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Gefährlicher als Omikron? 7 Fragen und Antworten zur neuen Corona-Variante

Französische Wissenschafter beschreiben das Auftreten einer neuen Variante des Coronavirus, den ein Rückkehrer aus Kamerun nach Südfrankreich eingeschleppt hat. Zusammen mit dem Virensequenzierer Richard Neher von der Universität Basel beantworten wir die 7 wichtigsten Fragen dazu.
04.01.2022, 12:15
Bruno Knellwolf / ch media
Bild: keystone

Wer hat die neue Variante B.1'640.2 entdeckt?

Experten des IHU Mediterranee Infection in Marseille haben die Variante B.1'640.2 entdeckt. Veröffentlicht haben die französischen Forscher ihre Entdeckung in einer Preprint-Studie auf medRxiv, einer Webseite verschiedener namhafter Universitäten und Institute wie zum Beispiel Yale. Preprint bedeutet, dass die Studie noch nicht von unabhängigen Wissenschaftern begutachtet ist.

Richard Neher
Richard NeherBild: Universität Basel

Was haben die französischen Forscher und Forscherinnen entdeckt?

Bei zwölf Sars-CoV-positiven Patienten, die im gleichen geografischen Gebiet im Südosten Frankreichs lebten, zeigten PCR-Tests, eine Kombination von Mutanten. Mutationen sind für ein Virus typisch. Dazu sagt Richard Neher von der Universität Basel:

«Die entdeckte Variante hat eine Reihe von Mutationen wie zum Beispiel E484K, N501Y, P681H die typischerweise in besorgniserregenden Varianten (VoCs) vorkommen».

Aber die Variante scheint sich nach dem Viren-Sequenzierer bislang nicht stark auszubreiten und ist damit «eine unter vielen» die sich gegen Omikron und Delta zumindest bislang nicht durchsetzt. «Wir sollten diese, wie auch andere Varianten, beobachten, aber es besteht kein Grund speziell über diese Variante besorgt zu sein», sagt Neher.

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Video: watson/lea bloch

In gewissen Medien ist von atypischen Kombinationen zu lesen. Da widerspricht der Forscher vom Biozentrum der Uni Basel. «Ähnliche Kombinationen von Mutationen haben wir auch bei anderen Varianten schon gesehen.» Aber natürlich habe diese Variante auch Mutationen, die neu sind. Dies sei aber nicht per se besorgniserregend, sagt Neher.

Woher könnte dieses mutierte Coronavirus kommen?

Gefunden wurde die Variante B.1'640 bei einer Person, die aus Kamerun nach Frankreich zurück gereist ist.

Was ist aussergewöhnlich an dieser Mutation?

Die Analyse der französischen Forscher ergab 46 Mutationen und 37 Deletionen bei der als B.1'460.2 klassierten Variante. Deletionen sind Mutationen am Chromosom, bei dem mindestens ein Basenpaar aus der DNA des Virus verlustig ging.

Besorgniserregend könnten dabei zwei Mutationen am Spike-Protein sein, die man von anderen Varianten kennt. Die Mutationen N501Y und E484K sind auch der Teil anderer Virusvarianten. Bei E484K handelt es sich um eine Escape-Mutation, eine Flucht-Mutation, welche unter Umständen die bestehende Immunität umgehen kann und deshalb auch die Wirksamkeit von Impfstoffen beeinflussen kann.

Omikron hat an derselben Stelle, wo bei der neuen Variante E484K gesehen wurde, die Mutation E484A. Alpha hat an der Stelle 484 keine Mutation, Beta und Gamma haben auch E484K. «Diese Varianten sind nicht miteinander verwandt und ich glaube nicht, dass man von einzelnen Mutationen auf klinische Eigenschaften der Variante schliessen kann», sagt Richard Neher von der Universität Basel.

Hat B.1'640.2 mehr Mutationen am Spike-Protein als Omikron wie nun einige Medien schreiben?

Nein. «Omikron hat mehr Mutationen als diese Variante», sagt Richard Neher. Der Grund für diese Fehlmeldung könnte sein, dass die Variante aus Kamerun eine Deletion von 9 Aminosäuren aufweist, die vielleicht von manchen als 9 separate Mutationen dazu gezählt werden.

Was weiss man zur Gefährlichkeit dieser Mutation?

Noch nichts. Aufgrund der festgestellten Veränderungen ist es möglich, dass die Variante aus Kamerun ansteckender ist als der Wildtyp aus Wuhan. Das sagt allerdings nicht viel, weil das Ursprungsvirus Sars-CoV-2 viel weniger ansteckend war als Delta und noch viel weniger als Omikron.

Die Studienautoren und Autorinnen schreiben in ihrer Preprint-Studie lediglich, dass die erhobenen Daten ein weiteres Beispiel für die Unvorhersehbarkeit des Auftretens von neuen Sars-CoV-2-Varianten seien sowie für deren Einschleppung aus dem Ausland in ein bestimmtes geographisches Gebiet.

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Sars-CoV-2-Varianten haben sich gemäss den Forschern zu einem wichtigen virologischen, epidemiologischen und klinischen Problem entwickelt, insbesondere im Hinblick auf das Risiko des Ausbruchs trotz der durch Impfung induzierten Immunität in der Bevölkerung.

Wird diese Variante irgendwann von der Weltgesundheitsorganisation WHO als besorgniserregend erklärt so wie vor einem Monat, als die Variante B.1.1'529 zur Variante Omikron ernannt wurde?

Das kann man nicht sagen. Mutationen von Viren sind sehr häufig, die Gefährlichkeit muss sich erst noch zeigen. Bei Omikron ging es allerdings schnell. Am 24. November wurde in Südafrika über die Identifizierung einer neuartigen SARS-CoV-2 Variante berichtet. Zwei Tage später wurde diese bereits zur besorgniserregenden Virusvariante Omikron ernannt.

Bis heute hat die WHO fünf Varianten als besorgniserregend bezeichnet, als Variant of Concern (VOC). Daneben gibt es noch mehrere Variant of Interest (VIC), das sind interessante Varianten, die beobachtet werden.

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