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epa08798607 Minks in a farm in Gjoel in North Jutland, Denmark, 09 October 2020 (issued 04 November 2020). Reports on 04 November 2020 state that Denmark plans to cull all minks in the country's mink fur farms to contain a spread of a coronavirus mutation. A Covid-19 outbreak in mink farms in October 2020 saw similar measures.  EPA/Mads Claus Rasmussen DENMARK OUT

Eine bei gezüchteten Nerzen mutierte Variante von SARS-CoV-2 könnte die Wirksamkeit von Corona-Impfstoffen gefährden. Nun wird versucht, die Ausbreitung zu stoppen. Bild: keystone

Nach Mutation von Coronavirus: Dänemark ergreift drastische Schritte

In Nordjütland grassiert eine Virusvariante, die Corona-Impfungen beeinträchtigen soll. Das BAG erklärt, man beobachte die Situation «eng».



«Wir könnten eine Pandemie in der Dimension der Spanischen Grippe bekommen.»

Hans Jørn Kolmos, Professor für klinische Mikrobiologie

Eine Nachricht aus Dänemark sorgte am Mittwoch bei Tierfreunden für Entsetzen: Die Regierung lasse 17 Millionen Nerze töten. Der Grund: Bei einer unbekannten Zahl der Pelztiere, die auf Nerzfarmen gezüchtet werden, grassiere eine Mutation von Sars-CoV-2, die gefährlich werden könnte.

Die massenhafte Haltung in Käfigen auf engstem Raum habe sich als ideal für die schnelle Ausbreitung des Virus erwiesen und eben auch für Mutationen, den «Alptraum bei der Pandemiebekämpfung», berichten deutsche Medien.

Das Virus war zunächst vom Mensch aufs Tier übergesprungen, veränderte sich und sprang wieder zurück.

Eine zweite Corona-Pandemie, die jetzt statt von chinesischen Geflügelmärkten von Nerzkäfigen im Norden Dänemarks ausgeht?

Damit diese beängstigende Aussicht nicht Wirklichkeit werde, habe die Regierung in Kopenhagen am Donnerstag die weitgehende Isolierung der gesamten Bevölkerung im nördlichen Jütland verfügt, heisst es in einem Bericht.

Ausserdem würden alle Bewohner der Region aufgefordert, sich auf die spezielle Mutation testen zu lassen.

Was ist «Cluster 5»?

Forscher nennen die Mutation «Cluster 5». Und diese sei in Dänemark mittlerweile in fünf Nerzfarmen entdeckt worden, zwölf Menschen hätten sich nachweislich angesteckt.

Das staatliche Serum-Institut halte die Mutation für so gefährlich, dass nun so schnell wie möglich alle Nerze in Dänemarks mehr als 1100 Nerzfarmen getötet werden sollen.

Dass das neue Coronavirus unter den Zuchttieren in den Nerzfarmen kursiert, ist schon länger bekannt.

Am Mittwoch hiess es, nach Angaben der dänischen Behörden seien bereits auf mehr als 200 Farmen Corona-Fälle festgestellt worden. Auf 67 Farmen seien bereits alle Tiere getötet worden. Doch erfolgten die Tötungsaktionen offenbar nicht schnell genug, um die Gefahr zu minimieren.

epa08539012 Employees clear the remains of culled mink from a mink farm infected with the coronavirus, in Ospel, the Netherlands, 10 July 2020. According to reports, The Netherlands is the only country so far to have reported SARS-CoV-2 in mink, which has struck 12 of about 130 Dutch mink farms prompting the authorities to start culling tens of thousands of minks. Like humans, infected mink can show no symptoms, or develop severe problems, including pneumonia.  EPA/ROB ENGELAAR

Im Juli 2020 gab es in der Niederlande «Keulungen» (Tötungen) von Zuchtnerzen. Bild: keystone

Am Donnerstag zog die dänische Regierung die Notbremse: Neben dem Tötungsbeschluss ordnete die Regierung in Kopenhagen auch spezielle Restriktionen für die Region Nordjütland an, in der die infizierten Farmen liegen. Die dort lebenden rund 300'000 Bewohner sind aufgefordert, in den kommenden vier Wochen möglichst nicht über die Gemeindegrenzen hinauszureisen, alle Cafés, Restaurants und Kneipen werden geschlossen, öffentliche Veranstaltungen abgesagt. Schulen und Kitas sollen aber offen bleiben.

