Louis Vuitton sorgt in China für Empörung
In China sind die Menschen wütend auf Louis Vuitton. Dies, nachdem der Luxusriese vergangene Woche einen Urheberrechtsstreit gegen die Bubble-Tee-Marke Molly Tea gewonnen hat. Laut des Urteils des Gerichts in Suzhou in China hat Molly Tea die Urheberrechte von sieben eingetragenen Louis-Vuitton-Logos mit vier Blütenblättern verletzt.
Die in Shenzhen ansässige Bubble-Tea-Kette wurde dazu verdonnert, die Verwendung des Logos einzustellen, sich öffentlich zu entschuldigen und eine Zahlung von 10,3 Millionen Yuan (ca. 1,2 Millionen Franken) Schadensersatz zu leisten, schreibt BBC.
Im Mittelpunkt des Rechtsstreits steht das vierblättrige Blumenlogo, das Molly Tea in seinen Filialen, auf Verpackungen und in den Medien verwendet. Das Gericht urteilte, dass das Symbol eine hohe Ähnlichkeit mit dem berühmten Monogramm von Louis Vuitton aufweist, welches 1896 inspiriert von japanischer Kunst entworfen wurde.
Molly Tea legte Berufung ein. Louis Vuitton äusserte sich bislang nicht zur Angelegenheit.
Kritik in sozialen Medien
Die Entscheidung des Gerichts hat die Öffentlichkeit in China gespalten und eine Gegenreaktion ausgelöst: Viele Menschen stellten sich demonstrativ hinter Molly Tea. Zahlreiche Kundinnen und Kunden besuchten die Filialen aus Solidarität, während in den sozialen Medien schnell Beiträge um Louis Vuitton trendeten, wobei ein Hashtag, der mit dem Fall verlinkt ist, mehr als 400 Millionen Aufrufe und Zehntausende von Kommentaren erhalten hat.
Online häufen sich die Kommentare zum Thema. «Sie nutzen nur die Tatsache aus, dass unsere Vorfahren keine Patente angemeldet haben», heisst es etwa. Ein anderer Kommentar machte auf China als wichtigen Markt für Louis Vuitton aufmerksam: «Wenn die Chinesen die Marke boykottieren, wird diese Klage sie viel mehr als 1,5 Millionen kosten.»
Es gibt jedoch auch Personen, die hinter dem Urteil stehen. In einem Kommentar heisst es, dass Louis Vuitton berechtigt ist, sein geistiges Eigentum zu verteidigen, und dass andere Marken nicht das Recht haben, es zu imitieren, unabhängig von ihrer Branche.
Vorwurf der kulturellen Aneignung
Ein Teil der chinesischen Internetnutzenden wies darauf hin, dass das Logo seinen Ursprung in der traditionellen Kultur ihres Landes habe, etwa als Baoxianghua-Motiv in der traditionellen Kunst oder in buddhistischen Symbolen. Laut diverser Medienberichte hat der Rechtsstreit eine Lücke im Schutz traditioneller kultureller Motive und Symbole im geltenden Urheberrecht aufgedeckt.
In China stellt sich die Frage, ob historische Symbole wie die vierblättrige Blüte zum kulturellen Erbe gehören oder von Unternehmen als Marke geschützt werden dürfen – und ob Konzerne überhaupt das Recht haben sollten, jahrhundertealte Motive exklusiv zu beanspruchen.
Kritisiert wird nun, wie viele Designs, die in westlichen Luxusmarken verwendet werden, von chinesischen Symbolen inspiriert wurden.
Nach dem Urteil wurde Louis Vuittons offizielle Social-Media-Seite mit kritischen Kommentaren überschwemmt. Die Kontroverse griff auch auf Künstler über, die zuvor mit der Marke zusammengearbeitet hatten. Sie wurden aufgefordert, sich zu äussern oder ihre Zusammenarbeit mit Louis Vuitton zu beenden, schreibt Vietnam.vn.
60 Klagen im Jahr 2026
Louis Vuitton ist in China für sein konsequentes Vorgehen gegen mutmassliche Markenrechtsverletzungen bekannt, schreibt Diet Prada. Der Konzern habe allein in diesem Jahr fast 60 Klagen wegen Markenrechtsverletzungen eingereicht. Alleine Molly Tea versuchte seit 2022 insgesamt 17 Mal, das eigene vierblättrige Blumenlogo als Marke eintragen zu lassen. Die Anträge wurden jedoch mit Verweis auf die Markenrechte von Louis Vuitton abgelehnt. Das zuständige Gericht in Suzhou wertete die weitere Nutzung des Logos deshalb als böswillig.
