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Wie Benzin-Multis Autofahrer in der Schweiz schröpfen

14.06.2022, Hamburg: Ein Mann betankt an einer Tankstelle sein Auto. Foto: Daniel Reinhardt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Das Auto wird betankt.Bild: keystone

Wie Benzin-Multis Autofahrer in der Schweiz schröpfen

20.06.2024, 11:0320.06.2024, 13:15
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Die Benzin-Preise in der Schweiz sind derzeit hoch. Doch sie sind nicht überall gleich hoch. An manchen Orten kostet ein Liter «Bleifrei 95» 1.90 Franken pro Liter und andernorts nur 1.65 Franken.

Warum das so ist, zeigt eine aktuelle «Blick»-Recherche: Die Zeitung besuchte Michael Knobel in Winterthur ZH, wo dieser Filialen seines kleinen Tankstellennetzes Etzelpark betreibt. Bei ihm kostet ein Liter «Bleifrei 95» nur 1.65. Gegenüber Blick sagt er:

«Es ist nicht so, dass ich besonders billig bin. Sondern die anderen sind überraschend teuer!».

Mit den «anderen» meint Knobel die grossen Benzin-Multis wie Migrol oder Coop. Und um zu belegen, mit welch hohen Margen diese grossen Ketten ihr Benzin anbieten, legt Knobel auch gleich seine Gewinnspanne offen: So koste ihn das Benzin im Einkauf zum Beispiel 1.57 Franken – wobei dieser Preis schwanke. In diesem Einkaufspreis seien Steuern und die Lieferung inbegriffen. Auf diesen Einkaufspreis schlage der Unternehmer dann 5 bis 7 Franken drauf, mit denen er Miete, Löhne und Unterhalt begleiche. Weitere 3 bis 10 Rappen kommen als Aufschlag hinzu als Gewinnmarge.

So werden bei Knobel aus 1.57 Franken im Einkauf zwischen 1.65 und 1.72 im Verkauf – je nach Standort der Tankstelle.

Knobel meint ausdrücklich, dass die Autofahrer in der Schweiz geschröpft würden. Als Beleg führt er an, dass die grossen Ketten das Benzin billiger anböten, sobald er einer seiner Filialen eröffne. Die Migrol-Tankstelle gleich ums Eck in Winterthur zum Beispiel verkauft ihr Benzin 13 Rappen billiger pro Liter als die Tankstelle derselben Kette in Seuzach, nur ein Dorf weiter.

Knobel denkt darüber nach, eine kartellrechtliche Anzeige bei der Wettbewerbskommission (Weko) einzureichen wegen möglicher Preisabsprachen. Die Migrol und die Coop Mineralöl reagieren auf «Blick»-Anfrage nur knapp: Man prüfe das Angebot in der Umgebung regelmässig und der Preisdruck sei nunmal hoch bei der hohen Dichte an Tankstelle.

Knobel fühle sich dadurch nur noch motivierter. (yam)

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110 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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sealeane
20.06.2024 11:20registriert November 2017
*5 bis 7Rappen oder? Sonst wäre das Benzin dann ja 6-7.-😅

P.S. nein wirklich die machen ein Geschäft? Und in den Ferien und Ostern ist das Benzin nicht nur zufällig teurer? 😲
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Ich-möchte-verstehen
20.06.2024 11:40registriert April 2022
Übles Spiel - geht der Rohölpreis hoch, gehen die Diesel- und Benzin-Preise hoch, geht der Rohölpreis runter, bleiben die Preise an der Tankstelle hoch. Hier müsste die Wettbewerbskommision dringend altiv werden.
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Clife
20.06.2024 11:48registriert Juni 2018
Der Preisdruck ist aufgrund der Konkurrenz gross, darum sollen die Preise so weit oben wie möglich sein? Häh? Haben die BwL-Fuzzis im Unterricht aufgepasst? Wenn Das Angebot überfüllt ist, dann müsste das die Preise eigentlich senken, um überhaupt Kunden zu gewinnen…
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