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Bundesliga-Spiel am Samstag in Köln. Wie schnell verbreitet sich die aus dem Süden Afrikas via Flugpassagiere eingeschleppte neue Virusvariante?
Bundesliga-Spiel am Samstag in Köln. Wie schnell verbreitet sich die aus dem Süden Afrikas via Flugpassagiere eingeschleppte neue Virusvariante?Bild: keystone

Diese neuen Fakten zur Virusvariante Omikron sollten auch Impfgegner kennen

«Schlechte Nachrichten, aber kein Grund zur Panik», twitterte Karl Lauterbach am Samstag. Hier erfährst du das Wichtigste zu B.1.1.529.
27.11.2021, 17:1828.11.2021, 13:08

Die Omikron getaufte neue Coronavirusvariante B.1.1.529 hält Europa und den Rest der Welt in Atem. Dieser Beitrag dreht sich um die wichtigsten neuen Entwicklungen und erste Einschätzungen der ausgewiesenen Fachleute.

Das sagt der oberste Kantonsarzt zur Gefahr durch Omikron

Rudolf Hauri, Zuger Kantonsarzt und Präsident der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte, zeigt sich besorgt wegen der neuen Corona-Variante Omikron. Es bestehe die Möglichkeit, dass bereits vorhandene Antikörper nicht gegen dieses Virus nützen und dass sogar eine Behandlung nur eingeschränkt möglich sei.

«Die Situation stimmt einerseits die WHO, aber auch die Schweizer Bundesbehörden nachdenklich.»

Wie verbreitet ist Omikron bereits in Europa?

In Grossbritannien sind zwei Corona-Fälle mit der als besorgniserregend eingestuften Omikron-Variante entdeckt worden. In den englischen Städten Nottingham und Chelmsford sei jeweils ein Fall festgestellt worden, teilte der britische Gesundheitsminister Sajid Javid am Samstag mit. Beide Fälle sollen miteinander in Verbindung stehen und auf Reisen in den Süden Afrikas zurückzuführen sein.

Angesichts der neuen Bedrohung verschärft Grossbritannien seine Einreiseregeln für Reisende aus aller Welt. Alle Ankommenden müssen an Tag Zwei nach ihrer Einreise einen PCR-Test machen und bis zum Erhalt eines negativen Testergebnisses in Quarantäne gehen, wie es am Samstag hiess.

Die Omikron-Variante wurde nach Angaben des Gesundheitsministeriums auch in Belgien bei einem Reisenden festgestellt, der zuvor in Ägypten gewesen war.

In München sind die ersten beiden Fälle der neuen Omikron-Variante in Deutschland bestätigt worden. Die beiden Reisenden seien am 24. November mit einem Flug aus Südafrika eingetroffen, sagte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) am Samstag.

Am Samstagabend wurde der erste offizielle Omikron-Fall aus Italien gemeldet.

Welche Sofortmassnahmen ergreift die Schweiz?

Beim Einsteigen (Boarding) in ein Flugzeug und bei der Einreise in die Schweiz aus Grossbritannien, den Niederlanden, Tschechien, Ägypten und Malawi müssen seit Samstag alle Personen einen negativen Covid-19-Test vorlegen und 10 Tage in Quarantäne. Seit Freitagabend 20.00 Uhr galt bereits ein Verbot für Direktflüge aus dem südlichen Afrika.

Die zusätzlichen Herkunftsländer listete das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Samstagabend auf und teilte sie über Twitter mit. «Der Bundesrat empfiehlt, auf Reisen in Staaten und Gebiete mit einer besorgniserregenden Virusvariante zu verzichten», wie das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Abend nachdoppelte.

Laut BAG müssen auch Einreisende aus Südafrika und anderen Ländern einen negativen Covid-19-Test vorlegen und sich für zehn Tage in Quarantäne begeben – auch wenn sie geimpft oder genesen sind. Dasselbe gilt seit Freitag für alle Reisenden aus Belgien.

Grundsätzlich gilt ein Einreisestopp für Reisende aus Botsuana, Eswatini, Hongkong, Israel, Lesotho, Mosambik, Namibia, Simbabwe und Südafrika. Davon ausgenommen sind Schweizer Bürgerinnen und Bürger sowie Personen, die über eine Aufenthaltsgenehmigung in der Schweiz verfügen.

Omikron (B.1.1.529) wurde bislang in der Schweiz nicht nachgewiesen, wie das BAG am Samstag schrieb.

Welche wichtigen Fragen zur Virusvariante gilt es nun zu klären?

