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Konsum - Detailhandel

Wie «recyclable» ist Capri-Sun wirklich? Das sagt der Konsumentenschutz

Wie «recyclable» ist Capri-Sun wirklich? Jetzt reagiert der Konsumentenschutz

Das Kultgetränk mit Hauptsitz in der Schweiz wirbt damit, dass manche Verpackungen wiederverwertet werden können. Doch diese Öko-Botschaft wirft Fragen auf.
30.06.2026, 05:0930.06.2026, 05:09
Benjamin Weinmann
Benjamin Weinmann
Rezyklierbare Capri-Sun-Verpackungen- doch wie oft landen sie tatsächlich in der Kreislaufwirtschaft?
Rezyklierbare Capri-Sun-Verpackungen- doch wie oft landen sie tatsächlich in der Kreislaufwirtschaft?Benjamin Weinmann

Es ist eines jener Produkte, die nach dem Konsum oft auf dem Boden landen. Capri-Sun ist seit vielen Jahren das laut eigenen Angaben beliebteste Kindergetränk weltweit. Doch in Sachen Entsorgung wird immer wieder Kritik laut – auch bei sachgerechtem Wegwerfen in den Abfalleimer.

Denn die Capri-Sun-Verpackung besteht aus dem Kunststoff Polypropylen. Separate Einwurfmöglichkeiten, wie es sie für Alu-Dosen oder PET-Flaschen an öffentlichen Stellen gibt, existieren für die Quetschbeutel nicht. Sie landen also im herkömmlichen Müll und somit in der Verbrennung. Trotzdem prangt bei manchen Capri-Sun-Getränken eine grüne Fläche, auf der in weissen Buchstaben steht: Recyclable – auf Deutsch: rezyklierbar.

Gegenüber «Schweiz heute» versuchte Konzernchef Roland Weening kürzlich in einem Interview den Spiess umzudrehen. Er kritisierte die vielen Umweltgesetze der EU, die oft nicht aufeinander abgestimmt seien. So befasse sich die Einwegplastik-Regulierung der EU vor allem mit Littering und Müll. Ein viel grösseres Thema sei aber die EU-Regulierung zum Thema Verpackung. «Sie verlangt, dass Verpackungen recycelbar sind. Diese beiden Ziele sind nicht immer gut vereinbar.»

Roland Weening ist CEO des Kultgetränks Capri-Sun. Der Hauptsitz der Firma liegt in Baar im Kanton Zug.
Roland Weening ist CEO des Kultgetränks Capri-Sun. Der Hauptsitz der Firma liegt in Baar im Kanton Zug.Bild: Elizabeth Desintaputri

Die Firma stört sich insbesondere am gesetzlich vorgeschriebenen Papier-Röhrli, das die Kunden ins Getränk einstechen. «Dann haben wir ein Papierröhrli in einer recycelbaren Polypropylen-Verpackung. Das ist, als hätte man eine PET-Flasche mit einem Papierverschluss.» Das ergebe wenig Sinn, sagt Weening. «Denn der recycelbare Beutel gilt dann nicht mehr als recycelbar, weil er durch das Papierröhrli quasi verunreinigt ist.»

Die Recyclable-Botschaft steht denn auch nur auf Capri-Suns, die mit einem Deckel und ohne Papierröhrli ausgestattet sind. Nur: Auch diese landen im herkömmlichen Abfall und in der Verbrennung.

«Grenzt an Greenwashing»

An solchen Öko-Versprechen hat die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) keine Freude. «Der Claim ‹rezyklierbar› ist uns schon länger ein Dorn im Auge», sagt Rechtsleiterin Livia Kunz: «Er suggeriert, dass die Verpackung tatsächlich recycelt wird.»

Theoretisch sei vieles rezyklierbar. In der Praxis müsse diese Aussage jedoch relativiert werden, sagt Kunz. Es stelle sich die Frage, ob effektiv gesammelt, sortiert und verwertet werde. Zudem entstehe in vielen Fällen aus dem recycelten Material ein minderwertigeres. «Das Ganze ist für die Konsumentinnen und Konsumenten nicht überprüfbar und grenzt aus unserer Sicht klar an Greenwashing, respektive unlauteres Geschäftsgebaren.» Man werde nun eine Kontaktaufnahme zum Thema bei Capri-Sun prüfen.

Weitere Massnahmen möglich

Möglich sei generell auch der Gang zur Schweizerischen Lauterkeitskommission, um einen Fall beurteilen zu lassen. Diese Entscheide seien zwar rechtlich nicht bindend, fänden in der Branche aber Beachtung. Und schliesslich biete das Bundesgesetz für unlauteren Wettbewerb Grundlagen für Klagen zu lauterkeitsrechtlichen Fragen rund um Greenwashing-Botschaften.

Capri-Sun-Chef Weening scheint in der Recycling-Werbung kein Problem zu sehen. Auf den Einwand von «Schweiz heute», dass die Beutel trotz Öko-Claim mehrheitlich im herkömmlichen Abfall landen würden, meinte er: «Ich war in vielen Recyclingzentren in Europa und habe gesehen, dass die Beutel dort mithilfe von Sensoren und Infrarot-Geräten aussortiert werden.» Zahlen, die das belegen, etwa für den Schweizer Markt, nannte er jedoch nicht. Die Recyclingquoten seien je nach Land unterschiedlich. (schweizheute.ch)

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Die beliebtesten Kommentare
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Roro Hobbyrocker
30.06.2026 06:08registriert August 2016
Der grössere Skandal ist eigentlich dass man ein Zuckerwasser angereichert mit ein paar Vitaminen und einem Spritzer Saft als Getränk verkauft.
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