Warum Nic Cages Grab schon bereitsteht
Willkommen in New Orleans! Genauer im Saint Louis Cemetery No. 1, pardon – Cimetière Saint-Louis de La Nouvelle-Orléans no 1, dem ältesten und bedeutendsten Friedhof der Stadt!
Im Jahr 1789 eröffnet, ist er die letzte Ruhestätte etlicher historischer Persönlichkeiten – Musiker, Bürgermeister, Bürgerrechtler, kreolische Adlige, karibische Piraten, ein Schachmeister und (sehr vermutlich) Marie Laveau, Voodoo Queen of New Orleans.
Ach ja, und Hollywoodstar Nicolas Cage.
Nein, nein – Nic Cage ist noch quicklebendig. Aber besagter Friedhof ist in der Tat seine letzte Ruhestätte, da er dort eine Parzelle erworben und darauf bereits sein Mausoleum errichten lassen hat: ein knapp drei Meter hohes, strahlend weisses Pyramiden-Ungetüm – mit der kryptischen lateinischen Inschrift omnia ab uno («Alles aus einem»).
Nun fragen wir uns doch: Warum um alles in der Welt will Nicolas Cage, waschechter Südkalifornier aus der Hollywood-Dynastie der Familie Coppola, ausgerechnet in New Orleans, Louisiana, begraben werden? Und weshalb steht sein Grab bereits?
Wie sich herausstellt, haben Cage und die Stadt New Orleans eine gemeinsame Vergangenheit, hatte er doch anno 2006 sowohl die historische Kapelle Our Mother of Perpetual Help als auch das berüchtigte Geisterhaus LaLaurie Mansion erworben.
Letzteres gilt weithin als eines der berüchtigtsten und am stärksten von Geistern heimgesuchten Häuser Amerikas. In den frühen 1830er Jahren gehörte es der wohlhabenden Society-Dame Delphine LaLaurie, die in dem Haus versklavte Menschen folterte und ermordete.
Nachdem 1834 ein Feuer ausgebrochen war, entdeckten die örtlichen Behörden die entsetzlichen Zustände in den Sklavenunterkünften, woraufhin ein aufgebrachter Mob randalierte und LaLaurie aus der Stadt vertrieb.
Laut lokaler Legende spuken seither in dem Haus die gequälten Seelen der Opfer.
Die Überlieferung besagt zudem auch, dass alle nachfolgenden Eigentümer von schrecklichem Pech verfolgt werden.
Und siehe da: Bald nach dem Erwerb der LaLaurie-Villa gerät Nic Cages Leben gehörig aus den Fugen. Der Schauspieler hatte noch erklärt, dass er den grossen amerikanischen Horrorroman schreiben wollte und die Location die perfekte kreative Inspiration dazu liefern würde. Doch statt Inspiration gab es ein episches Steuerdebakel mit der US-Finanzbehörde, das zu einer Welle von Zwangsversteigerungen führte, die Cages ebenso umfangreiches wie exzentrisches Immobilienimperium (zu dem einst auch Schlösser in Deutschland und England gehörten) komplett zunichtemachten.
Dazu kam eine beachtliche Serie von Kinoflops – unter anderem «Stolen» (2012), der ausgerechnet in New Orleans spielt und mit einem Budget von 35 Millionen Dollar in den USA gerade mal 300'000 Dollar einspielte.
Peinliche öffentliche Ausraster gab's auch etliche – darunter eine Festnahme 2011 im French Quarter, weil er völlig betrunken vergessen hatte, wo er wohnte.
Dort, Nic. Dort wohnst du:
Im verdammten Geisterhaus auf dem ein verdammter Fluch liegt.
Und unmittelbar nach dem Verlust seiner Häuser folgte dann der Kauf der Friedhofsparzelle.
Hmmm.
Da Cage eisern schweigt, blühen die Spekulationen. Hollywoodfans sehen die Pyramidenform als eine Hommage an seine «National Treasure»-Schatzsucherfilme. Derweil behaupten Verschwörungstheoretiker natürlich, das Bauwerk sei der unwiderlegbare Beweis für Cages Verbindungen zu den Illuminaten.
Die Einheimischen von New Orleans indes sind sich sicher: Das ausladende Mausoleum ausgerechnet in unmittelbarer Nachbarschaft der letzten Ruhestätte von Voodoo-Königin Marie Laveau ist ganz klar Cages Versuch, sich vom schlechten Voodoo zu reinigen und den Fluch der LaLaurie-Villa zu neutralisieren.
Doch halt! Was ist mit diesem Foto aus dem Jahr 1870?
Wussten wir's doch!
Nicolas Cage ist ein Vampir!
Und die Pyramide ist seine sichere Grabkammer, in die er sich zurückziehen kann!
Okay, zurück zu den Fakten – etwa: Bei den Einheimischen kommt die Cage-Pyramide keineswegs gut an. Viele sind wütend darüber, dass ein dahergelaufener reicher Hollywood-Pinkel sich auf dem dicht bebauten Friedhof eine Parzelle ergattern konnte. Wohl wurden jahrhundertealte Gräber beschädigt und Grabsteine entfernt, um Platz zu schaffen, munkelt man.
Doch trotz des öffentlichen Aufschreis steht die Pyramide.
New Orleans mag Nic Cage vielleicht nicht, aber Nic Cage mag New Orleans. Und auch wenn manche der Meinung sind, Cage würde die historische Bedeutung des St. Louis Cemetery No. 1 untergraben, ist sein Grab bereits Teil der Mythologie dieses Ortes geworden: Es hat sich die Tradition entwickelt, Lippenstiftküsse auf der namenlosen Grabstätte zu hinterlassen – aus welchem der oben genannten Gründe auch immer.
Wie dem auch sei – ein spannende Story ist's alleweil. Happy Halloween, Nic! 🧛🦇
