«Was für ein Horror»: Mindestens zwölf Tote bei Waldbrand in Spanien – das musst du wissen
Das ist passiert
Ein verheerender Waldbrand hat unweit beliebter Mittelmeer-Strände im Süden Spaniens viele Menschenleben gefordert. Nach Angaben der Regionalregierung von Andalusien gab es im Gebiet um die Gemeinden Los Gallardos und Bédar mindestens elf Todesopfer. Bis am Freitagmittag stieg die Zahl schliesslich auf mindestens zwölf Tote, wie der andalusische Präsident Juan Manuel Moreno laut El Pais verkündete.
Der TV-Sender RTVE sprach vom «tödlichsten Waldbrand des 21. Jahrhunderts» in Spanien. Da 23 Personen vermisst werden, steht die genaue Totenzahl nicht fest. Gemäss spanischen Medien würden die Einsatzkräfte «Haus um Haus, Strasse um Strasse» nach weiteren Opfern durchsuchen.
Neben den zwölf Todesopfern gab es nach einer vorläufigen Bilanz der Regionalregierung acht Verletzte, vier davon seien schwer verletzt worden. Der regionale Gesundheitsminister Antonio Sanz sprach von einer «beispiellose Tragödie» – es sei der Waldbrand «mit den bislang schwersten Folgen» in Andalusien. «Der Schmerz ist unermesslich. Andalusien trauert, und unser Herz ist bei Almería und allen Betroffenen.»
Mehr als 1000 Menschen aus mehreren Ortschaften wurden evakuiert und in Notzelte in benachbarten Orten wie Mojácar gebracht. Auch ein Campingplatz, der bislang von den Flammen verschont blieb, wurde vorsorglich geräumt. 400 teils ältere Menschen seien an sichere Orte gebracht worden. «Durch die Evakuierungen wurden viele Menschenleben gerettet», sagte Sanz.
Was über die Opfer bekannt ist
Die Opfer erlebten wohl ein schreckliches Ende: Vier seien in einem Fahrzeug, sieben andere auf den Strassen von den Flammen eingeschlossen worden und verbrannt, hiess es. Es handelt sich laut Behörden um Personen, die vor den Flammen fliehen wollten, dabei jedoch eine falsche Fluchtroute gewählt hätten. Eine sichere Route war laut El Pais ausgewiesen, die Menschen hätten jedoch einen anderen Weg gewählt. Dieser habe sie wohl in den Tod geführt, erklärte Moreno.
Aufgrund verschiedener Indizien vermute man, dass unter den Toten Ausländer seien, möglicherweise Briten und Belgier. Man müsse aber die Identifizierung der Opfer abwarten, erklärte regionale Gesundheitsminister Antonio Sanz. Die Position der Lenkräder in den Autos deutet jedoch darauf hin, dass unter den Opfer zumindest Briten sind.
Die betroffene Region gehört zwar nicht zu bekanntesten Touristen-Hotspots Spaniens. Strände wie der Playa de Mojácar werden im Sommer vorwiegend von Spaniern, nach Behördenangaben aber auch von Zehntausenden ausländischen Touristen vor allem aus Grossbritannien, Belgien und Frankreich besucht.
Das sagen Augenzeugen
Auf Videos, die von RTVE und anderen Medien veröffentlicht wurden, hört man Menschen verzweifelt schreien: «Was für ein Horror, was für ein Horror!», «Das Feuer ist ganz in der Nähe!» und «Häuser brennen!». Der Bürgermeister der betroffenen Ortschaft Antas, Pedro Ridao, sagte, man habe eine «Schreckensnacht» erlebt. Anwohner sprachen im TV von einem «Inferno» und einem «Albtraum».
Auf Fernsehbildern war zu erahnen, wie gewaltig das Feuer in der Provinz Almería sein muss: Über der waldreichen Gegend zeichneten sich die orangefarbenen Flammen in grosser Breite ab.
