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Fehler in Prognosen zu Abstimmungen: Finanzkontrolle zieht Fazit

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Die Eidgenössische Finanzkontrolle hat mehrere Mängel in Abstimmungsbroschüren festgestellt.bild: keystone

Bei diesen Abstimmungen publizierte der Bund «irreführende» Zahlen

02.07.2026, 10:0202.07.2026, 10:02

Wer einen Stimmzettel ausfüllt oder im Parlament abstimmt, sollte über die Folgen des Entscheides informiert sein und sich auf diese Informationen verlassen können. Doch die Finanzkontrolle ortet Lücken in den Abstimmungsbroschüren und auch in den Botschaften des Bundesrates ans Parlament.

Der Bericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle (EFK) wurde im September 2024 in Auftrag gegeben. Zuvor hatte der Bund publik gemacht, dass die AHV-Ausgaben 2033 deutlich tiefer ausfallen dürften als bisher angenommen. Grund waren fehlerhafte Formeln im Berechnungsprogramm.

Nun nennt der Bericht weitere Fälle, bei denen die Zahlen in den Abstimmungserläuterungen (Abstimmungsbroschüren) des Bundes fehlerhaft, unvollständig oder irreführend waren:

Ausbauschritt 2023 der Nationalstrassen

Autofahrer, Pendler und Anwohner in Kirchberg und auf der A1 Kirchberg bis Bern Wankdorf sagen, was sie vom geplanten Autobahnausbau halten, über den die Schweiz am 24. November 2024 abstimmen wird.
Die Regierung wollte die Autobahnen ausbauen, doch das Stimmvolk erteilte dem Vorhaben eine Abfuhr.Bild: watson

Am 24. November 2024 lehnte die Schweiz den Ausbauschritt 2023 der Nationalstrassen mit fast 53 Prozent ab. In der Broschüre seien die Projektkosten mit 4.9 Milliarden Franken beziffert worden – laut EFK fehlten weitere Kosten von rund 1.4 Milliarden Franken. Zudem wurde die Schätzung ohne den Einbezug der Mehrwertsteuer und der Teuerung vorgenommen.

Massentierhaltungsinitiative

Im September 2022 lehnte die Schweiz die Volksinitiative «Keine Massentierhaltung in der Schweiz» mit fast 63 Prozent ab. In der Abstimmungsbroschüre damals hiess es, dass eine Annahme der Initiative zu Mehrkosten von 400 Millionen bis 1.1 Milliarden Franken führen könnte. Der Bericht bezeichnet diese Zahlen als «inhaltlich irreführend».

Diese hohen Kosten betrafen gemäss der zugrunde liegenden Studie nämlich nur die letzten fünf Jahre einer 25-jährigen Übergangsfrist. In den 20 Jahren davor wären die Kosten «wesentlich geringer» gewesen. Ausserdem habe die Broschüre einen möglichen volkswirtschaftlichen Nutzen einer Annahme verschwiegen.

«Für Ehe und Familie – gegen die Heiratsstrafe»

ZUR EIDGENOESSISCHEN ABSTIMMUNG UEBER DIE VOLKSINITIATIVE „FUER EHE UND FAMILIE – GEGEN DIE HEIRATSSTRAFE“ AM SONNTAG, 28. FEBRUAR 2016, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - A wed ...
Die Schweiz hat bereits mehrfach über eine Abschaffung der Heiratsstrafe abgestimmt.Bild: KEYSTONE

Im Februar 2016 stimmte die Schweiz über die Abschaffung der Heiratsstrafe ab und lehnte die Volksinitiative ab. 2019 annullierte das Bundesgericht die Abstimmung auf der Grundlage, dass im Abstimmungsbüchlein falsche Zahlen verwendet worden waren.

Demnach wurde in den Abstimmungserläuterungen eine unzutreffende und veraltete Schätzung zur Anzahl der betroffenen Ehepaare publiziert und Ehepaare mit Kindern wurden in der Prognose ebenfalls nicht berücksichtigt.

Unternehmenssteuerreform II

2008 stimmte die Schweiz über die Unternehmenssteuerreform II ab und nahm diese an. Nun hält die EFK fest: Die tatsächlichen finanziellen Auswirkungen fielen deutlich höher aus, als in den Abstimmungserläuterungen angegeben war. Diese Fehleinschätzung in der Broschüre führte in der Realität zu erheblichen Mindereinnahmen für den Staat.

Fazit

Unter der Berücksichtigung der untersuchten Fälle zieht die EFK das vernichtende Fazit: «Die Ergebnisse zeigen, dass die bestehenden Vorgaben und Prozesse zu deren Umsetzung ungenügend sind, um die Qualität von Prognosen und eine transparente Darstellung sicherzustellen.» Die Finanzkontrolle gibt dem Bundesrat deshalb mehrere Empfehlungen, um die Qualität der Prognosen zu erhöhen.

Dazu gehört beispielsweise, dass bei «Rechtsetzungsvorhaben von erheblicher Tragweite» Datenexpertinnen und -experten beigezogen werden müssen. Zudem sollen Qualitätskontrollen und Schulungen für das Bundespersonal eingeführt werden. (leo)

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Das waren die bisher knappsten Abstimmungen in der Schweiz
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Das waren die bisher knappsten Abstimmungen in der Schweiz

Bundesbeschluss über den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR)
Abgestimmt am: 06.12.1992
Ergebnis: abgelehnt
Stimmenunterschied: 23'836

quelle: keystone
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Die beliebtesten Kommentare
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Yorick
02.07.2026 10:39registriert Juni 2023
Fazit: In 3 der 4 Fällen hat man sich zu Gunsten bürgerlicher Interessen "verrechnet."
Im 4. Fall wurde die Abstimmung annuliert.
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Amphibolurus
02.07.2026 10:34registriert Januar 2026
Es ist sehr auffällig, dass die irreführenden Zahlen vor allem rechte Interessen begünstigen. Ein genauerer Blick in die jeweiligen Verwaltungen würde nicht schaden.
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