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Frankreich

Kanye West verschiebt Auftritt in Marseille

FILE - Kanye West appears at the 67th annual Grammy Awards in Los Angeles on Feb. 2, 2025. (Photo by Jordan Strauss/Invision/AP, File)
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Kanye West bei den Grammy Awards 2025.Bild: keystone

Kritik nimmt zu: Kanye West verschiebt Marseille-Auftritt

15.04.2026, 09:1515.04.2026, 16:02

Der Druck auf US-Rapper Kanye West in Europa wächst: Nach dem Einreiseverbot durch die britische Regierung ist West nun den französischen Behörden zuvorgekommen und hat seinen geplanten Auftritt in Marseille verschoben. Zuletzt war bekanntgeworden, dass Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez entschlossen sei, das Konzert zu verbieten.

«Nach reiflicher Überlegung und Abwägung habe ich aus eigener Entscheidung beschlossen, meine Show in Marseille, Frankreich, auf unbestimmte Zeit zu verschieben», schrieb der 48 Jahre alte Musiker auf der Plattform X.

Antisemitische Äusserungen sind Straftat in Frankreich

Kanye West, der inzwischen unter dem Namen Ye auftritt, sollte am 11. Juni im Velodrome in Marseille auftreten. Aus dem Umfeld des französischen Innenministers hatte es geheissen, dass die zuständigen Stellen sich über ein mögliches Konzertverbot beugten. Grund dafür seien antisemitische Aussagen Wests. Diese seien keinesfalls bloss eine Meinung, sondern in Frankreich eine Straftat.

Bereits der Bürgermeister von Frankreichs zweitgrösster Stadt Benoît Payan hatte sich gegen den Auftritt ausgesprochen: «Ich weigere mich, dass Marseille eine Vitrine für diejenigen ist, die Hass und hemmungslosen Nazismus fördern.» West sei im Marseiller Velodrome nicht willkommen. West war in der Vergangenheit immer wieder mit rassistischen und antisemitischen Äusserungen aufgefallen. Offiziell hat der Musiker sein Konzert in Marseille nur verschoben und nicht abgesagt. Die französischen Behörden warten daher nun erst einmal ab.

Keine Auftritte in London

Noch entschlossener handelte zuletzt die britische Regierung: Sie hatten dem Rapper die Einreise in das Vereinigte Königreich verweigert. Eigentlich sollte Ye in diesem Sommer beim Wireless Festival im Londoner Finsbury Park auftreten. Die Ankündigung sorgte im Vereinigten Königreich, das mit antisemitischen Straftaten zu kämpfen hat, für Kritik und Entrüstung. Schliesslich machte die britische Regierung dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung und verweigerte West die Einreise. Das Festival wurde daraufhin komplett abgesagt.

Kanye Omari West zählt zu den einflussreichsten und zugleich polarisierendsten Künstlern der Musikindustrie. Immer wieder fiel er mit rassistischen und antisemitischen Aussagen auf. 2025 hatte er ein Lied mit dem Titel «Heil Hitler» veröffentlicht. Anfang des Jahres bat er schliesslich in Form einer ganzseitigen Anzeige im «Wall Street Journal» um Entschuldigung. «Ich bin weder ein Nazi noch ein Antisemit», schrieb der Ex-Mann von Kim Kardashian und führte seine früheren Äusserungen auf eine bipolare Störung zurück.

Auf seine Ankündigung, den Marseille-Aufritt zu verschieben, folgte nun eine weitere Entschuldigung des Rappers. «Ich weiss, es braucht Zeit, um die Aufrichtigkeit meines Bemühens zu verstehen, Wiedergutmachung zu leisten», heisst es in einem X-Beitrag. «Ich übernehme die volle Verantwortung für das, was mir zuzurechnen ist, aber ich möchte meine Fans nicht mit hineinziehen. Meine Fans bedeuten mir alles.»

Auschwitz-Überlebende wollen Konzertverbote

Auschwitz-Überlebende hatten am Wochenende die Einreiseverweigerung der Briten begrüsst und ähnliche Schritte auch in anderen Ländern gefordert. Die Entscheidung Londons sei von Überlebenden weltweit «mit grosser Erleichterung und Zustimmung» aufgenommen worden, sagte Christoph Heubner vom Internationalem Auschwitz Komitee.

Denn im Sommer will der Rapper auch in mehreren anderen europäischen Ländern auftreten, darunter etwa in Polen, Italien und Spanien. In Portugal und Spanien gibt es derzeit allerdings keine Debatte über eine mögliche Absage der Auftritte.

Anders sieht es in den Niederlanden aus. Am 6. und 8. Juni soll Ye in Arnheim an der niederländisch-deutschen Grenze auftreten. Eine Mehrheit der Parteien will im Parlament jedoch prüfen lassen, ob ein Auftritt des Rappers nach dem Vorbild Grossbritanniens verboten werden kann.

Die Regierung aber ist bislang zurückhaltend. Migrationsminister Bart van den Brink und Justizminister David van Weel erklärten, dass einem Ausländer die Einreise nur dann verboten werden könne, wenn eine Gefahr für die öffentliche Ordnung drohe. Darauf deute aber bisher nichts hin. Die christdemokratische Regierungspartei CDA hatte sich zuletzt für ein Verbot ausgesprochen, der Arnheimer Bürgermeister Ahmed Marcouch sieht bisher keinen rechtlichen Grund, die Konzerte zu verbieten. (nil/sda/dpa)

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