So viele Putzfrauen und Nannys arbeiten in der Schweiz schwarz
Wer keine Lust hat, neben der Arbeit auch noch den Haushalt zu übernehmen, oder die Kinder nicht selbst betreuen kann, der holt sich Hilfe. In der Schweiz wird die private Reinigungskraft oder die Nanny aber immer mehr schwarz bezahlt.
Rund 500’000 Schweizer Haushalte stellen stundenweise eine Putzkraft, eine Betreuungsperson für Kinder oder pflegebedürftige Angehörige an, schreibt der Tages-Anzeiger. Die geschätzten Zahlen haben ihren Ursprung in einer Homegate-Umfrage von 2019. Und obwohl es seit 2008 ein vereinfachtes Verfahren zur Anmeldung solcher Haushaltshilfen gibt, arbeiten viele schwarz.
Behördenkontrollen nehmen ab
Im Jahr 2025 griffen nur rund 66’000 Arbeitgebende auf das vereinfachte Verfahren zurück. 2021 waren es noch rund 100’000 gewesen. Legal abgerechnete Arbeitsverhältnisse gingen demnach in vier Jahren um 30 Prozent zurück. Ebenfalls minimiert wurden die Behördenkontrollen gegen Schwarzarbeit in privaten Haushalten. 2021 wurden noch 700 Kontrollen durchgeführt, 2025 waren es nur noch 239, wie ein Seco-Bericht über den Kampf gegen Schwarzarbeit beweist.
«In Privathaushalten wird ein erheblicher Teil der Arbeit nicht oder nicht vollständig abgerechnet», meint Salvador Jovells, Geschäftsführer des Onlinediensts Clino, gegenüber der Zeitung. Clino hilft Privathaushalten mit der Anmeldung und der Abrechnung der Sozialversicherungen von Angestellten. Er ist der Meinung, die Politik tue zu wenig gegen Schwarzarbeit.
Obwohl der Bundesrat im Juni Änderungen im Gesetz gegen Schwarzarbeit vorgeschlagen hat, enthält die Vorlage keine Massnahme zur Bekämpfung von Schwarzarbeit in Privathaushalten.
Gründe für Schwarzarbeit
Auch nur bei wenigen Stunden in der Woche müssen Arbeitgeber den Nannys oder Putzhilfen AHV-, IV-, EO- und ALV-Beiträge zahlen und eine Versicherung für Berufsunfälle abschliessen. Das machen viele nicht.
Ob Unwissen über die Sozialversicherungsbeiträge, weniger Aufwand für die Haushalte oder die geringen finanziellen Mittel der Putzkräfte: Gründe für Schwarzarbeit gibt es viele.
Und auch wenn Stichprobenkontrollen vor Ort meistens nur nach konkreten Hinweisen erfolgen, können diese auch ohne einen Verdacht durchgeführt werden.
Mögliche Lösungen
Der Bundesrat will mit einer Revision des Schwarzarbeitsgesetzes den Datenabgleich für Unternehmen ausbauen. Laut Jovells ginge dies auch bei Privathaushalten. «Wer in der Steuererklärung Kosten für die private Kinderbetreuung oder eine Haushaltshilfe abzieht, aber bei keiner Ausgleichskasse als Arbeitgeber registriert ist, sollte automatisch überprüft werden», meint er.
Auch die Anmeldung einer Haushalthilfe müsse vereinfacht werden. Vorbild ist etwa der Kanton Genf mit dem Chèque Service, einem einfachen Anmeldekanal für Privathaushalte.
Anders als vielleicht viele vermuten, hat der Aufenthaltsstatus der Haushaltshilfen keinen grossen Einfluss auf die Deklaration des Angestelltenverhältnisses. Die meisten hätten gemäss Jovells einen Schweizer Pass oder eine EU/EFTA-Bewilligung.
(kek)
