Niemand will für Trump singen – jetzt muss die Freundin des FBI-Chefs ran
Am liebsten hätte US-Botschafter Bill White ja Superstar Katy Perry gehabt. Aber die Popsängerin («I kissed a girl») – und neuerdings auch Freundin des ehemaligen kanadischen Premierministers Justin Trudeau – musste die Einladung freundlich ablehnen. Sie könne wegen «vertraglicher Verpflichtungen» leider nicht an der pompösen 250-Jahr-Feier der US-Botschaft in Brüssel auftreten, liess sie mitteilen. Also musste Trumps Mann in Brüssel Ersatz suchen.
«Wen interessiert’s?», sagte White nun am Sonntagabend zu den über 8000 geladenen Gästen im Jubelpark inmitten des Brüsseler Europaviertels. Das Karma habe es so gewollt, scherzte der ehemalige New Yorker Geschäftsmann zur Perry-Absage.
Richtig gut gemeint hat es das Karma dann aber auch mit dem Ersatz nicht. Just als die Countrysängerin Alexis Wilkins zum eigentlichen Höhepunkt des Abends ansetzte, der amerikanischen Nationalhymne, war von ihr plötzlich nichts mehr zu hören. Mikrofonpanne.
Wilkins sang und sang, die Lippen bewegten sich, aber zu hören war sie nicht. «Vielleicht ist dies ja die Karaoke-Version», wurde laut Anwesenden gescherzt.
US-Botschafter White musste sie später auf die Bühne zurückholen, um das Absingen des «Star-Spangled Banner» zu wiederholen. Ohne dass das erledigt sei, werde er nicht weitermachen, so der Trump-Freund.
FBI-Spezialeinheit als Party-Begleitung
Dabei ist es nicht das erste Mal, dass Wilkins ihren Auftritt verpatzt. Erst vergangene Woche sang sie in Washington zur Eröffnung der «Great American State Fair» die amerikanische Nationalhymne – also bei jener patriotischen Leistungsschau, mit der die USA den Countdown zum 250. Geburtstag einläuteten. Im Netz wurde daraufhin über schiefe Töne gespottet. Und darüber, dass ausgerechnet sie zu diesem Auftritt kam.
Das ist tatsächlich bemerkenswert. Bislang verlief die musikalische Karriere der 27-Jährigen nämlich überschaubar. Auf der Streaming-Plattform Spotify schafft sie es auf gerade mal rund 7000 Hörer pro Monat.
Ihre bekannteste Nummer ist deshalb weniger ein Song als vielmehr ihr Liebesleben: Wilkins ist seit 2023 mit Kash Patel liiert, dem umstrittenen FBI-Chef und loyalen Trump-Mann. Seither sorgt die Beziehung in den USA regelmässig für Schlagzeilen.
So soll Patel eine voll ausgerüstete FBI-Spezialeinheit dafür abgestellt haben, seine in Nashville wohnhafte Freundin rund um die Uhr zu bewachen. Sei es zum Einkaufen oder an ihren Konzerten – die FBI-Beamten sind stets dabei. Zum Auftrag der Agenten gehört es offenbar auch, einen betrunkenen Bekannten von Wilkins nach Hause zu fahren. Als sie sich dem verweigerten, sei Patel ausgerastet, schreiben US-Medien.
Wilkins selbst ist derweil zum Objekt jener rechten Parallelwelt geworden, aus der der 18 Jahre ältere Patel politisch stammt. So behauptete ein rechter Podcaster und ehemaliger FBI-Agent, sie sei in Wahrheit eine Agentin des israelischen Auslandsgeheimdiensts Mossad. Die Israeli hätten sie gezielt auf den FBI-Chef angesetzt, um ihn in eine «Honigfalle» zu locken und zu manipulieren. Wilkins klagte wegen Verleumdung auf fünf Millionen Dollar Schadenersatz. Ganz abstellen konnte sie das Gerede in den sozialen Medien aber nicht.
Trump will zur Not selbst einspringen
Klar ist: Geschadet hat der neue Bekanntheitsgrad ihrer Karriere nicht. Im Gegenteil.
Ein bisschen Glück war allerdings auch dabei. Zu ihrem grossen Auftritt im Umfeld von Trumps USA-Jubiläum kam Wilkins ausgerechnet in einem Moment, in dem andere Künstler das Weite suchten. Bret Michaels, Frontmann der Achtzigerjahre-Glamrockband «Poison», ist nur der letzte in einer ganzen Reihe. Etliche Musiker vor ihm sprangen schon ab, nachdem die angeblich unpolitische Feier immer stärker nach Trump-Show zu riechen begann.
Trump reagierte auf die Absagen gekränkt. Wer jetzt einen Rückzieher mache, sei ohnehin nur «drittklassig», liess er wissen. Und er kündigte an, den Karren selbst aus dem Dreck zu ziehen – notfalls, indem er eben selbst auftrete.
Und natürlich Alexis Wilkins. Den Vorwurf, sie profitiere von politischer Nähe und der Karriere ihres Freundes, weist sie übrigens energisch zurück. Sie sei seit Jahren Musikerin und man solle nicht vorgeben, ihre Auftritte seien nun vom Himmel gefallen. Bezahlt worden sei sie für ihren Einsatz in Washington übrigens nicht. (schweizheute.ch)
