rechnung offen
Kamala Harris war schon einmal so nah an der Präsidentschaft wie niemand sonst auf dieser Liste. Nach ihrer Niederlage gegen Donald Trump 2024 zog sich die ehemalige Vizepräsidentin nur kurz aus der Öffentlichkeit zurück. Inzwischen reist sie wieder durchs Land, tritt bei Veranstaltungen auf und hat auch schon öffentlich festgehalten, dass sie über einen zweiten Anlauf nachdenke.
Dann allerdings müsste Harris eine unangenehme Frage beantworten: Warum sollte gelingen, was 2024 gescheitert ist? Das Argument, das wohl am meisten für sie spricht, ist ihre landesweite Bekanntheit. Im Vorfeld der «Midterms» sucht sie zudem demonstrativ die Nähe zu Teilen der Partei, mit denen sie 2024 noch aneinandergeraten war: In Michigan trat sie etwa mit dem progressiven Senatskandidaten Abdul El-Sayed auf.
Ihr womöglich gefährlichster Rivale hat Harris diesen Sommer den Rücken freigehalten: Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom beteuerte, er werde auf eine Kandidatur verzichten, sollte Harris antreten. Beide bewegen sich in einem ähnlichen politischen Umfeld und wären auf viele derselben Unterstützer und Geldgeber angewiesen. Ein Duell der beiden Kalifornier könnte deshalb vor allem bewirken, dass sie sich gegenseitig Stimmen und Spenden streitig machen.
Gavin Newsom setzt gerne auf Konfrontation
Kaum ein Demokrat inszeniert den Kampf gegen Donald Trump so offensiv wie Gavin Newsom. Der Gouverneur von Kalifornien hat seine politische Bühne längst über die Grenzen seines Bundesstaates hinaus erweitert: Online-Streit mit dem Präsidenten, Podcasts, ein neues Buch und Auftritte in frühen Vorwahlstaaten. Auch sagt er inzwischen selbst, dass er einen Anlauf ernsthaft prüft. Selbst beim Fliegenfischen mit CNN sprach er über seine Ambitionen. Entscheiden will er sich allerdings erst nach den Zwischenwahlen.
Der 58-Jährige ist aktuell bemüht darum, das Image des aalglatten kalifornischen Liberalen abzulegen. In seinem neuen Buch und bei öffentlichen Auftritten gibt er mehr über sich selbst preis. So erzählte er etwa CNN-Moderator Jake Tapper von der Krebserkrankung seiner Mutter.
Wegen Kamala Harris ist sein möglicher Präsidentschaftswahlkampf aber noch einer mit eingebauter Vorbedingung. Bis dahin kann Newsom tun, was er ohnehin am liebsten tut: Aufmerksamkeit erzeugen.
AOC: Die Kandidatin des linken Flügels
Alexandria Ocasio-Cortez ist erst 36 Jahre alt und längst eine der bekanntesten Figuren der amerikanischen Linken. Nun erwägt die New Yorker Kongressabgeordnete den nächsten Sprung. Gegenüber der «New York Times» bestätigte sie, über eine Präsidentschaftskandidatur nachzudenken.
«Das Leben wartet nicht darauf, dass du bereit bist», sagte sie. Gleichzeitig könne sie sich aber auch vorstellen, 2028 den demokratischen Senatsführer Chuck Schumer in einer parteiinternen Vorwahl herauszufordern. Entscheidend sei für sie, wo sich progressive Politik wirksamer vorantreiben lasse.
Gemeinsam mit Bernie Sanders zieht sie seit 2025 auf der «Fighting Oligarchy»-Tour durchs Land. In Alabama hielt sie eine grosse Rede zum Wahlrecht. Bei der Münchner Sicherheitskonferenz versuchte sie sich zugleich als Aussenpolitikerin – wobei eine holprige Antwort auf die Frage nach einer möglichen amerikanischen Verteidigung Taiwans für Kritik sorgte.
«AOC» verfügt im amerikanischen Vorwahlkampf aber über eine andere Ressource: Geld. Fast 16 Millionen Dollar liegen bereits auf ihrem Wahlkampfkonto – aussergewöhnlich viel für ein Mitglied des Repräsentantenhauses.
Pete Buttigieg: Der heimliche Dauerwahlkämpfer
Pete Buttigieg hat derzeit kein politisches Amt. Dennoch ist der ehemalige Verkehrsminister in diesem Zwischenwahlkampf beinahe überall: von Kongressrennen in New Jersey bis zu Wahlen für Parlamente einzelner Bundesstaaten. In knapp drei Dutzend Staaten ist er seit seinem Ausscheiden aus der Biden-Regierung aufgetreten. Unter den möglichen Präsidentschaftskandidaten ist kaum jemand so konsequent für andere Demokraten unterwegs. Ein angenehmer Nebeneffekt: Wer heute für Kandidaten Wahlkampf macht, kann später auf Verbündete, Kontakte und Gefallen hoffen.
Buttigieg macht aus seinen Ambitionen ohnehin weniger ein Geheimnis als andere. Er sei «eher dafür als dagegen», 2028 anzutreten, sagte er in einem Podcast. Sein «Win the Era PAC» verfügte Ende August bereits über mehr als sechs Millionen Dollar und verteilt grosszügig Geld an andere demokratische Kandidaten.
Im Jahr 2020 versuchte «Mayor Pete» den Sprung aus dem Rathaus von South Bend ins Weisse Haus. Acht Jahre später könnte er es erneut versuchen – diesmal mit Kabinettserfahrung, einem landesweiten Netzwerk.
Die stillen Schaffer
Während Harris, Newsom und Ocasio-Cortez schon durch ihre Namen Aufmerksamkeit erzeugen, gibt es eine zweite Gruppe möglicher Kandidaten: Gouverneure, die ihre Bewerbung bislang lieber durch ihre Arbeit andeuten. Josh Shapiro aus Pennsylvania, Andy Beshear aus Kentucky, Wes Moore aus Maryland und JB Pritzker aus Illinois vermeiden die grosse Ankündigung – doch keiner von ihnen hält sich vollständig aus dem Schaulaufen heraus. Deutlich wird bislang nur Beshear: Er zählt zu jenen Demokraten, die offen sagen, dass sie eine Kandidatur erwägen. (schweizheute.ch)

