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SARS-CoV-2 Virenpartikel unter dem Mikroskop.
SARS-CoV-2 Virenpartikel unter dem Mikroskop.Bild: keystone

Die neue Variante heisst «Omikron» und 8 weitere Punkte, die du wissen musst

Eine neue Virus-Variante gibt derzeit zu reden. Die WHO stuft sie als «besorgniserregend» ein, verpasste der Variante einen Namen und die Schweiz hat auch schon gehandelt. Die wichtigsten Punkte in der Übersicht.
26.11.2021, 21:18

Wie schätzt die WHO die Variante ein?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die neue Corona-Variante B.1.1.529 als «besorgniserregend» eingestuft. Das teilte die UN-Behörde am Freitag nach Beratungen mit Experten mit. Diese Klassifizierung ist laut WHO-Definition ein Signal, dass eine Variante ansteckender ist oder zu schwereren Krankheitsverläufen führt. Ausserdem besteht bei «besorgniserregenden Varianten» die Gefahr, dass herkömmliche Impfungen, Medikamente oder Corona-Massnahmen weniger wirksam sind.

Wie heisst jetzt die neue Variante?

Seit Freitag heisst die neue Variante nun «Omikron», nach dem 15. Buchstaben des griechischen Alphabets. Die Variante weise eine grosse Anzahl Mutationen auf, von denen einige besorgniserregend seien, hiess es. Vorläufige Hinweise deuteten auf ein erhöhtes Risiko einer Reinfektion bei dieser Variante im Vergleich zu anderen besorgniserregenden Varianten, zu denen auch die derzeit vorherrschende Delta-Variante zählt.

Wie wurde Omikron entdeckt?

Laut WHO wurde B.1.1.529 in Südafrika mittels genetischer Analyse entdeckt, die vom 9. November stammt. Insgesamt ist die Variante bislang weniger als 100 Mal genetisch nachgewiesen worden. Sie weist viele Mutationen auf, die aus Sicht von Wissenschaftlern möglicherweise zu einer leichteren Übertragung führen können. Nach Angaben der WHO wird es jedoch noch Wochen dauern, bis klar wird, welche genauen Auswirkungen die Mutationen haben.

Wie reagierte die Schweiz?

Schlussendlich ging es ziemlich schnell: Kurz bevor die WHO die Variante als «besorgniserregend» und mit Omikron benannte, gab der Bund bekannt, dass alle Direktflüge aus der Region des südlichen Afrikas in die Schweiz verboten werden. Personen ohne Schweizer Aufenthaltsbewilligung können zudem aus neun Ländern nicht mehr in die Schweiz einreisen.

Und zwar bereits ab Freitagabend um 20:00 Uhr.

Konkret gilt ein Einreisestopp für Reisende aus Botsuana, Eswatini, Hongkong, Israel, Lesotho, Mosambik, Namibia, Simbabwe und Südafrika. Ausgenommen sind Schweizer Bürgerinnen oder Bürger sowie Personen, die über eine Aufenthaltsgenehmigung in der Schweiz verfügen. Sie müssen einen negativen Covid-19-Test vorlegen und sich für zehn Tage in Quarantäne begeben – auch wenn sie geimpft oder genesen sind. Das Gleiche gilt für alle Reisenden aus Belgien.

Diese Test- und Quarantänepflicht soll laut dem Bund auf weitere Länder ausgedehnt werden, in denen die neue Virusvariante nachgewiesen wird. Ausgenommen sind die Nachbarländer der Schweiz. Einreisende aus Ländern mit der besorgniserregenden Coronavirus-Variante sollen zudem nicht mit dem öffentlichen Verkehr vom Flughafen nach Hause fahren.

Wie reagiert der Rest der Welt?

Die EU-Staaten wollen alle Passagierflüge aus sieben Ländern im südlichen Afrika aussetzen. Davon betroffen sind Botsuana, Swasiland, Lesotho, Mosambik, Namibia, Südafrika und Simbabwe, wie die Deutsche Presse-Agentur in Brüssel nach einer Sondersitzung der EU-Staaten am Freitag aus Diplomatenkreisen erfuhr.

Die Vereinbarung ist für die EU-Staaten nicht bindend, den Angaben zufolge wurde sie jedoch von allen Ländern unterstützt. Schon jetzt haben viele Staaten, unter ihnen Deutschland, Einschränkungen verhängt. Deutschland werde Südafrika zum Virusvariantengebiet erklären, kündigte der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitagmorgen an.

Auch die US-Regierung wird Einreisen aus den Staaten des südlichen Afrikas einschränken. Dies sei eine Vorsichtsmassnahme, bis es mehr Informationen über die Variante gebe, erklärte US-Präsident Joe Biden am Freitag. Betroffen sind laut Weissem Haus ab Montag Einreisen aus Südafrika, Simbabwe, Namibia, Botsuana, Lesotho, Eswatini, Mosambik und Malawi.