Mit Sorge schauen Fachleute vor allem auf die genetischen Veränderungen des Virus. Denn die neue Omikron-Variante unterscheidet sich deutlich von den bisherigen: Es wurden allein mehr als 30 Mutationen am Spike-Protein auf der Oberfläche des Virus ausgemacht. Das Spike-Protein spielt eine wichtige Rolle, damit das Virus in die menschlichen Zellen eindringen und sie so infizieren kann. Mutationen am Spike-Protein machten bereits die Delta-Variante ansteckender. Hinzu kommen laut dem deutschen Robert Koch-Institut viele Mutationen, deren Bedeutung noch unklar ist.

Richard Neher, Leiter der Forschungsgruppe «Evolution von Viren und Bakterien» an der Universität Basel, erklärte, es sei durchaus vorstellbar, dass die neue Omikron-Variante sehr übertragbar sei.

«Die Variante scheint sich in Südafrika gegen Delta durchzusetzen. Allerdings sind in Südafrika die Fallzahlen derzeit recht niedrig, was die Interpretation erschwert. Unter welchen Bedingungen sich diese Variante schneller überträgt als Delta, ist im Moment nicht klar. Die nächsten Tage werden hier hoffentlich mehr Antworten liefern.»
Richard Neher geht davon aus, dass auch gegen die Omikron-Variante ein Impfschutz bestehen wird (dazu weiter unten mehr).
Richard Neher geht davon aus, dass auch gegen die Omikron-Variante ein Impfschutz bestehen wird (dazu weiter unten mehr).Bild: Universität Basel

Auch der bekannte Berliner Virologe Christian Drosten sieht gemäss Medienberichten noch viele offene Fragen. So sei unklar, ob die Variante tatsächlich ansteckender sei oder ob ein anderer Faktor Grund für die momentan beobachtete Ausbreitung ist. «Für eine veränderte Krankheitsschwere gibt es derzeit keine Hinweise», wird Drosten zitiert.

Impfen (mit Booster) bleibt die beste Option

Auch wenn die Wirksamkeit der verfügbaren Impfstoffe bei der neuen Corona-Variante Omikron nach bisher bekannten Daten geringer sein könnte: Die Impfung bleibt auch in diesem Fall die beste Option, wie Experten sagen.

Richard Neher von der Universität Basel geht davon aus, dass auch gegen die Omikron-Variante ein Impfschutz bestehen wird, da die Impfstoffe gegen alle bisherigen Varianten effizient sind.

«Gerade die T-Zell-Antwort sollte gegenüber den Veränderungen robust sein. Allerdings ist es durchaus vorstellbar, dass es vermehrt zu Durchbruchsinfektionen kommt, so dass eine dritte Dosis umso wichtiger wird.»

«Alle Menschen, die sich impfen lassen, fangen nicht bei null an, wenn sie sich mit einer neuen Variante infiziert haben», betonte Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), am Samstag in Berlin bei einem virtuellen Bürgerdialog. Sie hätten auf jeden Fall schon einen gewissen Impfschutz, das sei entscheidend zu wissen.

Lothar Wieler vom RKI.
Lothar Wieler vom RKI.Bild: keystone

Zwar gebe es bei Omikron viele Veränderungen an Stellen, an denen gerade die besten Antikörper binden können, sagte Leif Erik Sander, Immunologe an der Charité Berlin. «Aber unser Körper bildet eine Unmenge an verschiedenen Antikörpern.» Hinzu kämen spezielle Zellen der Immunabwehr, die in der Regel ganz andere Stellen erkennen als die Antikörper. «Also wir haben immer ein Netz und einen doppelten Boden.»

Gerade bei der zellulären Immunität sei er sehr optimistisch, dass sie auch bei Omikron greife – und das sei die, die den Körper schütze, wenn das Virus in die Lunge eindringe und dort zu schwerem Lungenversagen führen könnte. «Darum sind wir optimistisch, dass wir mit so einer neuen Variante nicht bei null anfangen.»

Das Level an Immunität könne durch die Booster-Impfungen generell noch einmal sehr stark angehoben werden – was auch gegen Varianten helfe, führte der Infektionsimmunologe weiter aus. «Die Booster bleiben wichtig, gerade auch bei den Varianten.» Für eine genaue Einschätzung speziell zu Omikron fehlten bislang noch Daten – noch sei daher auch unklar, ob eine Anpassung der Impfstoffe nötig werde.

Impfstoff-Entwickler geht nicht von Neustart der Pandemie aus

Der Entwickler des Astrazeneca-Impfstoffs gegen Corona, Andrew Pollard, geht nicht von einem dramatischen Neuanfang der Pandemie durch die neue Variante Omikron aus. «Es ist sehr unwahrscheinlich, dass es in einer geimpften Bevölkerung einen Neustart der Pandemie wie im letzten Jahr geben wird», sagte der Immunologe von der Universität Oxford am Samstag in einem BBC-Interview.

