Nun auch noch Mali? Hier hat «No New Wars»-Trump bereits Krieg geführt
Donald Trump warb während des Wahlkampfs um seine zweite Amtszeit häufig mit dem Slogan «No New Wars». Er werde die USA von ihrer Rolle als Weltpolizei loslösen und die dafür verwendeten Ressourcen für Projekte im Inland verwenden.
Gut zwei Jahre später erwägt der mittlerweile erneut gewählte und vereidigte Präsident, das US-Militär in Mali einzusetzen. Im Falle eines Einsatzes wäre dies das achte Land, in welchem Trump in seiner zweiten Amtszeit die militärische Macht der Vereinigten Staaten spielen lässt. Eine Übersicht.
Mali?
Das Neuste zuerst: Laut einem Bericht der «Washington Post» erwägt der US-Präsident, in Mali militärisch gegen die Al-Kaida-nahe islamistische Gruppierung JNIM vorzugehen. Als Quelle gibt die Zeitung derzeitige und ehemalige (anonyme) Regierungsmitarbeiter an.
Weder die malische Regierung noch das Pentagon haben sich auf Anfrage der «Washington Post» geäussert. Ein Mitarbeiter des Weissen Hauses kommentierte nichts bezüglich der Pläne, teilte aber mit, dass die USA die Regierungen Nord- und Westafrikas dazu drängen, «US-Ausrüstung und Dienste zur Unterstützung ihres Kampfs gegen den Terrorismus zu kaufen».
Der Mitarbeiter fügte hinzu: «Wir drängen regionale Partner und unsere NATO-Verbündeten dazu, die Allianz der Sahel-Staaten in ihrem Kampf gegen JNIM und den IS zu unterstützen.» Die Sahelzone wird seit Jahren von erstarkenden islamistischen Milizen geplagt.
Die lokalen Regierungen – in Mali die Junta-Regierung um General Assimi Goita – verlieren trotz des Einsatzes angeheuerter russischer Söldnergruppen zunehmend die Kontrolle im Kampf gegen die Terroristen. Erst im April konnte JNIM in einer gut koordinierten Offensive eine strategisch wichtige Stadt im Norden des Landes einnehmen und den malischen Verteidigungsminister bei einem Selbstmordattentat töten.
Die Zivilbevölkerung in Mali leidet extrem unter dem Ausmass der Gewalt – doch diese geht nicht nur von den Islamisten aus. So sind gemäss «Armed Conflict Location & Event Data» im vergangenen Jahr zwar 232 Zivilisten von JNIM und dem IS in Mali getötet worden. Jedoch waren die Regierung und ihre Söldnergruppen (wie etwa die berüchtigte Wagner-PMC) für 925 tote Zivilisten verantwortlich.
Noch seien sich hochrangige US-Regierungsmitarbeiter uneinig, ob man den Einsatz in Mali durchführen soll, schreibt die «Washington Post». Ein Kritikpunkt ist, dass eine US-Einmischung zu direkten Konflikten mit den russischen Söldnertruppen in der Region führen könnte – Söldnertruppen, die eng mit dem russischen Verteidigungsministerium verknüpft sind.
Vergangenes Jahr hatte die Trump-Regierung den Austausch von Geheimdienstinformationen mit Mali wieder limitiert hochgefahren, nachdem dieser unter Präsident Biden wegen der malischen Zusammenarbeit mit Russland und der undemokratischen Regierungsform mehrheitlich eingefroren worden war.
Jemen
Unter dem Codenamen Operation Poseidon Archer hatte die US-Regierung Biden mit Unterstützung von Grossbritannien von Januar 2024 bis Januar 2025 Luftschläge gegen den Jemen geführt. Das Ziel: Die USA sollten die Kapazitäten der Huthi-Miliz zum Beschuss von Schiffen im Roten Meer vernichten. Der Gaza-Waffenstillstand führte zum Ende der Unternehmung. Im März startete der frisch vereidigte Trump mit der Operation Rough Rider den Nachzug.
Zwischen dem 15. März und dem 6. Mai 2025 führten amerikanische und britische Streitkräfte über 1000 Luftschläge gegen Ziele im Jemen aus. Laut US-Regierung wurden dabei 500 bis 600 Huthi-Milizionäre getötet; die Huthis sprechen von deutlich weniger Opfern. Zur Einordnung: Die Huthi-Miliz ist nicht die offiziell anerkannte Regierung des Jemens, hat aber de facto die Kontrolle über die wichtigsten Knotenpunkte des Landes sowie die Hauptstadt Sanaa.
Operation Rough Rider endete Anfang Mai 2025 mit einer vom Oman ausgehandelten Waffenruhe zwischen den USA und dem Jemen. Doch das Verhältnis zwischen den Staaten bleibt angespannt: Erst am Donnerstag haben die Huthis nach eigenen Angaben einen saudischen Frachter im Roten Meer beschossen.
Somalia
In Somalia intervenieren die USA schon seit den 90er-Jahren militärisch – und Donald Trump führt die Tradition fort. Ursprünglich richteten sich die US-Interventionen im Land am Horn Ostafrikas gegen rebellierende Warlords und die Terrorgruppe Al-Kaida; mittlerweile sind der lokale IS-Ableger sowie die rivalisierende islamistische Gruppierung Al-Shabaab das Ziel der Aktionen.
Während der zweiten Präsidentschaft Trumps sollen US-Streitkräfte 203 Einsätze – also Luftschläge, Drohnenschläge und Operationen am Boden – geführt haben. Dabei sind laut des Think Tanks New America zwischen 190 und 420 Personen gestorben, das Gros davon Kombattanten. Nur Trump selbst schlug in Somalia häufiger zu: In seiner ersten Amtszeit griffen die USA 219-mal an.
