Mord an Rapper Tupac Shakur: Angeklagter schuldig gesprochen
Knapp 30 Jahre nach dem Mord an US-Rapper Tupac Shakur ist der frühere Gang-Anführer Duane Davis schuldig gesprochen worden. In einem Prozess in Las Vegas sahen es die Geschworenen als erwiesen an, dass der 63-Jährige als Drahtzieher für den Tod des Rappers verantwortlich ist.
Davis, der im schwarzen Anzug vor Gericht erschienen war, nahm den Schuldspruch zunächst regungslos zur Kenntnis. Dann wandte er sich an die Richterin und erklärte, dass er in Berufung gehen werde. Das Strafmass gegen Davis soll am 13. Oktober verkündet werden. Ihm droht lebenslange Haft.
Der Tod von Tupac Shakur gilt als einschneidendes Ereignis in der Musikszene der 1990er Jahre und auch darüber hinaus und führte zu zahlreichen Verschwörungstheorien - darunter die, dass er noch am Leben sei. «Er lebt auf meiner Playlist», sagte Ex-US-Präsident Barack Obama vor kurzem dazu in einem Interview.
Angehörige und Freunde von Shakur, die dem dreiwöchigen Prozess beiwohnten, reagierten sichtlich erleichtert. Sie umarmten sich und wischten Tränen aus den Augen.
In Auto angeschossen
Tupac Shakur war einer der einflussreichsten und erfolgreichsten Rapper der 1990er Jahre und gilt bis heute für den Hip-Hop als eine der prägendsten Figuren. Der für Hits wie «California Love» und «Changes» bekannte Musiker verkaufte weltweit Millionen Platten. Der damals 25 Jahre alte Rapper wurde am 7. September 1996 in einem Auto in Las Vegas angeschossen und starb sechs Tage später im Krankenhaus. Sein Einfluss auf Rapmusik und Popkultur reichte weit über seinen Tod hinaus.
Davis wird nicht beschuldigt, selbst auf Shakur geschossen zu haben. Die Staatsanwaltschaft sieht in dem früheren Anführer der Strassengang South Side Compton Crips vielmehr den Drahtzieher des tödlichen Angriffs. Nach Darstellung der Anklage organisierte er die Vergeltungsaktion und beschaffte die Waffe. Nach dem Recht des Bundesstaates Nevada kann auch jemand wegen Mordes verurteilt werden, der einem anderen bei der Tat hilft.
Verteidiger: Aussagen sind erfunden
Der frühere Gang-Anführer war 2023 in Las Vegas im Bundesstaat Nevada festgenommen und unter anderem wegen Mordes mit Gebrauch einer tödlichen Waffe angeklagt worden. Vor Gericht plädierte er auf nicht schuldig.
Zuvor hatte er allerdings mehrfach öffentlich darüber gesprochen, dass er in dem weissen Cadillac gesessen habe, aus dem die Schüsse auf Shakur abgefeuert worden seien. Er sei der einzige Insasse, der noch lebe, hatte er in Interviews gesagt und auch in seiner Autobiografie geschrieben. Die tödlichen Schüsse habe aber sein Neffe abgegeben, sagte er 2008 in einem Verhör.
Verteidiger Michael Sanft hatte seinen Mandanten in dem Prozess als Lügner und Angeber dargestellt. Dieser habe viele Dinge erfunden, um daraus Kapital zu schlagen, argumentierte Sanft.
Der Anwalt hielt den Ermittlern zudem vor, bei der Untersuchung des Vorfalls viele Fehler gemacht und keine wasserdichte Argumentationskette vorgelegt zu haben. Demnach wurde die Mordwaffe nie gefunden und es gab auch keine physischen Beweismittel dafür, dass Davis tatsächlich am Tatort war.
Erbitterte Rivalität im Hip-Hop
Auslöser der Tat soll eine Schlägerei wenige Stunden vor den Schüssen gewesen sein. Shakur und Begleiter hatten nach einem Boxkampf von Mike Tyson in Las Vegas Davis' Neffen Orlando Anderson angegriffen. Anderson, der mit 23 bei einer Schiesserei ums Leben kam, gehörte mutmasslich wie Davis den South Side Compton Crips an.
Shakur war mit dem rivalisierenden Umfeld um das Plattenlabel Death Row Records und dessen Mitgründer Suge Knight unterwegs. Videoaufnahmen aus dem Casino dokumentieren die Schlägerei.
Im Laufe des Verfahrens sagten unter anderem Polizisten, Augenzeugen und Mitglieder der Rap- und Gangszene aus. Der Angeklagte trat selbst nicht in den Zeugenstand. Auch Rap-Mogul Suge Knight, der in der Mordnacht neben Shakur am Steuer sass, wurde nicht vorgeladen. Er sitzt derzeit eine Haftstrafe wegen Totschlags ab.
Der Mord fiel in eine Zeit erbitterter Rivalität in der damaligen Hip-Hop-Szene. Shakur war bei Death Row Records unter Vertrag, das mit dem Label von Sean Combs, Bad Boy Records, verfeindet war.
Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft waren die rivalisierenden Plattenfirmen zugleich mit verfeindeten Gangs verbunden: Death Row mit Mob Piru, Bad Boy mit den South Side Compton Crips um Davis. Die Anklage stellte diese Verbindungen im Prozess als Hintergrund des Konflikts dar.
(sda/dpa)
