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Wildwuchs beim Contakt-Tracing – wie jeder Kanton vor sich hinwerkelt

Soldier of the Swiss army wearing protective face mask looking at Android and iOS (Google and Apple) smartphone during a test of a smart phone app using Decentralized Privacy-Preserving Proximity Trac ...
Contact Tracing mittels App: Eine landesweite Lösung ist noch nicht vorhanden.Bild: KEYSTONE

Wildwuchs beim Contact-Tracing – wie jeder Kanton vor sich hinwerkelt

Noch ist man ein Stück weit von der vom Bund ausgegebenen Zahl von 100 Fällen pro Tag entfernt, aber klar ist: Die Containment-Phase rückt immer näher. Die Kantone in der Deutschschweiz sind unterschiedlich darauf vorbereitet.
25.04.2020, 09:2825.04.2020, 16:04

181 positive Covid-Fälle zählte das BAG in den letzten 24 Stunden. «Die Tendenz ist nach wie vor sinkend – und das ist gut so», sagte Daniel Koch, Delegierter des BAG, an der gestrigen Pressekonferenz. Auch wenn man damit noch ein Stück weit von der vom Bund ausgegebenen Zahl von 100 Fällen entfernt ist: Die Containment-Phase rückt immer näher. Das heisst auch, dass das Bewegungs- und Kontaktverhalten von positiv getesteten Personen gezielt zurückverfolgt wird. Um die erneute Verbreitung des Coronavirus zu verhindern, ist eine minutiöse Nachforschung der Ansteckungskette erforderlich.

Bereits am Mittwoch forderte der Bund deshalb die Kantone auf, Massnahmen zu ergreifen, um das Social Tracing zu ermöglichen. Erste Kantone wurden von sich aus aktiv, Basel-Stadt etwa, das mit drei Vollzeitstellen die Kontaktketten abtelefoniert. Bern wiederum forderte vom Kanton ein wirksames Tool fürs Contact Tracing. Ein weiterer Augenschein bei den kantonalen Stellen in der Deutschschweiz zeigt: Jeder Kanton handhabt die Situation unterschiedlich.

Coronavirus

Nidwalden

«Wir sind seit Donnerstag parat», meldet der Nidwaldner Kantonsarzt Peter Gürber. Das Tracing Team ist innerhalb der kantonalen Corona-Helpline angesiedelt und wurde« innert kürzester Zeit» auf die Beine gestellt, wie Gürber sagt. Zwei Zivilschützer und eine Person vom Gesundheitsamt könnten bei einem positiven Fall die Rückverfolgung sicherstellen. Pro Tag finden in Nidwalden ungefähr sechs Abstriche statt, der letzte positive Fall datiere auf den 15. April. Die positiven Fälle werden in der Online-Plattform Sharepoint erfasst.

Obwalden

Die Promenade am Sarnersee in Sarnen im Kanton Obwalden ist fuer die Spaziergaenger und Radfahrer trotz der Corona-Pandemie weiterhin geoeffnet, am Samstag, 11. April 2020. (KEYSTONE/Urs Flueeler)
Bild: KEYSTONE

Der Nachbarkanton Obwalden werde am Montag das Tracing wieder aufnehmen, wie Kantonsarzt Mario Bütler am Telefon erklärt. Die Erfahrung sei vorhanden: «Wir haben bereits in der Anfangsphase des Coronavirus die Ketten verfolgt.» In der Mitigationsphase sei man dann davon abgekommen. Die Nachforschung der Ketten erfolge «ganz klassisch» – per Telefon. Obwalden zählt gemäss Bütler momentan «weniger als fünf Fälle» pro Woche. «Im Moment haben wir für das Social Tracing eine Mitarbeiterin vom Gesundheitsamt», das reiche, solange man nur die Intimkontakte zurückverfolge. Wenn der Bund allerdings übergeht zum erweiterten Tracing, müsse man aufstocken. Kapazitäten seien dafür vorhanden, sagt Kantonsarzt Bütler.

Im Gegensatz zum Nachbarkanton verzichtet man auf den Einsatz von ungeübtem Personal. «Die reine Befragung könnte zwar von Zivilschützern durchgeführt werden.» Die Erfahrung habe aber gezeigt, dass daraufhin oftmals medizinische Nachfragen folgen, die von Fachpersonal beantwortet werden müssten.

