Das Manöver von Thomas Aeschi erscheint plötzlich in neuem Licht
Thomas Aeschis Vorgehen gibt unter Bundesparlamentariern zu reden. Die SVP des Kantons Zug hat den Fraktionschef als Kandidaten für den Bundesrat nominiert. Aeschi aber zögert. Er will weitere Abklärungen treffen und erst danach über eine Kandidatur entscheiden.
Dieses Verhalten habe einen «skurrilen Zug». Das sagte FDP-Co-Präsidentin Susanne Vincenz-Stauffacher in der «Samstagsrundschau» von Radio SRF. Sie fügte an, dass sie von Aeschi bald Klarheit erwarte. Gleichzeitig äusserte sie ein gewisses Verständnis: Falls er antrete, wäre es bereits Aeschis zweite Kandidatur für den Bundesrat. Darum wolle er sich wohl absichern.
Offiziell halten sich viele Parlamentarier zurück: Wie die SVP ihr Ticket zusammenstelle, sei Sache der Volkspartei. Ohne Namensnennung äussern sich aber einige von ihnen deutlich.
Erinnerungen an Gerhard Pfister von der Mitte
Ein Nationalrat der Mitte fragt, ob nur der Fraktionschef auf Zusehen hin für den Bundesrat kandidieren könne – oder ob dies auch für die anderen Anwärter der SVP gelte. «Wäre ich Mitglied dieser Partei und hätte ich mein Interesse angemeldet, käme ich mir verschaukelt vor.»
Mehrere National- und Ständeräte finden: Die Wahlchancen von Thomas Aeschi in der Vereinigten Bundesversammlung seien ohnehin gering. Mit seinem Manöver verbessere er seine Ausgangslage nicht, denn es wirke allzu kalkulierend.
Eine neue Lesart bringen Parlamentarier der FDP und der SP ins Spiel: Thomas Aeschi gehe es nicht nur darum, seine Unterstützung in anderen Parteien auszuloten. Er müsse auch klären, ob der Rückhalt in der eigenen Fraktion gross genug sei, um es aufs Ticket der SVP zu schaffen.
Ein Nationalrat weist darauf hin, dass die Nomination durch eine Partei normalerweise wie eine Bundesratswahl ablaufe: geheim und schriftlich. Es gebe in der SVP genug Parlamentarier, die eine solche Gelegenheit nutzen würden, um ihrem Fraktionschef eins auszuwischen.
Thomas Aeschi gilt als gewissenhafter und unermüdlicher Fraktionspräsident, der die SVP-Gruppe mit harter Hand führt. Manchmal sei er aber allzu hartnäckig. Und bisweilen ergreift er auch die Initiative gegen die Mehrheitsmeinung der Fraktion. So war es bei einer Gesundheitsreform im Jahr 2024. Das kam intern schlecht an.
Einige Parlamentarier ziehen einen Vergleich mit Gerhard Pfister: Der damalige Präsident der Mitte verzichtete Anfang 2025 nach dem Rücktritt von Viola Amherd auf eine Kandidatur für deren Nachfolge. In der Öffentlichkeit sorgte das für Überraschung.
Im Bundeshaus sagten aber viele: Als Parteipräsident habe sich Pfister von seiner Fraktion entfremdet. Schwere Turbulenzen auf dem Generalsekretariat der Mitte hätten dazu beigetragen. Am Ende habe Pfister realisiert: Vielleicht verschmähe ihn die eigene Fraktion. Darum sei sein Verzicht nachvollziehbar gewesen.
Neue Namen sind nicht ausgeschlossen
Ist Thomas Aeschi der neue Gerhard Pfister? Aeschi findet den Vergleich bemühend. «Ich bin überzeugt, dass ich einen sehr starken Rückhalt in der Fraktion habe», erklärt er.
Ein SVP-Nationalrat meint, dass Aeschi manchmal übereifrig und pedantisch sei. Dass ihn die Fraktion bei einer Nomination für den Bundesrat hängen lasse, sei zwar nicht ausgeschlossen, aber kaum vorstellbar.
Nicht nur Aeschis Hinhaltetaktik gibt in Bundesbern zu reden. SVP-Doyen Christoph Blocher betont, dass die Findungskommission der Partei mögliche Bewerber kontaktieren könne, die sich bisher nicht gemeldet hätten. Vielleicht nominiert die SVP-Fraktion am 20. November jemanden, von dem bis jetzt noch gar nicht die Rede war.
Einige Beobachter vermuten, dass die SVP-Spitze einem genauen Plan folge. Andere hingegen sagen: Das ungewöhnliche Manöver von Fraktionschef Aeschi deute darauf hin, dass die Partei inzwischen auf Sicht fahre. (schweizheute.ch)

