Schweiz
Armee

Ständerat winkt SIG Sauer P320 als (geplante) neue Armeepistole durch

Ständerat winkt P320 als (geplante) neue Armeepistole durch – und Kampfjets auch

Die kleine Kammer des Parlaments hat am Dienstag die Armeebotschaft 2026 mit Krediten von rund 3,4 Milliarden Franken gutgeheissen.
16.06.2026, 11:0518.06.2026, 12:56

Die vom Bundesrat gesetzten Prioritäten für die Aufrüstung der Armee kommen im bürgerlich dominierten Parlament gut an. Der Ständerat hat die Armeebotschaft unverändert durchgewinkt – inklusive Zusatzkredit für die Beschaffung von voraussichtlich dreissig F-35-Kampfjets.

Anträge der Ratslinken, auf einzelne Beschaffungen wie etwa die neue Armeepistole zu verzichten oder die Mittel für die Abwehr von Mini-Drohnen aufzustocken, wurden vom Rat wie schon in der Kommission deutlich abgelehnt.

Zuvor hatte die Sicherheitspolitische Kommission des Ständerates (SiK-S) die Armeebotschaft im April vorberaten und dem Parlament einstimmig zur Annahme empfohlen.

Als Nächstes befasst sich die grosse Kammer, der Nationalrat, mit den drei Bundesbeschlüssen zum Rüstungsprogramm, zum Immobilienprogramm sowie zu den F-35.

Luftabwehr stärken

Die Vorlage umfasst Verpflichtungskredite von rund 3,4 Milliarden Franken, unter anderem für die bodengestützte Luftverteidigung und den Schutz vor Drohnen.

Angesichts der verschärften sicherheitspolitischen Lage erachtet es die Mehrheit als unabdingbar, dass die Verteidigungsfähigkeit der Armee erhöht und die Abwehr der wahrscheinlichsten Bedrohungen gestärkt wird.

Es sei beunruhigend, dass die Schweiz im Luftabwehrbereich nicht entsprechend ausgerüstet sei, sagte Mathias Zopfi (Grüne/GL), Präsident der SIK-S.

Noch keine P320-Entscheidung

Der definitive Entscheid, ob tatsächlich die SIG Sauer P320 als neue Armeepistole beschafft wird, steht aus. Zuerst muss der Hersteller bei dem Modell technisch nachbessern. Anschliessend wird die eingeschweizerte Waffe geprüft, was laut Armasuisse für das dritte Quartal 2026 geplant ist. Nur wenn auch seitens Armee die Truppentauglichkeit bestätigt wird, kann das Beschaffungsvorhaben realisiert werden.

Mittel gegen Distanz- und Cyberangriffe

Angesichts der verschärften sicherheitspolitischen Lage erachtet es die Mehrheit als unabdingbar, dass die Verteidigungsfähigkeit der Armee erhöht und die Abwehr der wahrscheinlichsten Bedrohungen gestärkt wird. Es sei beunruhigend, dass die Schweiz im Luftabwehrbereich nicht entsprechend ausgerüstet sei, sagte Mathias Zopfi (Grüne/GL), Präsident der Sicherheitspolitischen Kommission (SIK-S).

«Im Kontext des Iran-Konflikts haben wir gesehen, was passiert, wenn ein Staat quasi wild um sich schiesst.» Auf die Frage in der Kommission, wie die Schweiz denn genau zur Abwehr in einer ähnlichen Situation fähig wäre, sei aufgezeigt worden, dass die entsprechenden Fähigkeiten praktisch bei null lägen.

Deshalb sollen beispielsweise zusätzliche Feuereinheiten und auch mehr entsprechende Lenkwaffen beschafft werden. Mit neuen Luftabwehrsystemen kleinerer Reichweite können zudem veraltete Systeme wie die Fliegerabwehrkanone ersetzt werden. Gegen heutige Bedrohungen wirken diese Systeme nur noch sehr begrenzt. Ausserdem soll die Abwehr von Minidrohnen verstärkt werden.

F-35-Debatte flammt erneut auf

Am meisten zu reden gab im Ständerat die vom Bundesrat beantragten Zusatzkredite für die neuen F-35-Kampfjets. Einerseits sollen mit knapp 400 Millionen Franken die von den USA geltend gemachten Mehrkosten für voraussichtlich dreissig F-35-Kampfjets gedeckt werden. Andererseits sind weitere rund 100 Millionen Franken nötig, um bauliche Massnahmen für die neuen Jets sowie die Sanierung einer Führungsanlage umzusetzen.

«Natürlich wäre es der Wunsch der Kommission gewesen, dass mindestens 36 Flugzeuge hätten beschafft werden können», sagte Zopfi. Der Bundesrat habe mit der Armeebotschaft aufgezeigt, dass sogar 55 bis 70 Flugzeuge benötigt würden. Nun müsse immerhin alles Mögliche getan werden, um wenigstens dreissig Stück beschaffen zu können.