Das ist zur möglichen Ursache bekannt
Etwa 150 Feuerwehrleute hatten zunächst die ganze Nacht über bei starkem Wind gegen die Flammen gekämpft. Die Zahl der Einsatzkräfte wurde am Freitag auf mehr als 460 erhöht. «Sie kämpfen mit aller Kraft gegen einen schrecklichen Brand, der sehr komplex ist und sich schnell ausbreitet», sagte Sanz. Eingesetzt werden dabei auch elf Löschflugzeuge und -Helikopter.
Als Ursache des Brandes wird der Einsturz einer Stromleitung vermutet. Das sagte Andalusiens Präsident Moreno. Das verantwortliche Unternehmen hingegen beteuert, dass das Kabel schon seit 2009 nicht mehr unter Strom gestanden habe. Zudem habe das Kabel zu einer Privatanlage eines ehemaligen Restaurants gehört, nicht zum Energieversorger, erklärt das Unternehmen gegenüber El Pais.
Der Brand war am Donnerstagabend in der im Küstenhinterland nordöstlich der Provinzhauptstadt Almería gelegenen 3000-Einwohner-Gemeinde Los Gallardos ausgebrochen. Bis Freitagvormittag erfassten die Flammen laut Behörden mehr als 3000 Hektar. Auf TV-Bildern war zu erahnen, wie gewaltig das Feuer sein muss: Über der wald- und hügelreichen Gegend zeichneten sich die orangefarbenen Flammen in grosser Breite ab. Mehrere Strassen wurden gesperrt.
Die Reaktionen auf das Inferno
Auch der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez brachte auf der Plattform X seine «grosse Trauer und Bestürzung angesichts der schrecklichen Folgen des Brandes» zum Ausdruck.
Das Königshaus von Monarch Felipe VI. schrieb auf X: «Tief betroffen über die Tragödie des Waldbrandes von Los Gallardos (...). Wir sprechen den Familien und Angehörigen der Todesopfer sowie allen Betroffenen unser Mitgefühl und unsere tiefe Anteilnahme aus.»
La Casa Real transmite su más profundo pesar y desolación ante la trágica pérdida de vidas humanas en el devastador incendio de Almería. Los Reyes envían todo su afecto y sincero pésame a las familias de las víctimas de esta terrible catástrofe. 🖤 #Almeria #CasaReal pic.twitter.com/ejoBp34nOk
— Monarquía España ⚜ (@MonarquiaEspana) July 10, 2026
Der bislang tödlichste Waldbrand in der Geschichte Spaniens ereignete sich 1984 auf der Kanareninsel La Gomera. 20 Menschen starben. Bei einem Waldbrand in Guadalajara nördlich von Madrid gab es 2005 elf Tote, allesamt Feuerwehrleute.
Das sagen Experten zur Lage in Europa
Spanien, aber auch Portugal und andere europäische Länder werden schon seit Wochen von einer ganzen Serie von Waldbränden heimgesucht. In Italien wütete am Freitag ein grosses Feuer. Betroffen ist ein Gebiet von mehr als 600 Hektar in der norditalienischen Region Piemont am Rande des Nationalparks Val Grande. In der Ortschaft Colloro mussten etwa 150 Menschen sicherheitshalber ihre Häuser verlassen.
Seit Jahresbeginn haben grossflächige Feuer allein in Spanien bereits mehr als 57'000 Hektar Land zerstört, wie Daten des Waldbrand-Informationssystems der Europäischen Kommission (EFFIS) zeigen.
Experten beklagten unterdessen erneut mangelnde Präventionsmassnahmen. Sie sprechen von einer vermeidbaren Tragödie. Bewohnte Gebiete lassen sich ohne grössere Ausgaben besser schützen, behaupteten gleich mehrere Forstexperten und erfahrene Brandbekämpfer in RTVE unisono.
«Es ist wie ein ewiges Déjà-vu. Jedes Jahr fordern wir mehr Vorsorgemassnahmen», sagte zum Beispiel Waldbrandbekämpfer Román García in RTVE. Solche Brände würden durch den Klimawandel und die globale Erwärmung begünstigt. Die zunehmende Trockenheit und der Feuchtigkeitsmangel machten Wälder und Buschland zu leicht entzündlichem Brennstoff und begünstigten die rasche Ausbreitung der Feuer. (sda/dpa)
