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IT-Projekt der Armee gescheitert: Bis 2035 ohne krisensichere Logistik

Thomas Suessli, Chef der Armee, spricht anlaesslich der Armeebotschaft 2024, am Donnerstag, 21. Maerz 2024, auf dem Waffenplatz in Thun. Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 14. Februar 2024 die Ar ...
Thomas Süssli, Chef der Armee, hat einem IT-Projekt zur Sicherstellung der Kriegslogistik den Stecker gezogen. Der Ersatz dürfte Jahre dauern.Bild: keystone

Die Armee muss erneut ein millionenteures Informatik-Projekt abbrechen

Weil die Software nicht unabhängig vom Ausland funktionierte, hat die Armee ein weiteres Informatik-Projekt abgebrochen. Diesmal gehts um Logistik. Auch im Kriegsfall. Ein Ersatz dürfte frühestens in zehn Jahren startklar sein.
23.10.2024, 09:43
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Die Armee hat bis auf Weiteres keine krisensichere Logistik: Dies zeigt eine am Mittwoch publizierte Recherche von Radio SRF. Ein dazu nötiges, millionenteures Informatik-Projekt, ist nämlich klammheimlich abgebrochen worden. Dies trifft zumindest auf jenen Bereich zu, der die sogenannte «Kriegslogistik» betrifft.

Laut dem Bericht wird die Armee damit frühestens im Jahr 2035 sicherstellen können, dass sie ihre Soldaten auch im Krisenfall unabhängig mobilisieren oder die Kampfjets rechtzeitig warten kann. Oder dass schlicht das Essen oder die Munition zum erwarteten Zeitpunkt am richtigen Ort bereit steht.

Gegenüber SRF begründet die Armee den teilweisen Übungsabbruch der Software-Einführung mit Mängeln an der für die Logistik ausgewählten IT. Diese sei nicht so robust und belastbar gewesen wie ursprünglich gedacht, meldet Radio SRF. Zudem sei sie nicht unabhängig von einer internationalen Cloud-Lösung zu betreiben gewesen.

Politiker schreiben sich besorgte Briefe

Der Chef der Armee persönlich, Thomas Süssli, hat laut der Recherche das IT-Projekt am 21. Juni 2023 dann gestoppt. Nun will sich die Armee nach einer Alternative umsehen, so das zuständige Verteidigungsdepartement.

Gegenüber der zuständigen Aufsichtskommission nannte der Chef Armeestab dafür als Termin einen Zeitraum von rund zehn weiteren Jahren. Zu allfälligen Kosten respektive Zusatzkosten äussern sich die Armee und das Verteidigungsdepartement bislang nicht.

Die erneute IT-Panne ruft derweil auch die Politik auf den Plan. Dabei zeigt sich, dass linke wie recht Polit-Vertreter sich für einmal einig sind. Sicherheitspolitiker haben der Finanzkommission des Parlaments bereits einen Brief geschrieben. Darin werfen sie laut SRF etwa auch die Frage auf, ob die verzögerte Einführung einer Kriegslogistik ein Sicherheitsrisiko für die Schweiz darstelle. Die Sicherheitspolitische Kommission des Nationalrats verspricht sich Klarheit von einem Bericht, den der Bundesrat bis kommenden Sommer vorlegen soll.

Mit der sogenannten Geschäfts-Ressourcenplanungs-Software von der Firma SAP wollte die Armee in allen Lagen ihre Aufgaben erfüllen können. Das Parlament hatte vor vier Jahren für das entsprechende Projekt «ERP Systeme V/ar» 240 Millionen Franken bewilligt. (sat/ch media)

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Zwipf = Zwischenverpflegung
Küsche = Küchenchef/Koch
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bild: watson/keystone
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290 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Düsenschleicher
23.10.2024 08:07registriert Februar 2022
Wenn es Bedingung ist, dass die Software unabhängig vom Ausland läuft, gehört das von Anfang an in die Requirements. Das findet man doch nicht erst mitten im Projekt raus?
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fidget
23.10.2024 08:27registriert Dezember 2018
Das fällt der Armee jetzt auf, dass ein System von SAP nicht vom Ausland unabhängig funktioniert?
Warum verbrennen wir diese Millionen nicht einfach direkt auf dem Bundesplatz? Das gäbe zumindest kurzzeitig warm und man könnte einen Cervelat bräteln
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Überdimensionierte Riesenshrimps aka Reaper
23.10.2024 08:31registriert Juni 2016
Eim weiteres Armee Debakel.
Die letzten 15 Jahre reiht sich bei der Armee Debakel um Debakel an.
Gripen Absturz, Kuhtreicheln (Schellen) als Täuschkörper beim geplanten Luftabwehrsystem, IT Debakel (viele), RUAG Abzocke, Mörser Drama, Duro Debakel, Dieselmangel mit anschliessendem Leo 2 Crash, F35 Kostenexplosionen, Fehlkalulationen...
Aber anstelle Aufzuräumen und sich selbst Effizienter und Effektiver zu machen, will die Armee nur mehr Geld.
Und dafür wird die 3a Säule geopfert und anderen ein extremes Sparpaket aufgezwungen.
Merci für nichts.
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