DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Die Temperaturen in Europa von vergangenem Donnerstag. bild: copernicus sentinel-3

Wohin ist denn eigentlich die Hitzewelle verschwunden? Nun, die Antwort ist beunruhigend

Die Hitzewelle hat sich in den Norden verabschiedet und treibt dort die Eisschmelze voran. Auch von der Antarktis gibt es keine guten Neuigkeiten.



Die Rekorde purzelten diese Woche gleich reihenweise. 42,6 Grad in Deutschland, 40,8 Grad in Belgien und 40,7 Grad in Holland. Noch nie war es in diesen Ländern heisser als in den vergangenen Tagen. Auch die Schweiz ächzte unter der Hitzewelle. In der Nordwestschweiz stieg das Quecksilber teilweise auf über 37 Grad.

Vielen dürfte die Abkühlung übers Wochenende deshalb nicht ungelegen kommen. Auf der Alpennordseite werden die Temperaturen am Sonntag vielerorts sogar unter der 20-Grad-Marke bleiben. Zeit, um etwas zu verschnaufen und die Wohnung wieder einmal richtig durchzulüften.

Die Hitzewelle verschiebt sich in den Norden

Kollektives Aufatmen in ganz Europa also? Mitnichten. Denn die heisse Luft hat sich einfach weiter in den Norden verschoben. In Skandinavien werden dieses Wochenende Temperaturen von über 30 Grad gemessen. In der norwegischen Stadt Bergen wurde am Freitag mit 32,8 Grad Celsius ein neuer Rekord aufgestellt. In Finnland, Norwegen und Schweden macht man sich Sorgen, dass wie schon 2018 zahlreiche Waldbrände entstehen.

Halt macht die Hitzewelle in Skandinavien nicht. Sie wird sich noch weiter in den Norden bewegen und auch in Grönland für ungewöhnlich hohe Temperaturen sorgen. Dies lässt aufhorchen: Denn die Hitze wird die Schmelze des Grönländischen Eisschildes beschleunigen.

Clare Nullis, Sprecherin der World Meteorological Organization, sagte diese Woche, dass die Eisschmelze dieses Jahr so stark wie noch nie sein könnte. Der bisherige Rekord stamme aus dem Jahr 2012. Ob man dieses Level erneut erreichen werde, könne man jetzt noch nicht sagen, aber es werde sicher knapp, so Nullis.

Um zu veranschaulichen, welche Massen vom Eisschild ins Meer schmelzen, macht Nullis einen Vergleich: «Alleine im Juli verlor er 160 Milliarden Tonnen Eis durch die Schmelze. Das entspricht ungefähr 64 Millionen olympischen Schwimmbecken.»

Der Grönländische Eisschild ist der zweitgrösste Eiskörper der Welt. Schmelze er komplett weg, so würde der Meeresspiegel im Schnitt um sieben Meter ansteigen.

Auch das Meereis schmilzt weg

Die hohen Temperaturen führen auch dazu, dass das Meereis stärker schmilzt. Dies führt im Gegensatz zur Schmelze des Grönländischen Eisschildes nicht zu einem Anstieg des Meeresspiegels, stört jedoch das ökologische Gleichgewicht. So wird etwa der Lebensraum der Eisbären kleiner, nur um ein Beispiel zu nennen.

Die Meereis-Schmelze beschleunigt auch die Klimaerwärmung. Da das Sonnenlicht nicht mehr auf helles Eis trifft, sondern auf dunkleres Wasser, wird die Energie weniger stark ins All reflektiert.

Am 23. Juli war die Meereis-Ausbreitung in der Arktis auf einem Rekordtief. Es könnte also sein, dass zum Ende der Schmelzsaison sowohl das Meereis als auch der Grönländische Eisschild so wenig Volumen haben werden wie noch nie.

Gute Neuigkeiten gibt es übrigens auch von der anderen Seite der Welt nicht, wo es momentan Winter ist. Das Meereis in der Antarktis ist dieses Jahr so wenig gewachsen wie noch nie.

In der Arktis gibt es dieses Jahr zudem äusserst viele Waldbrände. Mehr dazu erfährst du hier:

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Vom Ende der Ewigkeit – eine Reise durch bedrohte Polarwelten

«So viele Bären gab es noch nie» – Eisbären-Alarm in Russland

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Ein Paar in Brasilien pflanzte 20 Jahre lang Bäume – und lebt jetzt in einem Wald

Es ist eines der grössten Aufforstungsprojekte der Welt: Das Ehepaar Salgado pflanzte in 20 Jahren einen 68 Millionen Quadratmeter grossen Wald. Sie haben bewiesen, dass der Klimawandel nicht nur gestoppt, sondern auch rückgängig gemacht werden kann.

Anfang der 90er-Jahre wurde der brasilianische Fotografjournalist Sebastiao Ribeiro Salgado nach Ruanda geschickt, um über den schrecklichen Völkermord zu berichten. Das vor Ort Erlebte traumatisierte ihn schwer. 1994 kehrte Salgado in seine Heimat zurück. Er hoffte zu Hause in Minas Gerais, wo er von einem üppigen Wald umgeben aufgewachsen war, Ruhe und Erholung zu finden.

Statt des Waldes aber fand er kilometerweit staubiges und karges Land vor. In wenigen Jahren fand in seiner Heimatstadt …

Artikel lesen
Link zum Artikel