Periodenprodukte im Vergleich: Die Vor- und Nachteile
Eine Frau blutet in ihrem Leben rund 500 Mal, wenn sie etwa 38 Jahre ihres Lebens fruchtbar ist und eine durchschnittliche Zykluslänge von 28 Tagen hat. Das bedeutet: 30 Liter Blut. Doch wohin damit?
Zum Glück gibt es heute zahlreiche Periodenprodukte, die den Alltag der Frau erleichtern sollen. Welches Produkt für einen am besten passt, hängt dabei stark vom eigenen Alltag, der Stärke der Blutung und den eigenen Vorlieben ab. Im grossen Überblick siehst du, welche Vorteile und Nachteile es bei den Menstruationsartikeln gibt.
Tampon
Eines der bekanntesten Produkte ist der Tampon. Es gibt ihn in verschiedenen Grössen, passend zu jeder Blutungsstärke. Bei einer starken Blutung wird er etwa alle zwei bis vier Stunden ausgetauscht. Ein Tampon sollte aber spätestens nach acht Stunden gewechselt werden.
Vorteile: Tampons bieten einen zuverlässigen Schutz, verrutschen bei richtiger Platzierung nicht und sind kaum oder gar nicht spürbar. Der Intimbereich bleibt während der Blutung trocken und es entsteht kein unangenehmer Geruch. Mit einem Tampon kann ohne Probleme Sport getrieben oder gebadet werden. Sie sind praktisch überall erhältlich, klein und kompakt und somit für jede Handtasche geeignet.
Nachteile: Tampons sind ein Wegwerfprodukt und verursachen Müll. Wird ein zu vollgesaugter Tampon nicht rechtzeitig gewechselt, kann das nicht aufgenommene Blut auslaufen. Bei zu langem Tragen können sich zudem Bakterien vermehren, was zum toxischen Schocksyndrom führen kann. Dieses kann die Folge einer bakteriellen Infektion sein. Die Krankheit ist zwar sehr selten, aber lebensbedrohlich. Auch die Schleimhäute können austrocknen.
Binde
Ebenfalls bekannt ist die Binde. Auch sie gibt's in verschiedenen Grössen, mit oder ohne Flügel, dick oder dünn. Längere Binden machen beispielsweise dann Sinn, wenn man sie beim Schlafen verwendet. Die Flügel verhindern das Auslaufen an den Seiten. Bei einer durchschnittlichen Blutung wird sie etwa alle vier bis sechs Stunden ausgewechselt.
Vorteile: Sie sind einfach in der Anwendung, für empfindliche Haut geeignet und praktisch überall erhältlich. Es gibt hier kein Risiko für das toxische Schocksyndrom.
Nachteile: Binden sind ein Wegwerfprodukt und verursachen Müll. Durch das dickere Material ist es für einige Frauen unangenehm, Binden jeden Tag zu tragen. Sie sind auffälliger als Tampons und können unter enger Kleidung sichtbar sein. Es kann zudem zu Geruchsbildung kommen, da das Menstruationsblut ausserhalb des Körpers aufgefangen wird.
Stoffbinde
Schätzungsweise 12'000 bis 15'000 Tampons oder Binden würde eine Frau von der ersten Periode bis zur Menopause verbrauchen, heisst es von Alex Hämmerli von Galaxus im Jahr 2023 gegenüber CH Media. «Das geht nicht nur ins Geld, sondern verursacht auch viel Müll», meint er weiter. Alternativen sind dafür Produkte, die wiederverwendet werden.
Dazu gehören auch waschbare Binden. Sie werden gleich wie normale Binden verwendet, können aber mehrmals benutzt werden und sind aus Baumwolle, Hanf oder einem anderen Stoff. Anstelle mit Klebestreifen werden sie mit Druckknöpfen befestigt.
Vorteile: Sie sind eine umweltbewusste Alternative zu Wegwerfprodukten und sparen Abfall ein. Je nachdem können die Stoffbinden viele Jahre lang halten. Im Vergleich zu herkömmlichen Binden aus Kunststoff sind Binden aus Baumwolle oder anderen Naturfasern weniger schweissbildend und atmungsaktiver, was zu weniger unangenehmen Gerüchen führt.
Nachteile: Die Anschaffungskosten sind hoch, da mehrere Stoffbinden benötigt werden. Eine Stoffbinde kostet etwa 10 bis 20 Franken, wobei meistens mehrere Binden in einem Pack verkauft werden. Sie müssen gewaschen werden, was einen Mehraufwand darstellt. Die Dicke der Binden und der zusätzliche Stoff in der Unterhose könnten für einige unangenehm sein.
Menstruationsunterwäsche
Vor allem jüngere Frauen möchten zunehmend von Wegwerfprodukten wegkommen und natürliche und ökologisch vertretbare Menstruationsprodukte verwenden, schreibt das SRF. Neben Menstruationstassen setzen Konsumentinnen vermehrt auf Menstruationsunterwäsche. Bezeichnet werden sie als Period Panties, Periodenslips, Periodenunterwäsche, Menstruationspants oder Menstruationsslips. Bei einer normalen Blutung sollen sie nach 8 bis 14 Stunden und bei einer starken Blutung nach 4 bis 6 Stunden gewechselt werden.
Bei den Slips gibt es grosse Unterschiede. Einige laufen aus oder sind unter der Kleidung sichtbar, weshalb hier vorher gut recherchiert werden sollte. Laut eines Tests der Westschweizer Konsumentenvereinigung FRC sind aber die Produkte von Etam, Smoon, Felicup und Selenacare zu empfehlen. Bewertet wurden dabei Schutzdauer, Auslaufsicherheit, Tragekomfort und Sichtbarkeit.