Syrien
Auch nach dem Fall des langjährigen syrischen Diktators Baschar al-Assad und der Machtübernahme durch den Übergangspräsidenten al-Scharaa haben US-Streitkräfte während der zweiten Trump-Amtszeit Luftschläge auf syrischen Boden ausgeführt.
Im Dezember 2025 griff ein Syrer mit Verbindung zum IS einen US-Stützpunkt nahe der Stadt Palmyra an. Dabei kamen zwei amerikanische Soldaten ums Leben. In Folge führten US-Streitkräfte unter dem Codenamen Operation Hawkeye Strike mit Unterstützung aus Jordanien eine Welle von mindestens 100 Angriffen gegen IS-Ziele in Syrien aus.
Im Januar 2026 folgte eine zweite Angriffswelle, welche erneut 35 IS-Ziele traf. Bis Mitte Februar folgten 15 weitere Angriffe.
Iran
Im Juni 2025 griffen Kräfte der US Air Force und der Navy drei iranische Nuklearanlagen an. Mitunter kamen bei Operation Midnight Spear sieben der berüchtigten B-2-Stealth-Bomber zum Einsatz.
Seit Februar 2026 herrscht Krieg zwischen den USA und dem Iran. Nach einer ersten heftigen Angriffswelle seitens der USA und Israel, bei der der oberste iranische Führer, Ajatollah Ali Chamenei, ums Leben gekommen ist, beschiessen sich beide Seiten mal mehr, mal weniger.
Während die US-Streitkräfte bei der Operation Epic Fury vorerst militärische Ziele und nun auch Infrastruktur wie Brücken und Kraftwerke angreifen, zielen die Revolutionsgarden des Iran mehrheitlich auf amerikanische Stützpunkte in den Golfstaaten sowie gelegentlich auf Frachtschiffe, die die Strasse von Hormus befahren. Bislang sind 18 US-Soldatinnen und Soldaten im Iran-Krieg ums Leben gekommen.
Der andauernde Konflikt hat Folgen für die ganze Welt: Die Ölpreise sind von einer grossen Volatilität geprägt, je nach aktueller Lage im Nahen Osten. Ein Ende des Krieges ist bislang wohl nicht in Aussicht: Mehrere Waffenstillstände und ein Friedensvertrag führten schlussendlich nicht zu einem Ende der Auseinandersetzungen.
Irak
Im Zuge des Iran-Kriegs haben die USA Ende Februar auch Ziele im Irak angegriffen. Gemeinsam mit Israel nahmen die US-Streitkräfte mehrere vom Iran unterstützte Schia-Milizen ins Visier.
Bei den Drohnen- und Luftangriffen sind nach Angaben der Milizen rund 80 Kombattanten getötet worden, darunter mehrere hochrangige Offiziere.
Nigeria
Vom Dezember 2025 bis Anfang Juli 2026 führten die US-Streitkräfte Luftschläge gegen Ziele im Norden Nigerias aus. Dabei wurden gezielt islamistische Milizen wie Boko Haram und ISWAP (Islamic State's West Africa Province) sowie weitere gewalttätige Gruppierungen in der Region angegriffen.
Boko Haram und rivalisierende islamistische Gruppen sind seit über einem Jahrzehnt in Nigeria tätig. Im November 2025 entführten Terroristen über 300 Kinder und zwölf Lehrer aus einer katholischen Schule im Norden des Landes. US-Präsident Donald Trump drohte daraufhin der nigerianischen Regierung, dass die USA bald «mit gezückten Waffen» einmarschieren würden, um die «islamischen Terroristen» auszulöschen. Er habe Kriegsminister Hegseth angewiesen, entsprechende Pläne zu zeichnen.
Bei den darauffolgenden Luftschlägen wurden laut Angaben der nigerianischen Regierung mindestens 175 Milizionäre von Boko Haram und ISWAP getötet, darunter der ISWAP-Anführer Abu-Bilal al-Minuki. Anfang Juli gab das regionale US-Kommando an, man habe sämtliches militärisches Personal (mit Ausnahme von Nachrichtendienst-Assets) aus der Region abgezogen.
Venezuela
Donald Trumps Venezuela-Intervention mit dem Decknamen Operation Absolute Resolve zum Jahresbeginn war politisch riskant, militärisch jedoch ein voller Erfolg. Nach einer langen Periode von Drohungen gegenüber dem langjährigen venezolanischen Machthaber Nicolas Maduro folgte am 3. Januar 2026 schliesslich der amerikanische Zugriff.
In einer koordinierten Aktion wurde in der Nacht militärische Infrastruktur, darunter Stützpunkte, Flugplätze, Kommunikationsanlagen und Häfen, mit Luftschlägen angegriffen. Währenddessen infiltrierten Spezialkräfte im Handstreich die Residenz Maduros inmitten der Hauptstadt Caracas und entführten den Machthaber und seine Frau.
Bei der Aktion starben 24 venezolanische sowie 32 kubanische Soldaten, die in Venezuela stationiert waren. Sieben US-Soldaten wurden verletzt; zwei Zivilisten verloren ihr Leben. Der abgeführte Nicolas Maduro soll am 1. Juni 2027 in den USA vor Gericht gestellt werden. Der Vorwurf: Der 63-Jährige soll sein Amt als Präsident und vorangegangene Posten in der Regierung über Jahre dazu genutzt haben, den Schmuggel von Tausenden Tonnen Kokain in die USA zu ermöglichen.
Zudem heisst es in der Anklageschrift, dass er etwa Diplomatenpässe an Drogenhändler verkauft, diplomatisch getarnte Flüge für Drogengelder ermöglicht und Drogentransporte geschützt haben soll. Dafür soll Maduro sich mit Drogenhändlern verbündet und selbst persönliche Vorteile daraus gezogen haben.