Angesichts der neuen Omikron-Variante schliesst auch Kanada seine Grenzen für Ausländer, die aus Ländern des südlichen Afrikas einreisen wollen.

Anzahl der Ansteckungen

Bislang gebe es nur bestätigte Fälle in Südafrika, Botswana, Israel, Belgien und Hongkong.

Die ersten Fälle der Variante wurden am 11. November in Botswana gesammelt, der früheste Fall in Südafrika wurde drei Tage später registriert. Das südafrikanische Institut für Ansteckende Krankheiten NICD teilte am Donnerstag mit, es seien in Südafrika erste 22 Fälle der neuen Variante B.1.1.529 nachgewiesen worden. Der südafrikanische Gesundheitsminister, Joe Phaahla, bezeichnete die Variante als «ernsthaft besorgniserregend».

Bei dem in Hongkong gefundenen Fall handelte es sich um einen 36-jährigen Mann, der sich vom 22. Oktober bis zum 11. November in Botswana aufhielt.

Aktuell ist auch ein Fall in Israel bekannt. Zwei weitere Personen seien Verdachtsfälle, die noch auf ihre Testergebnisse warteten, teilte das Gesundheitsministerium am Freitag mit. Die infizierte Person sei aus Malawi nach Israel zurückgekehrt. Die anderen beiden seien ebenfalls aus dem Ausland zurückgekehrt. Alle drei Personen seien geimpft worden. Ihr genauer Status werde derzeit überprüft. Es werde zudem nach weiteren Kontakten gesucht:

Belgien hat einen ersten Fall mit der neuen Corona-Variante registriert. Das gab der belgische Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke bei einer Pressekonferenz am Freitag bekannt.

Mit mehr Fällen sei im Zuge der laufenden Genomanalysen zu rechnen. «Obwohl die Datenlage noch beschränkt ist, machen unsere Experten mit allen Überwachungssystemen Überstunden, um die neue Variante und die damit möglicherweise verbundenen Implikationen zu verstehen», sagte Phaahla.

Das sagen Wissenschaftler

Ein Virologe am Imperial College London, Tom Peacock, veröffentlichte Einzelheiten über die neue Variante auf einer Website, die Genvarianten des Virus thematisiert. Er schreibt, dass «die unglaublich hohe Anzahl von Spike-Mutationen darauf schliessen lässt, dass diese Mutation wirklich besorgniserregend sein könnte». Auf Twitter erklärte Peacock die neu Variante:

Der Direktor des UCL Genetics Institute, Francois Balloux, sagte gegenüber dem Guaridan, dass die grosse Anzahl von Mutationen in der Variante sich wohl «in einem einzigen Schub» entwickelt habe. Dies deute darauf hin, dass die Mutation sich während einer chronischen Infektion bei einer Person mit einem geschwächten Immunsystem passiert sei – möglicherweise einem unbehandelten HIV/Aids-Patienten.

«Die Wissenschaftler sind alle hoch alarmiert», sagte der deutsche Kanzleramtsminister Braun am Freitagmorgen im ARD-Morgenmagazin. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schrieb auf Twitter: «Wir müssen Zeit gewinnen. Nichts ist schlimmer als eine neue Variante in eine laufende Welle hinein.» Wenn vorläufige Daten sich als korrekt herausstellten, «müssen sofort Reisebeschränkungen erfolgen».

Die Expertin Susan Hopkins von der britischen Behörde zur Gesundheitssicherung sagte dem Sender BBC, das neue Virus sei die bisher komplexeste Variante. Einige der Mutationen seien zuvor noch nicht bekannt gewesen. Deshalb sei offen, wie sie mit anderen Mutationen interagieren. Es müsse also weiter geforscht werden, um zu klären, ob das neue Virus übertragbarer und infektiöser sei und die Wirkung von Impfstoffen umgehen könne.

Der US-Immunologe Anthony Fauci schliesst wegen der besorgniserregenden neuen Variante des Coronavirus eine Einschränkung von Reisen aus dem südlichen Afrika in die USA nicht aus: «Das ist sicherlich etwas, worüber man nachdenkt und worauf man sich vorbereitet», sagte der Berater des Präsidenten am Freitagmorgen (Ortszeit) dem Sender CNN. Er betonte jedoch, dass aktuell noch nicht genug Informationen vorlägen. Auch dazu, ob die neue Variante die Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe mindere, könne er noch nichts sagen.

Der Statistiker und Daten-Journalist, John Burn-Murdoch, twitterte aufgrund der vorliegenden Daten, dass sich die neue Mutation sehr viel schneller verbreite, als die bisher bekannten – er betont aber, dass sich die Datenlage rasch verändern könne:

Emma Hodcroft von der Universität Bern hingegen ruft zur Ruhe auf: Man solle die neue Variante nicht überinterpretieren, da es zuerst noch mehr Daten brauche: «Wait for lab work.»

