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Trede, Fehr, Mörgeli und Co: So stehen die Chancen der abgewählten Polit-Promis auf einen Wiedereinstieg ins Berufsleben



Ein Viertel der bisherigen Nationalräte wurde am Wahlsonntag abgewählt. Für viele war die Arbeit im Bundeshaus das täglich Brot: Gemäss einer Studie aus dem Jahr 2010 sind knapp ein Drittel aller Nationalräte Vollzeitpolitiker – trotz Milizsystem.

Hans Fehr, Christoph Mörgeli und Co: Jahrzehntelang machten sie wenig anderes, als im Bundeshaus zu politisieren, die Wähler zu hofieren und den Medien Red und Antwort zu stehen. Wie es weitergeht, ist für die meisten unklar.

Das Jahreseinkommen für Nationalräte – Entschädigungen und Spesen einbezogen – macht 140'000 Franken aus. Mit der Abwahl fällt dieser Posten auf einen Schlag weg – eine erhebliche Einbusse im Lohnausweis. Stelleninserate prüfen, Bewerbungen verschicken, Absagen herunterschlucken: Das dürfte für einige der Ex-Parlamentarier in den nächsten Monaten zur Realität werden.

Rente für die Parlamentarier

Zwar steht den abgewählten (und den zurückgetretenen) Parlamentariern eine Art Armenrente, die sogenannte Überbrückungszahlung zu, falls sie in eine klamme finanzielle Situation geraten. Dies aber während höchstens zwei Jahren und nur für den Fall, dass der Ausgeschiedene das Rentenalter noch nicht überschritten hat. Nach den Wahlen vor vier Jahren erhielten sechs Ex-Parlamentarier einen solchen Zustupf. Für das kommende Jahr sind laut Mark Stucki von den Parlamentsdiensten 170'000 Franken für diesen Zweck vorgesehen. Personen, die das Rentenalter bereits erreicht haben, steht keine Rente zu.

Das Beispiel der abgewählten SP-Nationalrätin Barbara Marty hängt aber wie ein Damoklesschwert über den Abgewählten. Die SP-Nationalrätin wurde 2007 überraschend nicht wiedergewählt – und stand vor dem Existenzminimum. 34 Franken seien ihr am Ende noch geblieben, sagte Marty in der NZZ. Schliesslich fand die gelernte Sekundarlehrerin eine Teilzeit-Stelle als Geschäftsführerin im Verein «Forum Landschaft.» Boris Banga (SP), Jo Lang (Grünalternative) und Ulrich Schlüer (SVP) ereilte 2007 und 2011 das gleiche Schicksal: Sie alle wurden mehr oder weniger überraschend aus dem Bundeshaus katapultiert.

Wie gut sind die am Sonntag abgewählten Nationalräte auf das Leben nach Bern vorbereitet? Wir machen den Überblick:

Christoph Mörgeli

Nationalrat Christoph Moergeli auf dem Weg  zum Prozess wegen Amtsgeheimnis-verletzung ans Berner Obergericht am Dienstag, 19. Mai 2015, in Bern. Die juristische Auseinandersetzung zwischen SVP-Nationalrat Christoph Moergeli und CVP-Nationalraetin Kathy Riklin wegen Amtsgeheimnisverletzung geht in die naechste Runde. Seit heute Dienstag ist das bernische Obergericht am Zug. In erster Instanz war Moergeli vergangenen November vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland unterlegen. Er hatte Riklin Amtsgeheimnisverletzung vorgeworfen. Die Einzelrichterin sprach die angeschuldigte Zuercher CVP-Nationalraetin von dem Vorwurf frei. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Mit hängendem Kopf: Christoph Mörgeli auf dem Weg zum Prozess wegen Amtsgeheimnis-Verletzung im Mai.
Bild: KEYSTONE

Niemand rechnete mit der Abwahl von Christoph Mörgeli. Er selber wohl am allerwenigsten. Mörgeli zog 1999 für die SVP in den Nationalrat ein – und war seither eine konstante Präsenz am rechten Rand der Volkspartei. In den vergangenen zwei Jahren musste der Stäfner aber untendurch. Die Affäre um die Führung des Medizinhistorischen Museums der Universität Zürich kostete ihn nicht nur den Job, sondern auch Goodwill und Stimmen. Ob er nach dem unrühmlichen Abgang eine Zukunft im akademischen Betrieb hat, davor ist ein grosses Fragezeichen zu setzen. Immerhin: Als scharfzüngiger Kolumnist in der Weltwoche hat sich Mörgeli einen Namen gemacht.

