Es ist geschafft. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat die Inflation wieder unter Kontrolle und daher den Leitzins auf 0,5 Prozent herabgesetzt. Damit ist die Inflationswelle vorbei, die Corona und Russlands Angriff auf die Ukraine ausgelöst hatten. Doch was heisst das? Wird bald wieder alles so teuer sein wie zuvor? Lassen sich Preiserhöhungen rückgängig machen?
Die Inflation beschäftigt die Menschen. Umfragen bei Wählerinnen und Wählern in den USA zeigen, dass sie der wichtigste Grund war, nicht für Kamala Harris zu stimmen. Die Niederlage der amtierenden Vizepräsidentin passt ins historische Bild, das sich aus 365 Wahlen in 18 reichen Ländern ergibt. Laut dem Kieler Wirtschaftsinstitut hatten extreme oder populistische Parteien immer dann hohe Zugewinne, wenn die Menschen von hoher Inflation überrascht wurden.
Trump hat wohl keine Studie gebraucht, um das zu wissen. Wie die «Washington Post» berichtet, hatte er im Wahlkampf an einer Veranstaltung angekündigt: «Von dem Tag an, an dem ich den Amtseid ablege, werden wir die Preise schnell senken und Amerika wieder erschwinglich machen.» Und er versprach dem Publikum: «Die Preise werden sinken. Sie werden es sehen. Sie werden schnell sinken.»
Werden sie dies wirklich? Nach seinem Wahlsieg scheint Trump das Problem realistischer einzuschätzen. Im Interview mit dem «Time Magazine» sagte er: «Ich würde die Preise gerne senken. Es ist schwierig, die Dinge zu senken, wenn sie einmal hoch sind. Das ist sehr schwierig. Aber ich denke, sie werden sinken.» Dies werde geschehen, wenn die Energiekosten fielen und die Lieferketten nicht mehr kaputt seien.
Damit dürfte Trump näher an der Wahrheit liegen als mit seinem grossen Versprechen. Tatsächlich ist es sehr schwierig, einmal gestiegene Preise wieder zu senken. Das kann zwar bei einzelnen Waren passieren, vor allem, wenn sie wie Benzin oder Strom auf den Preisen an internationalen Märkten basieren. Für das durchschnittliche Preisniveau aller Waren und Dienstleistungen ist dies aber kaum möglich, und wenn, dann nur unter Inkaufnahme grossen menschlichen Leids. Das gilt überall, auch in der Schweiz.
Die Löhne sind wohl der wichtigste Grund, warum Trump recht hat, wenn er sagt, es sei schwierig, Preise zu senken, wenn sie erst einmal oben seien. Denn mit den Preisen gingen auch die Löhne hoch. Damit die Preise sinken, müssten deshalb auch die Löhne sinken. Anders geht es nicht, wenn die Löhne einen wichtigen Teil der Kosten ausmachen.
Die Arbeitgeber müssten also hingehen und ihren Mitarbeitenden tiefere Löhne in die Arbeitsverträge schreiben. Und das sei «extrem unpopulär», sagt David Dorn, Ökonomieprofessor an der Universität Zürich. Forschungen hätten gezeigt, dass Lohnsenkungen die Mitarbeitenden stark demotivieren.
Das geht so weit, dass die Leistungen dermassen nachliessen, dass es zu einem Verlustgeschäft für die Arbeitgeber würde. Diese verzichten deshalb selbst in schweren Krisen auf dieses Mittel. Stattdessen sparen sie an der Zahl der Arbeitsplätze – schaffen weniger neue oder streichen bestehende. Die Arbeitslosigkeit müsste also steigen, um die Preise wieder zu senken.
Und die Geschichte zeigt, dass es häufig einen sehr starken Anstieg braucht. Wie in einer Depression. In der Eurokrise durchlitt Griechenland eine Verdreifachung der Arbeitslosenquote auf fast 30 Prozent – das Preisniveau sank bloss um etwa 5 Prozent. Dorn sagt: «Letztlich lässt sich Inflation meist nur rückgängig machen, wenn ein sehr hoher volkswirtschaftlicher Preis bezahlt wird.»
Der Nobelpreisträger Paul Krugman nennt einen weiteren Grund, warum Lohnkürzungen extrem unpopulär sind, selbst dann, wenn zugleich die Preise sinken. Eigentlich könnte es den Arbeitnehmenden ja egal sein, beispielsweise 2 Prozent weniger zu verdienen, wenn zugleich auch ihre Lebenskosten um 2 Prozent sinken würden. Doch so viel Einsicht in gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge haben die wenigsten, wie eine von Krugman zitierte Umfrage gezeigt hat.
In der Umfrage wurde erforscht, wie Menschen auf ein wirtschaftliches Umfeld reagieren, in welchem zugleich die Löhne wie auch die Preise steigen. Die Inflation ist also hoch, wird aber ausgeglichen durch ebenfalls hohe Lohnerhöhungen. Die Kaufkraft der Löhne bleibt erhalten, an sich müsste sich niemand ärgern. Doch so funktioniert es nicht.
Die Befragten glaubten, die Lohnerhöhungen seien ihr eigenes Verdienst, die hohe Inflation hingegen die Schuld der amtierenden Regierung. In den amerikanischen Wahlen beispielsweise dürften sie Joe Biden und Kamala Harris die Schuld an der Inflation gegeben haben. Hingegen haben sie ausgeblendet, dass unter ihnen auch die Wirtschaft boomte. Wenn sie in dieser Zeit eine Lohnerhöhung bekamen, hatte dies ihrer Ansicht nach nichts mit Harris und Biden zu tun.
Was ein….
Donald stellt sich drohend vor der Inflation auf und streckt den Zeigefinger aus und sagt „Du, Du böse Inflation. Du gehst jetzt sofort weg oder der böse Onkel Musk wird dich verhauen.“