250 Jahre USA: Zum Auftakt der Party zelebriert Trump vor allem sich selbst
Der amerikanische Präsident hat am Mittwoch mit einer Rede die «unvergesslichste Geburtstagsparty» eröffnet, die ein Land je erlebt habe. Donald Trump sprach auf der National Mall, dem Parkareal im Zentrum von Washington. Traditionsgemäss versammelt sich dort die Bevölkerung der Hauptstadt am 4. Juli, um gemeinsam den «Independence Day» zu feiern. Weil dieses Jahr ein runder Geburtstag ansteht, der 250., dauert die Party ein bisschen länger. So beginnt bereits am Donnerstag die «Great American State Fair»: eine Chilbi mit Konzertbühne, Riesenrad und Essensständen.
Ins Zentrum seiner überraschend kurzen Ansprache stellte Trump allerdings nicht die Ereignisse des Jahres 1776, als sich die amerikanischen Kolonien von Grossbritannien lossagte. («Was das doch für eine Zeit war», sagte er über den Unabhängigkeitskrieg.) Die lange Geschichte seines Landes war ihm nur ein paar Plattitüden wert.
Vielmehr nutzte Trump die Gelegenheit, um während knapp 30 Minuten eine kondensierte Version seiner traditionellen Wahlkampfrede zu halten. Diese strotzte nur so von Superlativen und Selbstlob. So wiederholte der Präsident nicht nur die Aussage, dass die Wirtschaft seines Landes «die heisseste» sei und deshalb von der ganzen Welt bewundert werde. Er kündigte nach dem vorläufigen Ende des Iran-Kriegs auch Frieden in Nahost an, «zum ersten Mal in den vergangenen 3000 Jahren».
Und so geht es munter weiter. Trump spricht lobend über seine Versuche, die Hauptstadt umzugestalten. Er kündigt den Bau eines Triumphbogens an und behauptet, der geplante Ballsaal beim Weissen Haus werde «schon bald» fertig gestellt sein. Der Präsident geniesst es auch, wie seine Vorredner ihn mit Komplimenten überschütteten. So bezeichnete ihn sein Verkehrsminister Sean Duffy als den «grossartigsten Präsidenten, den dieses Land seit George Washington je hatte».
Trump-Fan verteidigt den Präsidenten
Bei den meisten Anwesenden stossen diese Töne, so prahlerisch sie auch daherkommen, auf Zustimmung. Immer wieder ist Jubel zu hören. Einige Tausend Menschen haben sich an diesem lauschigen Sommerabend auf dem vergleichsweise kleinen Festgelände versammelt. Viele tragen Trump-Hüte oder Kleidungsstücke mit Slogans des Präsidenten. David Hall zum Beispiel. Der gebürtige Kubaner, 77 Jahre alt, sitzt ein bisschen abseits der Bühne, sticht aber dank seiner roten Mütze und seinem roten T-Shirt aus der Menge.
Hall sagt, Trump sei der «beste Präsident seit mindestens 40 Jahren». Er nehme es ihm deshalb auch nicht übel, dass er sich kurzerhand zum «Headliner» dieses Abends ernannte, nachdem die ursprünglich gebuchten Musiker ihren Auftritt aus politischen Gründen abgesagt hatten.
Eigentlich, sagt Hall, müsste an einem Abend wie diesem das ganze Land zusammenkommen und gemeinsam feiern. Aber viele Menschen, «angestachelt von den Medien», hätten es leider auf den Präsidenten abgesehen und instrumentalisierten jeden Auftritt Trumps. An die Adresse der permanenten Präsidenten-Kritiker sagt Hall: «Wir brauchen Sie nicht.» Trump sei der «Star» des Landes und er finde es gut, dass er nun im Zentrum der Veranstaltung stehe.
In den Augen der Trump-Fans kann der Präsident eben nicht verlieren. Egal, was er tut, die eingefleischten Anhänger sind begeistert. Sie freuen sich darüber, wenn er tanzt, zu seinem Lieblingssong «YMCA». Und sie finden es amüsant, wie er seine politischen Verbündeten lobt und über die Demokraten herzieht.
«Niemand kann mir meinen Patriotismus stehlen»
Daniel Kohn, der mit seiner Frau im Schatten sitzt, verdreht da nur die Augen. Er findet, Trump sei ein «verdammter Drecksack», wobei die amerikanische Formulierung noch derber klingt als die deutsche Übersetzung der Beleidigung.
Aber Kohn ist eben auch stolz auf sein Land, und niemand– schon gar nicht Trump – «kann mir meinen Patriotismus stehlen», sagt er «Schweiz heute». Deshalb zieht er sich nun mit seiner Frau die Gratis-Party rein, klatscht begeistert dem Orchester der U.S. Marines zu und freut sich über die «flyovers» der amerikanischen Luftwaffe. «Es gibt nichts Besseres», als wenn ein Tarnkappenbomber oder ein F-35 über die Hauptstadt donnerten, sagt Kohn. «Und über Trump ärgere ich mich, wenn es Dinge gibt, bei denen es sich lohnt, sich aufzuregen.»
Auf die Frage, ob es im Publikum viele Menschen gebe, die ähnlich wie er denke, sagt Kohn: «Ich glaube schon.» Aber sicher ist er sich nicht. (schweizheute.ch)