Eine linke Minderheit war anderer Meinung. «Wir sollten nicht weiteres Geld in ein von Anfang an missglücktes Projekt investieren», sagte Roth. Es werde immer klarer, dass es sich beim F-35 um den falschen Flugzeugtyp handle. Das Geld solle vielmehr dort investiert werden, wo es tatsächlich zusätzliche Sicherheit schaffe.

Werner Salzmann (SVP/BE) hielt entgegen, dass der F-35 in der vom Bund durchgeführten Evaluation mit Abstand am besten abgeschnitten habe. «Es ist das richtige Flugzeug, und es ist auch kein Projekt, das kaputtgegangen ist.» Einzig der Fixpreis könne nicht eingehalten werden.

Der Ständerat hiess die drei Bundesbeschlüsse zum Rüstungsprogramm, zum Immobilienprogramm sowie zu den F-35 schliesslich deutlich gut. Die Vorlage des Bundesrats wurde nur in einem einzigen Punkt ergänzt. So sollen womögliche weitere Zusatzkreditbegehren für teuerungsbedingte Mehrkosten beim F-35 erst nach Ausführung des Vorhabens dem Parlament unterbreitet werden.

Verteidigungsminister Martin Pfister zeigte sich grundsätzlich einverstanden damit. Er kündigte vor der Debatte im Nationalrat weitere Abklärungen dazu an.

Quellen

(dsc/sda)

    DANKE FÜR DIE ♥
    Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
    (Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
    5 CHF
    15 CHF
    25 CHF
    Anderer
    Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
    Chinas heimliche Propaganda-Armee: westliche Influencer
    1 / 13
    Chinas heimliche Propaganda-Armee: westliche Influencer
    Die Kommunistische Partei Chinas, respektive das Regime in Peking, nutzt ausländische Influencer, um mit Staatspropaganda heimlich in die Mainstream-Medien im Westen einzudringen und die eigene Bevölkerung zu belügen.
    quelle: ap / ng han guan
    Auf Facebook teilenAuf X teilen
    Russische Zivilisten haben Angst
    Video: watson
    Das könnte dich auch noch interessieren:
    Du hast uns was zu sagen?
    Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
    104 Kommentare
    Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
    Die beliebtesten Kommentare
    avatar
    tops
    16.06.2026 11:50registriert Juni 2018
    Typisch Bürgerlicher Ständerat. Verstehe ich nicht - und ich bin kein Armeegegner, aber langsam sollten auch die den Schuss gehört haben, dass solche Beschaffungen oft nicht gut Enden. Aber statt in Europa lieber Übersee einkaufen. Wie Dumm.
    14812
    Melden
    Zum Kommentar
    avatar
    Bejat
    16.06.2026 11:51registriert Oktober 2015
    Anschliessend wird die eingeschweizerte Waffe geprüft…

    Meine Güte, schon wieder ein helvetisiertes Rüstungsteil. Das ist für mich Sinnbild des absolut nicht funktionierenden Beschaffungswesen in diesem Laden. Es reden einfach viel zu viel Leute mit.
    1217
    Melden
    Zum Kommentar
    avatar
    fastfurious
    16.06.2026 11:46registriert März 2020
    "Eingeschweizerte Waffe" Was für Deja-vu. Anstelle ein Waffensystem zu kaufen, dass problemlos funktioniert, muss wohl von Arma Suisse und Ruag herumgebastelt werden. In 5 Jahren Feldversuch kommt dann das Eingeständnis, dass die Waffe nicht taugt.
    Es gibt wohl zuviele hohe Kader im Beschaffungswesen, die somit ihre Pöstchen rechtfertigen. BR Pfister will die Kader straffen. Es würde mich nicht wundern, wenn das gerade im Beschaffungswesen geschehen sollte.
    632
    Melden
    Zum Kommentar
    104
    «Ja, ich bin besorgt» – Feuerwehr hofft auf Feuerwerk-Vernunft am 1. August
    In mehreren Ländern Europas wüten aktuell heftige Waldbrände. Der bevorstehende Nationalfeiertag macht aufgrund der Trockenheit auch dem Bündner Feuerwehrinspektor Conradin Caduff Sorgen. Im Interview mit Keystone-SDA spricht er über die aktuelle Situation in Graubünden und sagt, wie gut die Bündner Feuerwehr auf Waldbrände vorbereitet ist.
    Conradin Caduff ist seit über 30 Jahren in der Feuerwehr aktiv. Seit Ende 2020 ist er Bündner Feuerwehrinspektor und Leiter Feuerwehr bei der Gebäudeversicherung Graubünden. Mit seinem Team ist er unter anderem für Planungen, Richtlinien und die Ausbildung der Feuerwehrleute zuständig. Weiter unterstützt die Feuerwehrabteilung zusammen mit den Bezirksinspektoren die Feuerwehren im Einsatz.
    Zur Story