Impfschutz – und andere Massnahmen gegen das Virus

Die Wirksamkeit der Vakzine gegen diese Virusvariante ist noch unklar. Experten befürchten, dass die Variante B.1.1.529 wegen ungewöhnlich vieler Mutationen nicht nur hoch ansteckend sei, sondern auch den Schutzschild der Impfstoffe leichter durchdringen könnte.

Der Impfstoff-Hersteller Biontech prüft, ob sein Corona-Vakzin auch gegen die neue, in Südafrika aufgetauchte Virusvariante wirkt: «Spätestens in zwei Wochen erwarten wir weiterführende Daten aus den Labortests», teilte Biontech am Freitag mit.

Diese Daten würden Aufschluss darüber geben, ob eine Anpassung des Impfstoffs erforderlich sei. Die Variante B.1.1.529 unterscheide sich deutlich von den bisher beobachteten Coronaviren. Biontech und sein US-Partner Pfizer hätten schon vor Monaten Vorbereitungen getroffen, um im Fall einer resistenten Variante den mRNA-Impfstoff innerhalb von sechs Wochen anzupassen und erste Chargen innerhalb von 100 Tagen auszuliefern.

Die Berner Epidemiologin Emma Hodcroft sagte in einem Interview mit den Online-Ausgaben der Tamedia-Zeitungen, über die Omikron-Variante gebe es noch wenige Daten. Die zahlreichen Mutationen an dem Virus könnten es dem Immunsystem erschweren, es zu erkennen. Allerdings seien das Laborergebnisse, und das Immunsystem sei zu kompliziert, um sich im Labor nachbilden zu lassen. Die Impfung bleibe aber in jedem Fall sinnvoll, sagte Hodcroft. Möglicherweise werde sie gegen die Omikron-Mutation weniger effektiv sein. Es sei aber unwahrscheinlich, dass sie komplett nutzlos werde.

Phaahla erklärte: Die neue Variante bestätige die «Tatsache, dass dieser unsichtbare Feind sehr unvorhersehbar ist». Phaahla betonte aber auch:

«Wir haben auch das zusätzliche Mittel der Impfungen, das uns helfen wird, schwere Erkrankungen zu vermeiden, einschliesslich, dass wir in Klinik enden oder sogar dem Virus zum Opfer fallen»

Zudem rief er die Südafrikaner auf, Masken zu tragen und Abstand zu halten.

Maske tragen (und Abstand halten).
Maske tragen (und Abstand halten).Bild: keystone

Reaktion der Börse

Der Wochenschluss am Schweizer Aktienmarkt fällt tiefrot aus. «Mitten in die vierte Corona-Welle hinein taucht eine neue Variante auf», heisst es in einem Marktkommentar. Die Variante aus Südafrika mit Namen B.1.1.529 drohe die in Europa vorherrschende Delta-Variante an Gefährlichkeit in den Schatten zu stellen. Sie weise schon jetzt mehr als 30 Mutationen auf und soll ersten Berichten zufolge deutlich ansteckender sein und den Impfschutz leichter durchdringen.

Die neue Virus-Variante trifft Europa in einer Zeit, in der die Inzidenzen und Hospitalisierungsraten ohnehin rasant ansteigen. Damit steige die Wahrscheinlichkeit für schärfere Massnahmen in den kommenden Wochen, was sich wiederum negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirken könnte.

Der Schweizer Leitindex SMI sackt gegen 09.20 Uhr um 2,22 Prozent ab auf 12'173,35 Punkte. Er schlägt sich damit aber deutlich besser als seine europäischen Pendants, was nicht zuletzt an seiner defensiven Ausrichtung liegt. So rutschen Indizes wie der deutsche DAX, der britische FTSE oder auch der französische CAC 40 zwischen 3,5 und 4,4 Prozent ab.

Auch in Asien hatten die Börsen teilweise mit deutlichen Abgaben reagiert. Der japanische Nikkei etwa verabschiedete sich mit einem Tagesverlust von 2,5 Prozent ins Wochenende.

Auf Aktienseite trifft dies vor allem jene Papiere aus stark exponierten Branchen, wie etwa Reise-Aktien oder auch die Uhrenhersteller.

Doch nicht nur die Aktenmärkte geraten ins Taumeln. Auch an den Devisen- und Rohstoffmärkten macht sich die Angst bemerkbar. Während sichere Häfen wie der Schweizer Franken und der japanische Yen gesucht sind, fallen die Preise für Rohöl aus Angst vor einer wirtschaftlichen Abkühlung zurück.

«Der Auslöser war die Nachricht von der Corona-Variante und die Ungewissheit darüber, was dies bedeutet»

Das sagte der Leiter der Devisenstrategie bei der National Australia Bank in Sydney, Ray Attrill. «Man reagiert zuerst und stellt später Fragen, wenn diese Art von Nachrichten aufkommt», so Attrill.

(jaw/yam/sda/dpa/reuters)

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