Vorteile: Die im Schritt verstärkten Slips können ganz einfach in der Waschmaschine gewaschen werden und halten mehrere Jahre. Sie sind ökologischer als Wegwerfprodukte und können auch mit anderen Periodenprodukten kombiniert werden für einen sichereren Schutz. Sie sind einfach in der Anwendung und können wie eine normale Unterhose getragen werden. Sie sind bequem und geruchshemmend.
Nachteile: Auch hier gibt es einen Waschaufwand. Gewaschen werden sollen die Slips bei maximal 40°. Um alleine mit Periodenslips durch die ganze Menstruation zu kommen, werden geschätzt mindestens sechs Stück nötig. Gerade für jüngere Frauen könnte dies ein Hindernis sein, denn die Preise für einen Slip bewegen sich zwischen 20 und 60 Franken. Wer den Slip unterwegs wechseln will, benötigt einen geeigneten Beutel.
Menstruationstasse
Menstruationstassen bestehen aus medizinischem Silikon und sind frei von BPA-haltigen Kunststoffen und Weichmachern. Es gibt sie in verschiedenen Grössen und Formen. Auch sie sollten regelmässig ausgewechselt werden.
Vorteile: Auf lange Sicht ist die Menstruationstasse mit etwa 30 Franken das günstigste Produkt, da es mehrere Jahre wiederverwendet werden kann. Sie ist nachhaltig. Das Schwimmen ist möglich und die Tasse kann bis zu zehn Stunden getragen werden. Sie trocknet nicht aus und verursacht keine Allergien. Für unterwegs braucht man keine Wechselprodukte mitzunehmen.
Nachteile: Die Anwendung ist zumindest am Anfang etwas knifflig und braucht Übung. Bei der falschen Tassengrösse kann diese auslaufen und das Wechseln der Tasse kann je nach Ort oder Situation schwierig sein. Die Reinigung ist aufwendig, denn die Tasse muss während der Periode nach dem Entleeren gründlich mit warmem Wasser und Seife ausgespült und gereinigt werden und nach der Periode abgekocht werden. Die Tasse sollte nicht zu lange getragen werden, da es sonst zu Infektionen kommen könnte. Auch hier kann es zum toxischen Schocksyndrom kommen. Wer mit der Spirale verhütet, soll die Verwendung zudem mit der Gynäkologin absprechen, da der Unterdruck beim Entfernen die Position der Spirale verändern kann.
Menstruationsscheibe
Die Menstruationsscheibe, Femdisc oder Menstrual Disc ist ein ähnliches Produkt wie die Menstruationstasse, jedoch flacher und hat trotz des geringen Volumens ein grösseres Fassungsvermögen. Sie besteht aus medizinischem Silikon, was das Risiko für allergische Reaktionen oder Hautreizungen minimiert. Im Gegensatz zur Menstruationstasse erzeugt die Scheibe kein Vakuum. Sie sollte nicht länger als 8 Stunden getragen werden.
Vorteile: Neben dem hohen Fassungsvermögen ist die Scheibe nachhaltig, denn sie hält mehrere Jahre. Mit der Scheibe bleibt die Vaginalflora intakt und auch Geschlechtsverkehr ist möglich. Bei letzterem sollte aber beachtet werden, dass die Scheibe auslaufen kann, wenn es etwas wilder zu und hergeht. Da sie tief im Vaginalkanal nahe dem Gebärmutterhals platziert wird, ist sie im Alltag fast nicht spürbar – sofern sie richtig platziert wird. Sie lässt sich entleeren, ohne sie herauszunehmen. Dies geschieht mit leichtem Druck der Beckenbodenmuskeln oder mit Hilfe der Finger. Da kein Unterdruck entsteht, ist sie mit der Spirale kompatibler als die Menstruationstasse. Dies sollte trotzdem ärztlich abgeklärt werden.
Nachteile: Anders als bei der Menstruationstasse hat die Scheibe keinen Stiel, an dem man sie wieder herausziehen kann. Das Einführen und Entfernen ist somit schwieriger und braucht Übung. Die Menstruationsscheibe sollte regelmässig gereinigt werden und nach der Periode ausgekocht werden, was einen Zeitaufwand darstellt. Auch hier kann ein zu langes Tragen zum toxischen Schocksyndrom führen. Sitzt die Scheibe falsch, rutscht sie ab oder ist die Grösse unpassend, läuft Blut aus.
Menstruationsschwamm
Der Menstruationsschwamm besteht aus einem nachwachsenden Naturmaterial und wird ähnlich wie der Tampon verwendet. Es gibt ihn in verschiedenen Grössen und er kann bis zu acht Stunden getragen werden.
Vorteile: Der Menstruationsschwamm ist eine nachhaltige Alternative zum Tampon und trocknet die Scheide nicht aus. Er ist einfach einzuführen und kann individuell zugeschnitten werden, um dem Körper angepasst zu werden. Er ist wiederverwendbar und somit nachhaltig. Das Schwimmen und Geschlechtsverkehr sind mit dem Schwamm möglich.
Nachteile: Der Schwamm hat kein Rückholbändchen, weshalb das Herausnehmen Übung erfordert. Vor und nach jedem Tragen muss er gründlich gereinigt werden, was aufwendig und unterwegs schwierig sein kann. Gelegentlich sollte er zudem für wenige Minuten in heissem Wasser ziehen gelassen werden. Er darf nicht ausgekocht werden, was die Sterilisation erschwert. Da der Schwamm ein Naturprodukt ist, kann er Rückstände von Schmutz oder Bakterien enthalten, die ohne sorgfältige Reinigung zu Infektionen führen können. Mit dem Schwamm hat man ein doppelt so hohes Risiko im Gegensatz zum Tampon, am toxischen Schocksyndrom zu erkranken.