Mutation bedroht Wirksamkeit von Impfstoffen

Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen sprach am Mittwochnachmittag von «möglichen äusserst negativen Konsequenzen für den Verlauf der Pandemie nicht nur in Dänemark, sondern weltweit».

«Wir haben Verantwortung für den Rest der Welt», zitierten Medien die Regierungschefin, die wegen eigener Corona-Quarantäne nur virtuell am Briefing teilnehmen konnte.

Denmark's Prime Minister Mette Frederiksen gives a status on the situation with COVID-19 infection in mink farms via a virtual press conference in Copenhagen, Denmark, Wednesday Nov. 4, 2020. Denmark’s prime minister says the government wants to cull all minks in Danish farms, to minimize the risk of them re-transmitting the new coronavirus to humans. She sais a report from a government agency that maps the coronavirus in Denmark has shown a mutation in the virus found in 12 people in the northern part of the country who got infected by minks.  (Olafur Steinar Gestsson/Ritzau Scanpix via AP)

Dänische TV-Journalisten verfolgen die Medienkonferenz, in der die dänische Ministerpräsidentin über die Bedrohung durch das mutierte Coronavirus informiert. Bild: keystone

Laut Kåre Mølbak, Direktor des Serum-Instituts, sei ein Szenario denkbar, «bei dem wir eine Pandemie bekommen, die in Dänemark ihren Ausgang nimmt».

Zwar seien Mutationen etwas ganz Natürliches, auch SARS-CoV-2 sei bereits mehrfach mutiert: «Aber beim Überspringen der Viren von Tieren auf Menschen, also wenn diese in ein anderes biologisches System gelangen, entstehen spezielle Mutationen», erläuterte Mølbak. Und bei «Cluster 5» liege die spezielle Mutation ausgerechnet in dem Teil von Sars-CoV-2, auf den die meisten Impfstoffe abzielten.

Die Wissenschaftler befürchten, dass Antikörpertherapien wie Impfungen nicht mehr anschlagen. «Deren Schlüssel passt dann nicht mehr ins Schloss», wird der Immunologie-Professor Jan Pravsgaard Christensen zitiert.

Diese Befürchtung habe man seit September gehabt, doch nun sei sie durch einen Labornachweis bestätigt.

Hans Jørn Kolmos, Professor für klinische Mikrobiologie, warnte vor dramatischen Folgen, falls die Corona-Impfstoffe nicht wie geplant wirkten: «Wir könnten eine Pandemie in der Dimension der Spanischen Grippe bekommen.»

«Wir können zu einem neuen Wuhan werden. Jetzt müssen wir darüber plötzlich bei der WHO Bericht erstatten und gehören damit zu einer ganz anderen Länderkategorie.»

Kåre Mølbak

Die dänische Gesundheitsbehörde geht laut Berichten davon aus, dass die Hälfte der Corona-Infizierten in der Region mit Nerz-Mutationen infiziert sein könnte, rund ein Zehntel von ihnen mit der Variante «Cluster 5». Wenn es nicht gelinge, die Mutation vor Ort zu stoppen, könne Nordjütland so etwas wie ein zweites Wuhan werden, warnte Mølbak.

watson hat beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) um eine Stellungnahme ersucht. Die Antwort per E-Mail:

«Das BAG beobachtet die Situation eng. Zu Auswirkungen der Mutation auf den Krankheitsverlauf bei Menschen, die Ausbreitungsgeschwindigkeit oder gar Auswirkungen auf die Wirksamkeit von Impfstoffen, welche sich in Entwicklung befinden, kann zum aktuellen Zeitpunkt keine Aussage gemacht werden.»

Yann Hulmann, Mediensprecher

Dänemark hatte schon vor zwei Wochen in einem ersten Anlauf versucht, die Ausbreitung des Coronavirus zwischen den Nerzfarmen zu stoppen und dafür die Tötung von 4 Millionen Tieren angeordnet. Das Virus grassierte weiter.

Und die Niederlande hatten nach ähnlichen Ausbrüchen von Corona-Infektionen bei Nerzen Anfang Juni beschlossen, alle Pelztiere auf den betroffenen Farmen zu töten.

Quellen

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