Steven Spielberg glaubt, dass nur Aliens die Menschheit retten können
Es ist eher ungewöhnlich, dass sich ein Regisseur im Trailer seines Films direkt zu Wort meldet. Aber Steven Spielberg («E.T.», «Indiana Jones») ist natürlich kein gewöhnlicher Regisseur, sondern einer der wenigen, deren Namen auf dem Filmplakat stets ein Versprechen enthält.
Den Trailer zu «Disclosure Day» jedenfalls, seinem neusten Werk, unterbricht Spielberg gleich mehrfach. Nach zehn Sekunden erscheint der Regisseur ein erstes Mal und sagt: «Im Gegensatz zu der Zeit, als ich ‹Unheimliche Begegnung der dritten Art› drehte, bin ich heute viel eher geneigt, zu glauben, dass wir nicht die einzige intelligente Spezies im Universum sind.»
Mit anderen Worten: Spielberg glaubt an Aliens. Und mehr noch, wie der Regisseur in anderen Interviews präzisiert hat: Er geht davon aus, dass die Ausserirdischen längst auf der Erde waren, dass manche von ihnen noch immer hier sind – und dass mächtige Leute diese Informationen der Öffentlichkeit vorenthalten.
Auch Trump redet inzwischen von UFOs
Diese Ansicht Spielbergs ist gleichzeitig die Ausgangslage von «Disclosure Day». Der Titel lässt sich als «Tag der Enthüllung» übersetzen und bezieht sich auf eine Bewegung, die auf die Freigabe vermeintlich geheimer Akten pocht, die die Existenz von Aliens belegen sollen.
Dieser Verschwörungstheorie gab Spielberg selbst schon früher Futter. Im eingangs erwähnten «Unheimliche Begegnung der dritten Art» (1977) und dem Klassiker «E.T.» (1982) erzählte er bildgewaltig davon, wie Aliens die USA besuchen, wobei die US-Regierung versucht, diese Besuche geheim zu halten.
Der Popularität von Spielbergs Filmen zum Trotz, wurden Aliengläubige und Ufologen lange belächelt. In den letzten Jahren aber genoss die «Disclosure»-Bewegung Rückenwind. 2017 enthüllte ein Artikel der «New York Times» ein geheimes Programm des Pentagons, das vermeintliche UFO-Sichtungen untersuchte. Sechs Jahre später sagte ein Whistleblower vor dem US-Kongress unter Eid, die US-Regierung besitze UFOs. Beides inspirierte Spielberg.
Und erst kürzlich, im vergangenen Mai, veröffentlichte Donald Trump eine Tranche UFO-Files, was dem Thema zusätzlichen Schub verlieh. Auch wenn die Akten keinen Beweis für Aliens liefern konnten und Kritiker die Aktion als billigen Versuch Trumps werteten, von den für ihn brisanten Epstein-Files oder dem missratenen Irankrieg abzulenken.
Die Welt soll die Wahrheit erfahren
«Disclosure Day» nun, Spielbergs neuster Streich, spielt zwar in den USA der Gegenwart, doch nicht der Irankrieg ist hier Thema, sondern eine fiktive Konflikteskalation mit Nordkorea, die in einen Dritten Weltkrieg auszuarten droht.
Für zusätzliche Nervosität sorgt der Cybersecurity-Fachmann Daniel Kellner (Josh O’Connor), der für die ebenfalls fiktive Organisation Wardex arbeitet. Diese hat die längst – vorzugsweise auf US-Boden – erfolgten Alien-Besuche untersucht, mehrere Aliens brutal verhört und ihre Technologie nachgebaut.
Die geheimen Daten dazu soll Daniel schützen. Doch er gelangt zur Überzeugung, dass die Welt die Wahrheit erfahren muss, weshalb er diese der Öffentlichkeit zugänglich machen will. Wardex wiederum will den Whistleblower verhindern.
Denn das Wissen um die Aliens sei ein Virus, gegen das die Menschheit keine Immunität besitze, wie der Wardex-Chef Noah Scanlon (Colin Firth) raunend bemerkt: «In einer ohnehin schon instabilen Welt würde es das Gleichgewicht endgültig kippen.»
So flüchtet Daniel die meiste Zeit in schnellen Autos oder auf Zugdächern vor den Wardex-Schergen. In einem ruhigen Moment aber steht er in einem Feld, dessen Halme sich plötzlich in einen Kornkreis knicken, womit angezeigt wird, dass die Aliens ihn auserwählt haben müssen.
Dieses Privileg teilt er mit der Fernsehmoderatorin Margaret Fairchild (Emily Blunt), die nach einer Begegnung mit einem Vogel plötzlich über telepathische Fähigkeiten und eine geistige Verbindung zu Daniel verfügt. Dank ihrer Hilfe gelingt es dem Whistleblower wiederholt, zu entwischen.
Niemand weiss, was die Aliens wollen
Bei all der Action allerdings, auch wenn sie gekonnt inszeniert und mit Telepathie garniert ist, bleibt «Disclosure Day» in Bezug auf die Aliens selbst seltsam unkonkret. Was die Pläne der Ausserdischen sind, verrät der Film nie. Wir erfahren einzig, dass die E.T.-ähnliche Spezies die Empathie als «evolutionären Vorteil» betrachtet.
Damit bringt Spielberg einerseits die Sanftheit in Stellung gegen die von Trump oder Elon Musk propagierte Härte. Andererseits spinnt er daraus die Schlusspointe, dass das Wissen um Ausserirdische die Menschheit wohl nicht wie ein Virus angreife, sondern sie umgekehrt derart über den Globus hinweg zusammenschweisse, dass Probleme wie ein drohender Dritter Weltkrieg in wenigen Augenblicken zerbröselten.
Einen Beleg für diese Behauptung kann oder will Spielberg aber nicht liefern. Zwar fragt er auch am Ende des Trailers zu «Disclosure Day» rhetorisch, ob es nicht «wunderbar» wäre, wenn Aliens tatsächlich Kontakt zur Menschheit aufgenommen hätten. Das Versprechen auf dieses Wunder löst der Regisseur jedoch nicht ein.
Disclosure Day: Ab 10.6. im Kino. (schweizheute.ch)
