Schweiz
Bundesrat

Lex On: Schweizerkreuz-Thematik entzweit den Bundesrat

Das dürfte On-Markenbotschafterin Zendaya freuen: Der Bundesrat drückt bei der Swissness-Regel ein Auge zu.
Das dürfte On-Markenbotschafterin Zendaya freuen: Der Bundesrat drückt bei der Swissness-Regel ein Auge zu.Bild: zvg

«Lex On»: Das Schweizerkreuz entzweit jetzt sogar den Bundesrat

Der Bundesrat will an der umstrittenen «Lex On» vorerst nicht rütteln. Doch Recherchen zeigen: Hinter dem Entscheid standen unterschiedliche Interessen – selbst innerhalb des Wirtschaftsdepartements.
10.09.2026, 09:1210.09.2026, 09:12
Benjamin Rosch / ch media

Der Streit um das Schweizerkreuz geht in eine neue Runde – und die Angelegenheit zieht immer absurdere Kreise. Am Mittwoch gab der Bundesrat bekannt, dass er an der umstrittenen «Lex On» vorerst nicht rütteln will und empfahl, mehrere Vorstösse mit dieser Forderung zur Ablehnung. Recherchen zeigen aber: Einig war er sich dabei nicht. Der Streit um die Swissness geht sogar durch einzelne Departemente hindurch.

Losgetreten hat die Debatte die Schuhmarke On. Diese unterhält ihre Produktionsstandorte weitgehend in Asien, wollte aber dennoch unter Schweizer Flagge segeln – etwa mit einem kleinen Wimpel am Absatz.

Das war heikel. Normalerweise dürfen Produkte nur dann das Schweizerkreuz tragen, wenn sie auch hierzulande hergestellt wurden – oder zumindest zu einem grossen Teil. Im vergangenen März gab das Institut für Geistiges Eigentum dem Druck von On nach und änderte seine Gesetzesauslegung.

Seither dürfen Unternehmen unter bestimmten Bedingungen das Schweizerkreuz mit Angaben wie «Swiss Engineering» oder «Swiss Research» kombinieren, selbst wenn das Produkt im Ausland gefertigt wird. Entscheidend sei, dass das Kreuz nicht als Herkunftshinweis für das ganze Produkt missverstanden werde. Es müsse sich klar auf jene Tätigkeit beziehen, die tatsächlich in der Schweiz erfolgt. Die «Lex On» war geboren.

FILE - An employee at On tidies up sports shoes from the On sports brand in the On store on Wednesday, Jan. 22, 2025, at On's headquarters in Zurich. (Gaetan Bally/Keystone via AP)
Switzerland Tr ...
On-Schuhe sind in der Schweiz sehr beliebt.Bild: keystone

Was für On einem Befreiungsschlag gleichkam, bedeutete für andere einen Tabubruch. Stimmen wie Schuhhersteller Künzli monierten, die Schweiz verwässere die Swissness. Und damit ein starkes Verkaufsargument.

FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger und Mitte-Ständerat Fabio Regazzi nahmen diesen Steilpass auf und reichten gleichlautende Motionen im Parlament ein. «Wir müssen die Marke Schweiz schützen», sagte Regazzi gegenüber dieser Zeitung. In der Begründung verwiesen sie auf die Swissness-Debatte von 2012. Damals hatte Bundesrätin Simonetta Sommaruga im Ständerat sinngemäss festgehalten: Ein Verweis auf «Swiss Design» sei möglich – aber damit sei aber nicht das Schweizerkreuz als Aufdruck möglich.

Nun stellt sich der Bundesrat hinter die neue Praxis – zumindest vorläufig. Er lehnt die Vorstösse ab. Das IGE soll aber die Folgen seiner Praxisänderung überprüfen. Damit versucht der Bundesrat einen Mittelweg: Er hält die Tür für global tätige Unternehmen offen, gibt den Kritikern aber ein Signal, dass die Wirkung auf die Marke Schweiz beobachtet wird.

Recherchen dieser Redaktion zeigen: Diese Haltung war im Bundesrat durchaus umstritten. Wie mehrere Quellen bestätigen, gab es einen Mitbericht, der den Entscheid des Justizdepartements anzufechten versuchte. Und dieser stammte ausgerechnet aus dem Wirtschaftsdepartement von Guy Parmelin.

