So viel muss eine Rentnerin für Weltkriegsmunition unter dem Haus zahlen
Die Rentnerin Melitta Weinberger lebt seit 1954 in einem Haus in München. Dass sich unter ihrem Grundstück ein Waffenlager aus dem Zweiten Weltkrieg befand, ahnte sie jahrzehntelang nicht. Aufgedeckt wurde der Fund erst 2017, als auf dem Nachbargrundstück Bauarbeiten stattfanden und dabei auch in Weinbergers Garten Munition entdeckt wurde.
Das frühere Wehrmachtsgelände mit einem Panzerschiessstand wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in einem Löschwasserbecken versenkt und zugeschüttet. Mehr als 70 Jahre später kamen dort Granaten, Panzerminen und Artilleriegeschosse wieder zum Vorschein. Die Munition wurde vom Kampfmittelbeseitigungsdienst geborgen. Während der Arbeiten mussten die Bewohnerinnen und Bewohner im Umkreis von 100 Metern ihre Häuser verlassen. Die Aktion kostete mehr als 1.7 Millionen Euro.
Rentnerin muss zahlen
Der Bund übernahm 1.15 Millionen Euro der Kosten, die Stadt München weitere 400'000 Euro. Von den verbleibenden 170'000 Euro soll Melitta Weinberger 45'000 Euro bezahlen. Dagegen wehrt sie sich nun vor dem Verwaltungsgericht. Sie empfinde die Kostenbeteiligung als ungerecht. «Ich bin froh, dass mein Grundstück jetzt frei von Bomben ist. Aber es ärgert mich, denn ich kann nichts für die Munition, soll dafür zahlen – und mein Nachbar nicht», sagt Weinberger gegenüber der «Bild». Zudem fragt sie sich, weshalb es auf einem ehemaligen Munitionslager überhaupt Bauland gebe.
Gemäss der Stadtverwaltung befanden sich 90 Prozent des Waffenlagers unter Weinbergers Grundstück. Deshalb müsse sie auch einen entsprechend höheren Anteil der Kosten übernehmen. Laut der Rentnerin könnte die Belastung jedoch noch grösser werden: «Die Stadt könnte einen neuen Bescheid erlassen und anteilsmässig auch 90 Prozent der verbliebenen 170'000 Euro in Rechnung stellen.»
Für Weinberger wäre dies finanziell schwierig. Um ihr Grundstück wieder instand zu setzen, habe sie bereits 80'000 Euro ausgegeben. Bis zum 10. August wollen sich die Parteien nun einigen. (kek)