--> Chancen auf den sofortigen Wiedereinstieg ins Berufsleben: 40 Prozent

Hans Fehr

ARCHIV --- Nationalrat Hans Fehr, SVP-ZH, spricht mit einem Journalisten, am Mittwoch, 11. Dezember 2013 an der Wintersession der Eidgenoessischen Raete im Vorzimmer des Nationalrats in Bern. Der Zuercher SVP-Nationalrat Hans Fehr soll fuer eine sechste Amtsperiode im Nationalrat kandidieren koennen. Die Parteileitung hat ihn am Dienstag, 19. Mai 2015, auf die Nationalratsliste gesetzt. Ob die Parteibasis das auch will, zeigt sich am 28. Mai. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Auf Wiedersehen: Hans Fehr verabschiedet sich nach 20 Jahren aus dem Nationalrat.  
Bild: KEYSTONE

Auch das altgediente SVP-Schlachtross Hans Fehr erlebte am Sonntag sein persönliches Waterloo. Mit 123'326 Stimmen positionierte er sich zwar noch vor Parteikollege Mörgeli – für die Wahl reichte das aber nicht. Wie Mörgeli stolperte auch Fehr vor der Wahl über einen Skandal: Er und seine Frau sollen eine serbische Asylbewerberin schwarz beschäftigt haben. Ein Strafverfahren gegen Fehr wurde eingestellt, der Vorwurf der Doppelmoral blieb aber am Asyl-Hardliner haften.

Fehrs ausserpolitischer Lebenslauf liest sich wie folgt: Nach der Maturität B machte er eine Ausbildung zum Realschullehrer und unterrichtete während mehrere Jahren in Flaach und Eglisau. Zusätzlich schrieb er regelmässig für das rechtskonservative Blatt «Schweizerzeit» von Ulrich Schlüer.

--> Chancen auf den sofortigen Wiedereinstieg ins Berufsleben: 0 Prozent (pensioniert)

Aline Trede

Die abgewaehlte Gruene Berner Nationalraetin Aline Trede waehrend dem Eingang von  Ergebnissen der Eidgenoessischen Wahlen am Sonntag, 18. Oktober 2015 im Rathaus in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Aline Trede muss leer schlucken: Die Grünen-Nationalrätin scheidet nach zwei Jahren aus der grossen Kammer aus.
Bild: KEYSTONE

Im Kanton Bern verloren die Grünen einen Sitz an die SVP. Fraktionspräsidentin Regula Rytz schaffte die Wiederwahl, die populäre Nationalrätin Aline Trede hingegen musste über die Klinge springen. Trede kam 2013 ohne Wahl in die grosse Kammer, indem sie den Sitz der zurückgetretenen Franziska Teuscher übernahm. Trede kann ein abgeschlossenes Studium in Umweltwissenschaften an der ETH und zahlreiche Mandate bei Vereinen und Organisationen vorweisen (VCS-Kampagnenleiterin, Verein UmverkehR, GSOA). Dank ihrer breiten Vernetzung dürfte es für die 32-Jährige kein Problem sein, in der Berufswelt Fuss zu fassen. 

Sie werde jetzt wieder einen Job suchen, teilte sie der sda schriftlich mit. Allenfalls werde sich noch eine Weiterbildung machen. Auf die Frage, wie sehr die Abwahl sie schmerze, antwortete die 32-Jährige mit einem einzigen Wort: «sehr». Ob die Grüne ein Comeback auf der nationalen Politbühne in Erwägung zieht, ist bislang unklar.

