Schweiz
Basel

Rassistische Sujets an der Basler Fasnacht sorgen für Kritik

Basler kratzen an den Grenzen der Narrenfreiheit – rechtsextreme Symbole und Schlitzaugen

Die Fasnächtler in Basel parodieren das Weltgeschehen gerne und gekonnt. Doch an der diesjährigen Fasnacht haben einige Cliquen die Narrenfreiheit arg strapaziert.
22.02.2024, 05:1225.02.2024, 09:53
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Die Basler Fasnacht ist per se hochpolitisch. Die Cliquen kommentieren und parodieren das Weltgeschehen und die Gesellschaft während ihrer «drei scheenschte Dääg» auf unterschiedlichste Weise.

So werden Schnitzelbängge in stickigen Cliquen-Kellern zu Mehlsuppe und viel Alkohol bejubelt und beklatscht. Die jeweiligen Cliquen-Sujets werden mittels Latternen, «Zeedel», Larven und Kostümen oder Wagen durch die Strassen getragen und an die Bevölkerung gebracht.

«Doch einige Fasnachtscliquen überschreiten mit der Umsetzung ihrer Sujets eine rote Linie», wie die «BZ Basel» es formuliert.

Von Schlitzaugen, Käfern und Deutschen

Die Alte Garde der Clique «Sans Gêne» zum Beispiel marschierte während des Cortèges am Montag mit stereotypischen Chinesenhüten. Auf diese montiert waren auffällig schmale Augen, die mit Insektenfühlern verziert waren. Sie referieren dabei wohl auf die asiatische Tigermücke, die ursprünglich aus Südostasien stammt und sich in Basel ausbreitet.

Cortège Montag, Basler Fasnacht 2024. SANS GÊNE, Alti Garde, „S bysst – Die invasivi Fluet“
Die Alte Garde der «Sans Gêne» haben das Sujet: «S bysst – Die invasivi Fluet.»Bild: bz/Kenneth Nars

Dazu verteilten die Fasnächtler «Zeedel» mit den Versen:

«Nit nur Dierwält nimmt stark zue,
Zuewanderer steere au no d Rue.
D Aazaal von deene Gnosse,
isch die letschte Joor in d Heechi gschosse.
Vom Kääfer dien mir ze de Dytsche koo,
dreihundertduusig hänn scho sich niider gloo.»

Ob es sich bei der Kostümierung um eine rassistische Darstellung handle, lasse sich ohne Kontext nicht einschätzen, schreibt Alma Wiecken von der Eidgenössische Kommission gegen Rassismus (EKR) auf Anfrage gegenüber watson. Sie betont aber:

«So wie es auch im Alltag immer wieder zu rassistischen Äusserungen und Handlungen kommt, so kann dies auch an der Fasnacht passieren. Dazu kommt, dass an der Fasnacht die Grenze des Sagbaren immer wieder ausgelotet wird.»

Antisemitismus und Konföderierten-Flaggen

Weiter entdeckte eine Journalistin der «BZ Basel» beim Flanieren durch die Gassen eine Clique, die verschiedene Flaggen mit sich führen – darunter von Staaten, die derzeit in der Kritik stehen. Ebenfalls getragen wird eine Flagge der Konföderierten Staaten von Amerika, die seit 1865 nicht mehr existieren und nie als Staat anerkannt waren. Die Flagge gilt in den USA als Symbol für Sklaverei und Rassismus und ist ennet des grossen Teiches in rechtsradikalen Kreisen verbreitet.

Die Konföderierten-Flaggen an der Basler Fasnacht.
Die Konföderierten-Flaggen an der Basler Fasnacht. bz/Neomi Agosti

Auch die Laterne der Clique «Revoluzzer 1956» ist negativ aufgefallen. Auf der Zeichnung wackeln die Waggis am Cortège an der Menge vorbei – die aus stereotypisch gezeichneten indigenen, asiatischen oder dunkelhäutigen Menschen besteht.

Die diesjährige Laterne der «Revoluzzer 1956».
Die diesjährige Laterne der «Revoluzzer 1956».bz/foe

Darüber steht:

«S'isch – oh Gruus – zem Gryyne.
Sie leehn alli Fremde-n-yyne.
Macht hoch die Tür die Tore weit.
Gseesch numme Fremdi weit und breit.»

In der abgebildeten Zuschauerschaft steht auch ein Mann mit einer roten, riesigen Nase, einem Bart und einem hohen, schwarzen Hut – eine stereotypische Darstellung eines Juden. Jonathan Kreutner vom Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) sagt dazu gegenüber watson:

«In der Fasnacht-Zeit darf man sehr weit gehen. Wir würden es aber begrüssen, wenn dem entsprechenden Leitfaden des Comités Beachtung geschenkt wird.»

Der Geist der Basler Fasnacht?

Doch was sagt denn der Leitfaden des Fasnachts-Comités – den Organisatoren der Basler Fasnacht –, den Kreutner anspricht?

Tatsächlich sind solche rassistischen Ausreisser gar nicht im Sinne des Comités. Auf der Homepage heisst es in einem Informationsschreiben für Besucherinnen und Besucher der Fasnacht:

«Rassismus, Ausländerfeindlichkeit, Sexismus, Beschimpfungen und Beleidigungen, Herabwürdigung Andersdenkender und Andersfühlender und alle anderen Formen von diskriminierendem Verhalten entsprechen nicht dem Geist der Basler Fasnacht.»

Diese Info haben wohl ein paar wenige Waggis nicht gelesen.

Wie verhalte ich mich, wenn ich rassistische Darstellungen an der Fasnacht beobachte?
Handelt es sich um strafrechtliche relevante Darstellungen, dann könne eine Anzeige wegen Verletzung von Art. 261bis StGB erstattet werden, so Alma Wiecken vom (EKR). In jedem Fall könne man aber bei einer der Beratungsstellen des Beratungsnetzes für Rassismusopfer Rat suchen.

Das Fasnachts-Comité schreibt auf Anfrage, wie mit solchen Fällen umgegangen werde und ob sie Konsequenzen hätten für die Cliquen: «Wir werden den Fall wie immer abhandeln, nach der Fasnacht.»

Und «nach der Fasnacht» ist seit Donnerstagmorgen um kurz nach 4 Uhr. (yam)

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177 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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N. Y. P.
22.02.2024 05:29registriert August 2018
Die Alte Garde der Clique «Sans Gêne» zum Beispiel marschierte während des Cortèges am Montag mit stereotypischen Chinesenhüten. Auf diese montiert waren auffällig schmale Augen, die mit Insektenfühlern verziert waren.

Die stereotypischen Chinesenhüte gehen völlig in Ordnung.

So wird "der Angst" vor Chinas Imperialismus Ausdruck verliehen. Es wird also der Staat China repräsentiert und nicht der Chinese. Das sollte eine Journalistin eigentlich unterscheiden können.

Man muss die Fasnacht nicht ZU intellektuell angehen. Es längt öppe.
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MacB
22.02.2024 05:51registriert Oktober 2015
Wer sucht, der findet.
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Der Beukelark
22.02.2024 06:01registriert Januar 2016
Wow, jetzt wurden tatsächlich drei Haare in einer sehr grossen, unterhaltsamen und bissig-satirischen Mehlsuppe gefunden 😅 Und dabei schiessen die Cliquen und Schnitzelbängg mehrheitlich nach oben gegen die Reichen und nach rechts gegen die SVP. Bin jedes Jahr begeistert von der Basler Fasnacht und den vielen Beiträgen, die von zigtausenden von Leuten in ihrer Freizeit erschaffen werden.
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