Paartherapeutin erklärt, wie man die eigene Eifersucht bewältigt
In einigen Beziehungen ist es völlig okay, sich eine Weile nicht zu melden, alleine in die Ferien zu fahren oder mit dem oder der Ex in Kontakt zu bleiben. Schon bei diesen Vorstellungen könnten andere Menschen allerdings die Wände hochgehen: «Niemals!», schallt es aus ihnen heraus, «Gelegenheit macht Diebe!»
Wer von der Eifersucht getrieben ist, wittert überall Verrat und Lügen und tut sich damit selbst am meisten weh. Wie viel Eifersucht ist zu viel? Und: Kann man den panischen Autopiloten stoppen, bevor er das Ruder übernimmt?
@psychologin_linda Ich gebe zu, zu 100% lösen werden auch diese 5 Ansätze die Frage nach der berechtigten Eifersucht nicht. Denn es kann durchaus sein, dass ich immer wieder ähnliche Partner*innen anziehe, die aufgrund ihres (vielleicht) vermeidenden Bindungsstils mir ein Verhalten zeigen, dass mich berechtigterweise eifersüchtig macht! Und dann liegt das Thema in beiden: In mir, weil ich diese Menschen in mein Leben lasse und wahrscheinlich eine alte Baustelle habe und am Gegenüber, weil er/ sie wirklich ein respektloses Verhalten zeigt, das unsere monogame Beziehung bedroht. Ein bisschen tricky 🙃 Vielleicht hilft es dir trotzdem schon, diese 5 Tipps anzuwenden!! Ich hoffe es ♥️ Fakt bleibt: Eifersucht tut weh, weil es ein Kontrollverlust ist, weil es den Selbstwert bedroht und das psychologische Grundbedürfnis nach Bindung bedroht. Also ein ziemlicher Emotionshammer auf 3 Ebenen! Kein Wunder, dass viele daran zu knabbern haben… Verschneite Grüße von zu Hause ☃️ Linda #eifersucht #eifersüchtig #beziehungsprobleme #beziehung ♬ Stories 2 - Danilo Stankovic
watson hat darüber mit Linda-Marlen Leinweber gesprochen. Sie ist Psychologin, systemische Coachin und Autorin von «Frei und trotzdem verbunden». Seit über zehn Jahren begleitet sie Menschen in Fragen rund um Selbstwert und Partnerschaft.
Wie viel Eifersucht normal ist
«Eifersucht ist ein ganz normales Gefühl», entwarnt sie. Es soll überprüfen, ob sich alle noch an die (un)ausgesprochenen Beziehungsregeln halten. Das kann körperliche Monogamie sein, aber auch emotionale Exklusivität. «Bricht hier jemand aus? Können wir einander vertrauen?», das seien die impliziten Fragen, die hinter Eifersucht stecken, erklärt Leinweber. Damit sei es grundsätzlich ein «bindungsschützendes Gefühl».
Eifersüchtige Menschen versichern sich also unbewusst, ob die Bindung, in der sie sich befinden, noch besteht. Gelegentlich ist das gesund. «Wenn es allerdings so ist, dass es keinerlei Anlass dafür gibt, zu prüfen, ob euer Vertrauen und eure Bindung auf einem wackeligen Fundament steht, dann solltest du näher hinschauen», mahnt die Psychologin.
Heisst: Wenn zwischen euch alles stimmt und du trotzdem misstrauisch bist, liegt das Problem vielleicht tiefer. Für die meisten Menschen ist allerdings genau dieser Unterschied schwer zu erkennen. Denn während der eifersüchtige Part Misstrauen für angemessen hält, schüttelt der andere nur entsetzt den Kopf angesichts absurder Unterstellungen.
Ob du tatsächlich übertreibst, erkennst du laut Leinweber am besten «daran, dass du generell schwer aushalten kannst, wenn dein Partner oder deine Partnerin physisch nicht greifbar ist». Zum Beispiel, wenn du deinen Lieblingsmenschen «ständig anrufen» willst und «sehr viel Rückversicherung» brauchst, dass alles okay ist, auch wenn er oder sie nur im Fitnessstudio oder auf einem Heimatbesuch ist. «Am liebsten würdest du ihn oder sie tracken, denn nur so fühlst du dich sicher», beschreibt die Paartherapeutin diesen Zustand.