Professor Andrew Pollard.
Professor Andrew Pollard.Bild: keystone

Man müsse einige Wochen warten, um sichere Ergebnisse zu haben, es gebe jedoch Anlass zur Hoffnung, dass die Impfstoffe gegen schwere Erkrankungen weiterhin wirken würden. Im vergangenen Jahr war in Grossbritannien kurz vor Weihnachten die erste deutlich ansteckende Alpha-Variante aufgetaucht, die eine schwere Welle auslöste. Damals gingen die Corona-Impfungen gerade erst los.

Die nun im Süden Afrikas entdeckte Omikron-Variante vereint Mutationen, die bereits bei früher als besorgniserregend eingestuften Varianten aufgetreten waren. «Trotz dieser Mutationen haben die Impfstoffe schwere Erkrankungen verhindert, während wir uns von Alpha, Beta und Gamma bis hin zu Delta bewegt haben», sagte Pollard, der mit anderen Oxford-Forschern und dem Pharmakonzern Astrazeneca den Impfstoff entwickelt hat. Ausserdem zeigte sich der Wissenschaftler zuversichtlich, dass die Impfstoffe zeitnah auf die neue Variante hin angepasst werden könnten.

Die zunächst in Botsuana und Südafrika nachgewiesene Omikron-Variante (B.1.1.529) wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mittlerweile als «besorgniserregend» eingestuft.

Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC spricht von ernsthaften Sorgen, dass die Variante die Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe erheblich verringern und das Risiko von Reinfektionen erhöhen könnte.

Weltärztebund-Chef warnt vor noch gefährlicheren Varianten

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, warnte unterdessen vor der Entstehung noch gefährlicherer Varianten des Coronavirus. «Meine grosse Sorge ist, dass es zu einer Variante kommen könnte, die so infektiös ist wie Delta und so gefährlich wie Ebola», sagte er den Zeitungen der deutschen Mediengruppe Funke.

Die neue Variante B.1.1.529 sei ein gutes Beispiel dafür, dass man dem Virus keine Chance zur Mutation geben dürfe. Um weitere Varianten zu verhindern, werde es nötig sein, die Welt noch jahrelang zu impfen, sagte Montgomery.

BAG verschickt nachträglich SMS an Südafrika-Rückkehrer

Am Schweizer Landesflughafen Zürich sind am Samstag keine speziellen Kontrollen wegen der besorgniserregenden neuen Coronavirus-Variante Omikron durchgeführt worden. Am Morgen war dort ein Swiss-Flieger aus dem südafrikanischen Johannesburg gelandet.

Gegen Mittag wurde bekannt, dass das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die aus Südafrika angekommenen Flugpassagiere nachträglich per SMS kontaktieren wolle. Die Leute sollten sich umgehend aufs Coronavirus testen lassen.

Sämtliche Passagiere eines Swiss-Flugs vom Samstag aus Johannesburg in Südafrika nach Zürich würden «per SMS vom BAG informiert und aufgefordert, sich in Quarantäne zu begeben und sich testen zu lassen», teilte die Behörde auf Anfrage von Journalisten mit.

Die Passagierdaten des Fluges würden gleichzeitig den Kantonen übermittelt, damit diese die Kontrolle der Quarantäne und der Testungen übernehmen könnten, erklärte das BAG. Alle positiven PCR-Tests würden zudem genauer auf die Virusvarianten untersucht beziehungsweise sequenziert.

Der Bund hatte am Freitag einen allgemeinen Aufruf gemacht, dass Einreisende aus Ländern mit der besorgniserregenden neuen Coronavirus-Variante nicht mit dem öffentlichen Verkehr vom Flughafen nach Hause fahren sollen.

In den Niederlanden lief das Einreise-Prozedere für Südafrika-Rückkehrer ganz anders ab: Das Land testete 600 Flugreisende, die mit Flügen von KLM bereits am Freitagmorgen aus Südafrika auf dem Flughafen Schiphol gelandet waren. Bei 61 Personen war der Corona-Test positiv.

Laut BAG müssen Einreisende aus Südafrika und anderen Ländern seit Freitag einen negativen Covid-19-Test vorlegen und sich für zehn Tage in Quarantäne begeben – auch wenn sie geimpft oder genesen sind. Dasselbe gilt für alle Reisenden aus Belgien.

Quellen

«Squid Game» nachgespielt:

Video: watson
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quelle: keystone / peter klaunzer
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