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Giftgas-Angriff in Syrien fordert 58 Tote darunter elf Kinder

This frame grab from video provided on Tuesday April 4, 2017, by Qasioun News Agency, that is consistent with independent AP reporting, shows a Syrian doctor treating a boy following a suspected chemi ...
Ärzte behandeln einen Knaben in Chan Scheichun.Bild: AP/Qasioun News Agency

Giftgas-Angriff in Syrien fordert 72 Tote, darunter zwanzig Kinder

04.04.2017, 12:0405.04.2017, 07:54

Nach einem Luftangriff in Syrien gehen Aktivisten von 72 Todesopfern aus. Unter den Toten waren gemäss den Angaben elf Kinder. Dies gab die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Dienstag bekannt.

Die Beobachtungsstelle erklärte, bei dem Luftangriff auf die Stadt Chan Scheichun in der nordwestlichen Provinz Idlib sei Giftgas eingesetzt worden. Dutzende weitere Menschen litten demnach nach dem Angriff unter Atembeschwerden und anderen Symptomen. Der Zustand vieler Verletzter sei ernst. Zunächst war von mindestens 35 Toten die Rede gewesen.

Russische oder syrische Kampfjets?

Das Gas war den Angaben zufolge bei einem Luftangriff auf Chan Scheichun in der nordwestlichen Provinz Idlib am Dienstagmorgen freigesetzt worden. Laut Beobachtungsstelle war unklar, ob der Angriff von syrischen oder russischen Kampfjets geflogen wurde.

Die Stelle äusserte sich nicht dazu, welches Gift bei dem Angriff eingesetzt wurde. Von Aktivisten verbreitete Fotos zeigten zwei Männer mit Schaum vor dem Mund und Rettungskräfte der syrischen Weisshelme, die Verletzte mit Wasserschläuchen abwuschen.

Die Beobachtungsstelle, die den bewaffneten Rebellen nahesteht, stützt sich auf ein Netz von Informanten in Syrien. Von unabhängiger Seite sind ihre Angaben nur schwer zu überprüfen.

UNO soll ermitteln

Syriens Opposition rief derweil den UNO-Sicherheitsrat zu einer sofortigen Sitzung und Ermittlungen auf. Die in Istanbul ansässige Syrische Nationale Koalition forderte Massnahmen, damit die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden.

Die Provinz Idlib wird zu grossen Teilen von einem Rebellenbündnis kontrolliert, das vom ehemaligen Al-Kaida-Ableger Al-Nusra-Front angeführt wird. Die Gruppe trägt mittlerweile den Namen Fatah al-Scham.

UNO-Sanktionen scheiterten

Im Syrien-Konflikt haben sowohl die Regierung als auch die Terrormiliz (IS) bereits Giftgas eingesetzt, wie eine Untersuchungskommission der UNO in einem Bericht festhielt. Neue Sanktionen gegen Damaskus wegen des Einsatzes von Giftgas scheiterten Ende Februar im UNO-Sicherheitsrat am Veto Russlands und Chinas.

Ein Bericht der Untersuchungskommission des Menschenrechtsrates sprach von mindestens fünf Chlorgas-Angriffen regierungstreuer Kräfte seit Anfang dieses Jahres.

Bereits 2013 waren östlich der Hauptstadt Damaskus bei Angriffen mit Giftgas rund 1400 Menschen getötet worden. Die Opposition und der Westen machten dafür Syriens Regierung verantwortlich. Diese stimmte danach zu, alle Giftgasvorräte zu vernichten. Chlor fiel jedoch nicht unter das Verbot, weil es für zivile Zwecken benötigt wird. (whr/sda/afp/dpa)

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