Erde an Eifersucht: Das ist zu viel verlangt. Wenn eine beliebige Dienstreise dir schon Bauchschmerzen verursacht, ist das für euch beide nicht gesund.
Ursachen für Eifersucht liegen meist in der Vergangenheit
Doch diese starken Verlustängste kommen nicht aus dem Nichts. «Es kann natürlich sein, dass du schon einmal erleben musstest, dass Menschen dich hintergehen», erklärt Leinweber die Ursache. Wer einen Betrug in der Vergangenheit erlebte, ist ein gebranntes Kind. «Das ist sehr schmerzhaft und braucht Aufarbeitung.»
Allerdings warnt die Expertin auch:
Die gegenwärtige Liebe für die Vergangenheit zahlen zu lassen, ist ungerecht und könnte deine Beziehung gefährden. Besser also, diese überfordernden Gefühle rechtzeitig in Angriff zu nehmen.
Doch nicht immer sind es schlechte Erfahrungen in der Liebesbiografie, die verunsicherte Menschen zurücklassen. Auch ein älterer Vertrauensbruch mit «Wurzeln in deiner Ursprungsfamilie» kann tiefe Wunden reissen.
Menschen, die in der Kindheit «inkonsistente Liebe und Zuwendung» erlebt haben, entwickeln zuweilen «ängstlich-ambivalenten Bindungsstil», erklärt die Therapeutin. Betroffene sind auch als Erwachsene noch schnell verunsichert, weil sie bestimmte kindliche Ängste nie ganz ablegen konnten.
Im Alltag bedeutet das, wie Leinweber schildert:
Die Angst, alles zu verlieren, ist massiver Stress für dein System, erklärt die Psychologin weiter. «Und im Stress können wir nicht mehr logisch nachdenken oder bedacht agieren. Wir hängen im ‹Fight or Flight›-Modus fest und reagieren emotional über.»
Schnelle Tricks, wie du die Eifersucht stoppst
Wichtig wäre es jetzt, dieses Kopfkino noch während der Trailershow zu verlassen, bevor das ausgewachsene Drama seinen Lauf nimmt. «Lerne, deine Gedanken zu stoppen», rät Leinweber. «Denn Gedanken sind der Ursprung unserer Gefühle und Gefühle lenken unser Verhalten.»
Es gibt Techniken, die dir dabei helfen können. Zum Beispiel, wenn «du deine Gedanken erst einmal aufschreibst, bevor du deinen Partner oder deine Partnerin wutentbrannt ausrufst», sagt die Paartherapeutin. Sind die Worte raus, fühlt man sich oft schon viel besser.
Eine Pause zu schaffen, ist in solchen Momenten entscheidend, um «innerlich einen Schritt zurück» zu gehen. Leinweber führt aus:
Es geht bei all diesen Techniken darum, einen Raum zwischen dem akuten Reiz – zum Beispiel: dein Partner hat seine Ex auf der Strasse getroffen – und deiner Reaktion zu schaffen. «So können deine Angst oder deine Wut etwas abkühlen», erklärt die Psychologin. «Dein präfrontaler Cortex kommt in die Aktivierung zurück und das kann dich dabei unterstützen, mit Verstand und Empathie an die Situation heranzugehen.»
Wer ruhig bleibt, schafft Brücken in der Beziehung statt mehr Distanz. Bei einem Hagel an Fragen und Vorwürfen hingegen muss das Gegenüber geradezu in die Defensive gehen.
Zwischen gesunden Grenzen und toxischem Kontrollwahn ist es eben manchmal ein schmaler Grat. Da hilft ein Blick in die eigene Biografie manchmal mehr als das Stöbern in den DMs der Partnerinnen oder Partner. Denn: Mit der Eifersucht ist es wie mit Zucker oder Müssiggang – die Dosis macht das Gift.