Das ist insofern bemerkenswert, weil in dessen Departement auch das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) beheimatet ist. Und dieses, so legten es unter anderem Recherchen der «NZZ am Sonntag» nahe, hat das Institut für Geistiges Eigentum dazu gedrängt, die Schweizerkreuz-Regeln für On zu lockern. Das deckt sich mit Informationen dieser Zeitung. Die Rolle des Seco soll zudem bereits Thema in der Geschäftsprüfungskommission sein.

Die Sorgen der Landwirtschaft

Doch das WBF ist nicht nur das Departement der Exportindustrie. Zu Parmelins Einflussbereich gehört auch die Landwirtschaft. Und dieser kann eine Aufweichung der Swissness-Regeln nicht egal sein: Für Käse, Schokolade oder andere Lebensmittel ist das Schweizerkreuz kein Marketing-Accessoire, sondern matchentscheidend.

Die Schuhmarke On dürfte den Entscheid des Bundesrats indes mit Genugtuung verfolgt haben. Die Praxisänderung – oder je nach Lesart auch die Praxispräzisierung – hat mit der jüngsten Bundesratssitzung das Gütesiegel der Regierung erhalten.

Für die Schweiz ist die Ausgangslage vor der Parlamentsdebatte aber verworrener denn je. Der Konflikt verläuft nicht einfach zwischen Staat und Wirtschaft. Übers Kreuz liegen sich auch die verschiedenen Sektoren – und die Verwaltung selbst. (schweizheute.ch)

Das könnte dich auch interessieren:

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
69 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
der_senf_istda
10.09.2026 09:34registriert Juni 2017
Die Schuhe werden grösstenteils in Vietnam hergestellt und nicht in der Schweiz.
Das schweizer Kreuz auf den Schuhen ist ein klassischer Etikettenschwindel.
Kein swiss made, kein schweizer Kreuz, so einfach.
1352
Melden
Zum Kommentar
avatar
NurFragen
10.09.2026 09:31registriert Dezember 2024
"Entscheidend sei, dass das Kreuz nicht als Herkunftshinweis für das ganze Produkt missverstanden werde."? Wie bitte? Das wird also von den ahnungslosen Konsumenten etwa nicht so verstanden? Wie kann man solchen Betrug am Kunden und am Standort Schweiz nur gutheissen?
1061
Melden
Zum Kommentar
avatar
Fondue
10.09.2026 09:39registriert Januar 2015
Was On da macht geht halt gar nicht. Wenn ich ein Produkt mit 🇨🇭 kaufe, will ich die Sicherheit haben, das es auch aus der Schweiz kommt.

Sonst könnte man das ja auch mit Food machen. Gen-Rinder aus den USA importieren, hier Schlachten und dann als Schweizerfleisch verkaufen. Usw.
791
Melden
Zum Kommentar
69
«Fall zeigt, dass Schweiz funktioniert»: Politologe über F35-Debakel
Für die F-35-Jets gab es nie einen Fixpreis – anders als von alt Bundesrätin Viola Amherd behauptet. Der Nationalrat hat nun eine Rüge ausgesprochen, andere Konsequenzen sind nicht absehbar. Im Interview erklärt Politologe Marc Bühlmann, warum das Schweizer System kaum Folgen für politische Fehler vorsieht.
Herr Bühlmann, was sagt es über das politische System der Schweiz und seine Verantwortlichen, wenn sie den Vertrag für das teuerste Rüstungsgeschäft in der Landesgeschichte nicht mit Vieraugenprinzip prüfen, wie es im Bericht der Geschäftsprüfungskommission heisst?
Wir Menschen suchen gerne Schuldige, Personen, auf die man mit dem Finger zeigen kann, weil sie einen Vertrag unzureichend gelesen haben. Unser politisches System basiert allerdings nicht auf einzelnen Personen, sondern Institutionen – dem VBS, dem Bundesrat und dem Parlament zum Beispiel. Der Fall zeigt, dass die Institutionen in der Schweiz funktionieren müssen, auch wenn Einzelpersonen Fehler machen.
Zur Story