Nur fünf Tage im Amt: Die kurze Karriere als Pressesprecherin von Katie Zacharia
Freitag, 9. Oktober
US-Präsident Trump kündigt auf Truth Social seine neue Pressesprecherin für das Weisse Haus an: Katie Zacharia. Er beschreibt einen kurzen Lebenslauf seiner ehemaligen Wahlkampfhelferin und erklärt dabei auch, dass sie Anwältin sei. Im letzten Satz schreibt er: «Viel Glück, Katie!»
Die ehemalige TV-Moderatorin bedankt sich wenig später auf Social Media bei Trump. Ausserdem schreibt sie: «Auf die grossartige Karoline Leavitt zu folgen, ist ein hoher Anspruch, den es sich zu erfüllen lohnt.»
Sonntag, 11. Oktober
US-Präsident Trump verkündet auf der Social-Media-Plattform Truth Social, dass Zacharia ihren Job als seine neue Pressesprecherin am Montag antreten werde. Schon für ihren zweiten Arbeitstag kündigt er zudem eine Pressekonferenz an. Am Sonntag gibt er sich noch zuversichtlich: «Katie wird einen fantastischen Job machen», schreibt Trump.
Dienstag, 13. Oktober
Es ist so weit: Zacharia hält bereits an ihrem zweiten Arbeitstag ihre erste Pressekonferenz im Weissen Haus. Diese dauert aber deutlich weniger lang als gewohnt: Während ihre Vorgängerin Karoline Leavitt jeweils rund 45 Minuten lang vor den Reportern stand, beendet Zacharia nach nur 14 Minuten das Briefing.
In der Zwischenzeit liest sie minutenlang von einem Skript ab, verhaspelt sich und verwechselt ihren Ehemann mit dem US-Präsidenten. Ausserdem lässt sie lediglich drei Fragen der Journalisten zu. Das kommt nicht gut an: Die internationale Presse zeigt sich irritiert und gibt ihr ein schlechtes Zeugnis.
Sogar Anthony Scaramucci, der 2017 selbst nur elf Tage unter Trump Kommunikationsdirektor des Weissen Hauses war, scherzt auf Social Media und erklärt, er hoffe, Zacharia halte länger durch als ein Kopfsalat – eine Anspielung auf ein politisches Satire-Meme aus Grossbritannien aus dem Jahr 2022.
Zacharia bei ihrer ersten Pressekonferenz:
Kurz darauf stellt sich Zacharia nochmals der Öffentlichkeit, als sie den US-Präsidenten zu seinem Helikopter begleitet. Dort beantwortet allerdings vorwiegend Trump die Fragen der Journalisten. Ein Reporter fragt sie dennoch danach, in welchem Bundesstaat sie ihre Anwaltsprüfung abgelegt hat. Zacharias Antwort verwirrt noch mehr: «Als ich nach China zog.» Später gibt sie an, dass sie die Frage wegen des Lärms nicht verstanden habe.
Hinter der Frage des Journalisten steckte mehr: Sowohl Rechtsexperten als auch Medienschaffende hatten keinen Beleg dafür gefunden, dass Zacharia jemals eine Anwaltszulassung in den USA besessen hatte.
Donnerstag, 15. Oktober
Katie Zacharia ist für ein Interview bei Fox News zu Gast. Der Sender ist bekannt dafür, Trumps Entscheidungen und Handlungen aussergewöhnlich positiv darzustellen. Doch selbst der Fox-News-Moderator behandelte Zacharia während des Interviews auffällig hart. Im Gespräch gab sie schliesslich zu, durch die Anwaltsprüfung durchgefallen zu sein und sie auch nicht wiederholt zu haben.
Mehr zum Interview:
Der Druck auf die 41-Jährige wächst immer weiter. Auch international sorgt sie für Spott. Chinas Aussenamtssprecherin Mao Ning äussert sich an einer Pressekonferenz zu einer Aussage Zacharias beim TV-Sender Real America's Voice. Dort sprach sie über den US-Wahlkampf für die Präsidentschaft im Jahr 2016. Als sie gehört habe, die ruhmreichen Tage Amerikas seien vorbei und China sei die neue aufstrebende Macht am Horizont, erklärte sie: «Ich war gerade aus China zurückgekommen und dachte mir: Wie kann China schon das nächste Land am Horizont sein? Die haben doch nicht einmal ordentliche Toiletten.» Mao Ning kontert diese Aussage nun mit einem Schmunzeln und den Worten, Zacharia sei jederzeit willkommen, bei Gelegenheit öfter nach China zu kommen und sich das Ganze anzusehen.
Freitag, 16. Oktober
Lange warteten Journalisten und Beobachter auf eine Reaktion des US-Präsidenten. Die Fehltritte seiner Pressesprecherin sind mittlerweile nicht mehr zu übersehen. Dennoch gab sich Trump bisher bedeckt.
Damit ist nun Schluss. Vor Reportern erklärt er, er habe Zacharia empfohlen, über einen Rücktritt nachzudenken. Kurz darauf berichten verschiedene US-Medien, Trump habe Zacharia entlassen. Insider bestätigen gegenüber Journalisten, dass sie ihr Amt abgebe. Wenig später bedankt sie sich zudem auf X für die – wenn auch kurze – Amtszeit und lobt den US-Präsidenten in höchsten Tönen.
President Trump is a kind, wonderful, gracious, thoughtful, enthusiastic, and hardworking man. I wish more Americans appreciated him. No one will ever make America great the way he has and continues to. It was an honor to work for him. https://t.co/Tp4NizrhE2
— Katie Zacharia (@KatieZacharia) October 17, 2026
Offiziell hat das Weisse Haus noch keine Erklärung abgegeben. Nun muss sich Trump schon wieder auf die Suche nach einer neuen Pressesprecherin machen. Der Nachfolger oder die Nachfolgerin wäre die dritte Person in Trumps zweiter Amtszeit und die siebte während seiner gesamten Präsidentschaft.