-> Chancen auf den sofortigen Wiedereinstieg ins Berufsleben: 80 Prozent

Andy Tschümperlin

Der abgewaehlte Schwyzer SP-Nationalrat Andy Tschuemperlin, links, mit seiner Frau Conny Tschuemperlin, 2. von links, anlaesslich der Eidgenoessischen Nationalrats- und Staenderatswahlen am Sonntag 18. Oktober 2015 in Schwyz. Heute finden die eidgenoessischen Wahlen 2015 in der Schweiz statt. Dabei werden die 200 Mandate des Nationalrates sowie 45 der 46 Mitglieder des Staenderates neu gewaehlt. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Zuspruch von der Familie: Andy Tschümperlin mit Frau und Kindern am Sonntagabend.
Bild: KEYSTONE

Mit Tschümperlin scheidet einer der alten Kämpen und eine der einflussreichsten Figuren der Sozialdemokraten aus dem Nationalrat aus. Tschümperlin amtete seit 2008 als Vizefraktionspräsident und übernahm 2012 den Fraktionsvorsitz. Der 53-Jährige war zuvor Leiter einer Integrationsschule für fremdsprachige Jugendliche.

Tschümperlin will sich nach seiner Abwahl ganz aus der Politik zurückziehen. Ein Idee für seine berufliche Zukunft hat der 53-jährige Berufspolitiker noch keine, wie er gegenüber der sda sagte.

-> Chancen auf den sofortigen Wiedereinstieg ins Berufsleben: 60 Prozent

Margrit Kessler

GLP-Politikerin Margrit Kessler, links, und die Gruene Yvonne Gilli, rechts, wurden beide abgewaehlt, aufgenommen am Sonntag, 18. Oktober 2015, bei den Eidgenoessischen Wahlen 2015 im Kanton St. Gallen im Pfalzkeller der Stadt St. Gallen. (KEYSTONE/Eddy Risch)

Ein Blumenstrauss als kleiner Trost: Margrit Kessler (links) und die ebenfalls abgewählte Grüne Yvonne Gilli.
Bild: KEYSTONE

Die bisherige GLP-Nationalrätin Margrit Kessler war Opfer des Totalabsturzes ihrer Partei und eines zurückhaltend geführten Wahlkampfs in St. Gallen. Kessler sass während nur einer Legislatur in der grossen Kammer. Die gelernte Krankenschwester arbeitete während über 20 Jahren im Kantonsspital St. Gallen bevor sie 1996 ein Beratungsmandat bei der Stiftung SPO Patientenschutz übernahm. Seit 1999 ist sie Präsidentin der Stiftung.

Sie sei «in Pension geschickt worden», sagte Kessler. Sie freue sich auf mehr Zeit mit ihren sechs Grosskindern, sagte die 67-Jährige. Ausserdem werde sie weiterhin als Präsidentin der Stiftung für Patientenschutz (SPO) tätig sein.

-> Chancen auf den sofortigen Wiedereinstieg ins Berufsleben: 0 Prozent (pensioniert)

Jacques Neirynck

Bern, 01.06.2015, Jacques Neirynck, (CVP-Waadt) in der Session im Nationalrat. (Yoshiko Kusano/EQ Images)

Neirynck während einer Sessionsitzung im Juni 2015.
Bild: EQ Images

Auch in der Westschweiz wurden einigen langjährigen Parlamentarier das Vertrauen der Wähler entzogen. Der Bekannteste von ihnen ist Jacques Neirynck, Doyen der CVP und ältester Nationalrat. Neirynck schaffte die Wiederwahl nicht. Mit 84 Jahren wird er kein Comeback im Politbetrieb wagen. Neirynck kann auf eine reichhaltige Karriere als Verbraucherschützer, Elektrotechniker zurückblicken und Autor zahlreicher Fachwerke zurückblicken.

--> Chancen auf einen sofortigen Wiedereinstieg ins Berufsleben: 0 Prozent (pensioniert)

(wst)

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Schwarzer Wahl-Sonntag: Diese Nationalräte schafften die Wiederwahl nicht

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Schwarzer Wahlsonntag: Diese Nationalräte schafften die Wiederwahl nicht
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