KI-Jans gratuliert dem «Nebelspalter» – Bundesrat prüft rechtliche Schritte
Die 200. Sendung «The Daily Mill» eröffnet mit Bundesrat Beat Jans. Dieser Gast erscheint ungewöhnlich für ein Satire-Format von rechts. «Im Namen des Bundesrats gratuliere ich Ihnen ganz herzlich zur 200. Sendung. Eine Sendung, die, wie ich finde, ein äusserst wichtiges Signal ist für unsere Demokratie», sagt er.
Nur: Es handelt sich dabei nicht um Beat Jans, sondern um eine KI-Version des Bundesrates.
In der Sendung wird jedoch nicht darauf hingewiesen, dass es sich um einen Fake handelt. Stattdessen bedankt sich der Host der Sendung, Stefan Millius, bei Jans für die «schönen Glückwünsche».
Bei «The Daily Mill» handelt es sich um ein satirisches Videoformat des «Nebelspalters». Dabei macht sich Millius etwa über einen homosexuellen Soldaten oder über die Klimaaktivistin Luisa Neubauer lustig. In der 200. Sendung werden zwischendurch immer wieder Grussbotschaften gezeigt. So kommen ebenfalls nicht-deklarierte KI-Versionen von Roger Federer, dem ehemaligen deutschen Gesundheitsminister Karl Lauterbach oder FC-St.Gallen-Präsident Matthias Hüppi vor.
Der Tages-Anzeiger hat den Host damit konfrontiert. «Ich gehe davon aus, dass mein Publikum intelligent genug ist, um die Videos als KI-generiert zu erkennen, umso mehr, als die Clips in einem als solches auch ausgewiesenen Satireformat liefen», antwortete Millius gemäss der Zeitung auf Anfrage. Er würde eine entsprechende Kennzeichnung liefern, wenn er den Prominenten eine politische Aussage in den Mund legen würde. Eine Gratulation laufe für ihn nicht darunter. Zudem seien die Sprechpassagen von einem Menschen «aus Fleisch und Blut», teilt er dem «Tages-Anzeiger» mit.
Rechtliche Schritte werden geprüft
Im Generalsekretariat von Beat Jans überlege man sich nun, rechtliche Schritte einzuleiten. Das sagt Kommunikationschef Oliver Washington gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Ein Entscheid sei aber noch nicht gefallen.
Vor drei Jahren hatte SVP-Nationalrat Andreas Glarner ein mit KI gefaktes Video von Nationalrätin Sibel Arslan veröffentlicht. Darin rief sie dazu auf, Glarner zu wählen und türkische Straftäter auszuschaffen. Das Video war als KI-generiert deklariert, trotzdem erhielt Arslan nach einer Klage gegen Glarner Recht.
Millius will den Vergleich nicht gelten lassen, schreibt der «Tages-Anzeiger». Für ihn sei es ein Unterschied, «ob ein amtierender Politiker eine andere amtierende Politikerin eine politische Aussage machen lässt» oder er «harmlose Gratulationssprüchlein aufsagen lasse». Er sei optimistisch, dass die Betreffenden genug Humor hätten, um keine weiteren Schritte zu unternehmen. (hkl)
