Ali G ist zurück – die Reaktionen fallen deutlich aus
Vor über zwanzig Jahren trat Sacha Baron Cohen 2002 im Film «Ali G Indahouse» als dümmlicher Möchtegern-Gangster auf. Nun kehrt seine Kultfigur zurück. Seit letzter Woche läuft sein neuer Film Ali G: Who Iz I?» im Kino, jedoch mit eher mässigem Erfolg.
Bereits vor der Premiere hagelte es Kritik. Mehr als 35'000 E-Mails trudelten alleine bei britischen Kinobetreibern ein, mit der Bitte, den Film nicht zu zeigen, schreibt die NZZ. Grund sei unter anderem die Darstellung von rassistischen Stereotypen des jüdischen Sacha Baron Cohen. Hinter der Boykottaufforderung steht die Medienbeobachtungsplattform Newscord. Sie wurde während des Gaza-Kriegs gegründet und ist eng mit der Pro-Palästina-Bewegung verbandelt.
Schon seit Erfindung der Figur steht Cohen für seinen Ali G in der Kritik. Vorgeworfen wird ihm rassistisch, sexistisch und homophob zu sein. Ali G ist eine weisse Kunstfigur, die zahlreiche Klischees über Schwarze Menschen mit der Hip-Hop-Kultur verknüpft und damit durchgehend auf stereotype Darstellungen zurückgreift, die als kulturelle Aneignung kritisiert werden können. Bekannt machte der Komiker seine Figur 1998.
Berühmt wurde er aber vor allem durch Interviews mit Politikgrössen und Prominenten. Mit absurden und scheinbar naiven Fragen brachte Ali G das Gegenüber aus dem Konzept. Dazu gehörte auch Donald Trump, der 2003 als Unternehmer in der «Da Ali G Show» teilnahm. Damals war er nicht sonderlich begeistert von der Begegnung.
Auch im neuen Film polarisiert der Komiker wieder. Schon im Trailer trägt Cohen unter anderem künstliche Dreadlocks und eine Rastafari-Mütze. Im Netz sind die Meinungen gespalten. Die einen freuen sich über Ali Gs Comeback, die anderen finden die Figur nicht mehr zeitgemäss.
Die Kritik bringt Cohen in seinem neuen Film gleich ein, indem die neue Figur Dr. Nira Cain-N’Degeocello, ebenfalls von Cohen gespielt, erfunden wurde. Er ist ein woker Professor für Gender-Studies, der Ali G canceln will.
So kommt der Film an
Sacha Baron Cohen ist bekannt dafür, in seinen Filmen politisch zu werden. Auch in seinem neuesten Werk thematisiert der Komiker die momentane politische und gesellschaftliche Situation, indem er rechte Möchtegern-Miliz-Männer mit reinnimmt.
Vielen geht der Film zu wenig weit oder findet das Ganze gar zu spät, wie etwa das Magazin Variety schreibt: «Wenn die Absicht von ‹Ali G: Who Iz I?› es ist, Amerika heute zu enthüllen und aufzuspiessen, wie ‹Borat› es mit dem Amerika der 2000er Jahre gemacht hat, verfehlt der Film grösstenteils sein Ziel.» Abgesehen von ein paar Lachern sei der Film zu wenig relevant.
Globe and Mail kritisiert die abgedroschenen Witze über Homosexuelle sowie den Umgang mit dem Genozid. Auch bei Film-Rezensionen kommt das Werk nicht gut weg. Die Versuche, den Woke-Mind-Virus zu kritisieren, seien zu einfach, denn Humor verändere sich und Tabubrüche reichen alleine nicht aus. Die Punchlines kämen Jahre zu spät und die Stereotypen sowie der Sexual- und Fäkalhumor seien aus der Zeit gefallen. Sterne werden nur zwei von zehn vergeben. Filmstarts vergibt ebenfalls nur 2,7 von 5 Sternen.
Auch die User finden online klare Worte. Unter einem Beitrag bei Amazon Prime schreibt jemand: «Je mehr ich Sacha Baron Cohen sehe, desto mehr fühle ich, dass seine Komödie auf Charakteren basiert, die andere Menschen herabsetzen oder demütigen. Persönlich denke ich nicht, dass dieser Humor den Ruhm verdient, den er erhalten hat.»
Ein anderer Kommentar lautet: «So nicht lustig.» Und ein weiterer: «Ich sah ihn im Kino. Riesige Enttäuschung, völliges Chaos und sooo peinlich.» Es wurde sogar berichtet, dass die Leute aus dem Kino liefen. Trotzdem sind viele auch begeistert von dem Film und feiern ihn und den Komiker. Ein Kommentar dazu lautet: «Das Beste, das ich seit langem im Kino gesehen habe.»
Früher auf Amazon Prime
Kritiker könnten sich jedoch nun darüber freuen, dass der Film ohnehin nicht sonderlich gut ankam. Der Film lief in einigen Ländern gerade einmal vier Tage, wie etwa in Grossbritannien und in Deutschland. Hierzulande verzichtete man darauf, den Film in die Kinos zu bringen. Nun kommt der Film sogar noch früher als erwartet auf den Streamingdienst Amazon Prime.
Schon ab dem 28. Oktober können auch Schweizerinnen und Schweizer Ali G dabei zusehen, wie er in zu weiten Klamotten und mit übertriebenem Strassenslang versucht, ein TikTok-Star zu werden. Der Film ist dieses Mal als Mockumentary angelegt. Ali G trifft auf Menschen aus dem Hier und Jetzt, die teilweise nicht wissen, wer vor ihnen steht.
