Stunden nach Protest: Tamedia bietet für Entlassungsgespräche auf
Schon wenige Stunden später gingen erste Aufgebote zu Entlassungsgesprächen ein. Gegenüber der Leserschaft verteidigte die Geschäftsleitung ihr Vorgehen.
Rund 400 Personen inklusive dem Zürcher Stadtpräsidenten Raphael Golta (SP) protestierten am Dienstagmittag gegen den angekündigten Abbau bei Tamedia. Nur fünf Stunden später seien die ersten Personen zu Entlassungsgesprächen aufgeboten worden, teilten die Tamedia-Redaktionen am Mittwoch Keystone-SDA mit.
Das Personal sei entrüstet, dass die Geschäftsleitung den breiten und von verschiedenen Seiten unterstützten Protest nicht respektiere, heisst es weiter. «Wir fordern die Geschäftsleitung auf, die Gespräche sofort auszusetzen», schreiben die Redaktionen.
Am Dienstag hatten sich die rund 400 Personen vor dem Sitz des Verlagshauses in Zürich eingefunden, neben dem Personal und Gewerkschaftern auch andere Medienschaffende, Politikprominenz wie Jacqueline Badran und Cédric Wermuth (beide SP) sowie Leserinnen und Leser.
«Betriebswirtschaftlich notwendig»
Die Geschäftsleitung wandte sich noch am Dienstag an die Leserschaft. Im Schreiben, das auf der Website des «Tages-Anzeiger» veröffentlicht wurde, hiess es unmissverständlich: «Tamedia muss Stellen abbauen».
Die Geschäftsleitung verwies auf den tiefgreifenden Wandel im Schweizer Medienmarkt: «Die wirtschaftlichen Grundlagen des Journalismus geraten unter Druck». Einnahmen und heutige Organisation von Tamedia passten nicht mehr zusammen. «Die nun angekündigten Massnahmen sind schmerzhaft, aber sie sind betriebswirtschaftlich notwendig», schrieb die Geschäftsleitung.
Das Verlagshaus Tamedia hatte vor rund zwei Wochen den Abbau von 34 Vollzeitstellen in den News-Redaktionen der Deutsch- und Westschweiz angekündigt. 41 Mitarbeitende verlieren ihre Stelle. Das Personal verlangte von der Unternehmensführung unter anderem die Berücksichtigung freiwilliger Abgänge sowie Investitionen in menschengemachten Journalismus. (sda)