Luzern

Kantonsarzt Luzern, Roger Harstall anlaesslich einer Medienkonferenz und Medienfuehrung auf der Isolierungsstation des Kantonsspital Luzern zum Coronaviruns im Kanton Luzern vom Donnerstag, 5. Maerz 2 ...
Roger Harstall.Bild: KEYSTONE

Der Luzerner Kantonsarzt Roger Harstall schreibt auf Anfrage: «Die Dienststelle Gesundheit und Sport des Kantons Luzern hat bereits zu Beginn der Pandemie ein Contact Tracing durchgeführt mit den bestehenden dienststelleneigenen Ressourcen und der Unterstützung des Zivilschutzes.»

Aufgrund der derzeitigen Fallzahlen sei dies aktuell nicht möglich – das Contact Tracing sei «extrem ressourcenintensiv», so Harstall weiter. Die Wiedereinführung werde derzeit «in Anlehnung an die Bundesratsstrategie» geplant und orientiere sich an den Eckpfeilern, die dieser definiert hat.

Der Kantonsarzt geht davon aus, dass ein Contact Tracing in grossem Stil erst ab Mitte Mai aufgenommen werde. Ein Contact Tracing Light sollte aber bereits im Laufe der nächsten Woche eingeführt werden können.

Hinsichtlich des Einsatzes einer Software-Lösung und einer App hat sich Luzern noch nicht festgelegt: Favorisiert werden «landesweit einheitliche bzw. kompatible Lösungen». Parallel prüfe man auch die Zusammenarbeit mit externen Partnern.

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St.Gallen

epa08381434 A person wearing protective face mask shows the smart phone app using Decentralized Privacy-Preserving Proximity Tracing (DP-3T) during a test with Swiss soldiers at the Swiss Federal Inst ...
Bild: EPA

Daniel Sturzenegger, Stellvertretender Leiter Abteilung Bevölkerungsschutz erklärt am Telefon, wie sein Kanton das Contact Tracing organisiert:

«Seit Beginn der Pandemie findet ein Contact Tracing statt: zuerst zentralisiert, dann dezentral via die Hausärzte, zukünftig wieder zentralisiert auf Kantonsstufe.» Die Rückverfolgung geschehe primär durch telefonische Anfragen, sagt Sturzenegger. «Zuständig dafür ist eine speziell ausgebildete Task-Force, die aus einer Gruppe von Personen aus dem Gesundheitsbereich besteht.»

Wie viele Stellen dafür eingeplant sind, kann Sturzenegger nicht sagen: «Mit der Öffnung der Tests wird es einen Anstieg geben. Dann muss man sich anpassen.» Man könne aber auf einen «Pool an ausgebildeten Leuten» zurückgreifen.

Auch St.Gallen prüft laut Sturzenegger den Einsatz einer App. Man habe dafür beim Bund sein Interesse signalisiert und sich als Pilotkanton angeboten.

Solothurn

Auch der Kanton Solothurn hat das Contact Tracing nie gänzlich aufgegeben, wie die Medienstelle auf Anfrage schreibt. Während in den vergangenen Wochen die Kontaktabklärungen vermehrt bei den behandelnden Ärztinnen und Ärzte an den Spitälern und in der Grundversorgung lag, bereite man sich nun auf ein intensiveres Contact Tracing durch den kantonsärztlichen Dienst vor.

Dabei greife der Kanton auf die Erfahrungen bei anderen Infektionskranktheiten zurück: «Kontaktabklärungen oder Umgebungsuntersuchungen sind integraler Bestandteil unserer kantonsärztlichen Tätigkeit, wie wir dies auch bei anderen Infektionskrankheiten wie Masern und Tuberkulose handhaben».

Thurgau

Der Kanton Thurgau schreibt auf Anfrage, man werde «in den nächsten Tagen» zum Thema informieren.

Aargau

Mitarbeiter des Zivilschutzes verteilen unentgeltlich die 200 000 Schutzmasken an Unternehmen und Betriebe, die ab Montag wieder oeffnen koennen, aufgenommen am Freitag, 24. April 2020 in Baden. (KEYS ...
Bild: KEYSTONE

Derzeit erfolgt im Kanton Aargau der Aufbau eines Contact Tracing Centers (CTC) durch den kantonalen Führungsstab in Zusammenarbeit mit dem kantonsärztlichen Dienst. Details könne man aktuell noch nicht bekannt geben, schreibt die Kommunikationsabteilung des Departement Gesundheit und Soziales.

Nicht reagiert auf die Anfrage haben die Kantone Zürich, Glarus und Basel-Land.

Update: Zürich

Die Zürcher Kantonsärztin Christiane Meier sagt laut einem Bericht des «Tages-Anzeigers», sie könne relativ schnell geübte Contact-Tracer aus der Verwaltung und von Partnerorganisationen mobilisieren. Geplant sei die Aufstockung auf bis zu 200 Personen. (dhr)

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