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Schweiz
Coronavirus

Coronavirus Schweiz: Bund schiebt Contact-Tracing auf Kantone ab

Neu sollen alle Patientinnen und Patienten mit Symptomen auf Covid-19 getestet werden.(Archivbild)
Die Corona-Infektionsketten sollen wieder nachverfolgt werden. Gefragt sind jetzt die Kantonsärzte.Bild: KEYSTONE

Kantone beginnen mit lokalem Contact Tracing – und finden erste Ansteckungsquellen

Sinken die Neuinfektionen mit dem Coronavirus weiter, sollen die Infektionsketten telefonisch wieder nachverfolgt werden. Der Bund hat die Kantone gebeten, das Contact Tracing wieder aufzunehmen. Einige haben bereits damit begonnen – und stellen nun Forderungen ihrerseits.
23.04.2020, 09:3424.04.2020, 05:51
Helene Obrist
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Als klar wurde, dass die Schweiz vom Coronavirus nicht verschont bleibt, versuchten die Kantone die Ansteckungswege noch zu verfolgen. Doch diese Detektivarbeit wurde bald aufgegeben. Zu hoch waren die Neuansteckungen pro Tag, zu unübersichtlich das Tracing. Doch nun, da sich die Kurve weiter abflacht (Dienstag: 119 Neuinfektionen, Mittwoch: 205 Neuinfektionen), sollen die Infektionsketten baldmöglichst wieder nachverfolgt werden.

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Gesundheitsminister Alain Berset und Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) setzen die Marke bei 100 Neuinfektionen pro Tag. Sinkt die Zahl unter 100, soll das Contact Tracing wieder aufgenommen werden. Dabei setzt der Bund zuallererst auf die Unterstützung der Kantone, nicht auf eine App-Lösung. «Keine App kann das Social Tracing der Kantone ersetzen. In einer späteren Phase wird eine App ein gutes Instrument als Zusatz sein», so Berset an der Medienkonferenz vom Mittwoch.

Berset sagte auch, dass die Kantone nun genügend Zeit gehabt hätten, sich auf das Tracing vorzubereiten. Ein Augenschein zeigt jedoch, dass die Unterschiede zwischen den Kantonen gross sind. Während einige bereits damit angefangen haben, befinden sich andere erst im Aufbau.

Bern Wirkungsvolles Tool gefordert

Das Berner Kantonsarztamt beginne in diesen Tagen in Absprache mit dem BAG wieder mit dem Contact Tracing, heisst es auf Anfrage. Personen im engeren Umfeld von positiv getesteten Coronafällen werden dann telefonisch kontaktiert.

Man stehe jedoch erst am Anfang: «Es ist für Bund und Kantone eine grosse Herausforderung, in den engen Fristen alle notwendigen Schritte zu planen und umzusetzen», sagt Kantonsärztin Linda Nartey. Mehr Mittel zum Tracen benötige man nicht. «Wir brauchen nicht mehr Geld, sondern ein möglichst sofort einsetzbares und wirkungsvolles Tool.»

«Es ist für Bund und Kantone eine grosse Herausforderung, in den engen Fristen alle notwendigen Schritte zu planen und umzusetzen.»
Linda Nartey, Kantonsärztin Bern

Ob es sinnvoll ist, das Contact Tracing separat in den einzelnen Kantonen durchzuführen, ist für Nartey zweitrangig. Wichtig sei vor allem, dass es jetzt schnell gehe und dass das BAG den Kantonen eine gemeinsame Lösung für ein Tool vorschlägt.

Basel Persönlicher Kontakt anstatt App-Lösung

Im Kanton Basel-Stadt, der am 20. April noch eine Neuinfizierung meldete, ist das Tracing bereits in vollem Gange. Mit drei Vollzeitstellen wird versucht, den Infektionswegen auf die Schliche zu kommen. «Pro positiv getesteten Person gehen wir zur Zeit von drei bis fünf weiteren Telefonaten aus, die nötig sind, um die Kontaktpersonen mit abzudecken», sagt Kantonsarzt Thomas Steffen.

«Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass der persönliche Kontakt ungemein geschätzt wird. Dieser kann kaum durch eine App ersetzt werden.»
Rudolf Hauri, Kantonsarzt Zug

Ansteckungsquellen im Kanton Basel-Stadt seien vor allem Familien, Heime und Spitäler. «Weniger bei der Arbeit und im Moment sehr selten in der Freizeit oder beim Reisen», so Steffen. Im Gegensatz zu Bern bevorzugt man den direkten Kontakt mit den Menschen. «Eine Informationsapp wäre sicher sinnvoll. Das lokale Contact Tracing ist aber sehr nahe an der Praxis und wir können so die Personen enger betreuen.»

Zug Gelernt von Tuberkulose-Abklärungen

Ähnlich klingt es im Kanton Zug. «Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass der persönliche Kontakt ungemein geschätzt wird. Dieser kann kaum durch eine App ersetzt werden», sagt Kantonsarzt Rudolf Hauri.

In Zug arbeiten derzeit 14 Mitarbeitende der Lungenliga Zentralschweiz als Tracerinnen und Tracer. «Wir rufen die sogenannten Indexpatienten an und erkundigen uns nach den Personen, mit denen sie Kontakt hatten», erklärt Brigitta Arnold von der Lungenliga Zentralschweiz. Beim Erstkontakt könne das Telefongespräch bis zu einer Stunde dauern. «Es gibt viele Unsicherheiten und Fragen, die wir versuchen mit den Patienten zu klären», so Arnold.

Die Lugenliga ist bestens mit den Abläufen des Contact Tracings bekannt. Denn auch bei Tuberkulosepatienten wird dieses durchgeführt. Know-how und Unterstützung biete man deshalb nicht nur im Kanton Zug. «Es sind auch andere Kantone mit uns im Kontakt und es wird sich klären, ob das Tracing ausgebaut werden kann», informiert die stellvertretende Geschäftsleiterin Carmen Wicki.

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44 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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DARTH OLAF
23.04.2020 10:28registriert August 2018
Hab ich was verpasst, oder finde ich im Artikel nichts über die Ansteckungsquellen?
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pun
23.04.2020 10:52registriert Februar 2014
Ziemlich irre, wie manche Kantone - der Berner Kantonsarzt ist sicher nicht alleine - einfach die Verantwortung auf das BAG für ein "Tool" abschieben. In den meisten Kantonen der Deutschschweiz waren die Neuinfektionen während der ganzen Pandemie so gering, dass ein paar hundert Stellenprozente pro Kanton das Tracing hätten übernehmen können. Mir scheint, es fehlt vielfach an Kreativität oder Entscheidungskompetenz. Wie viel medizinisches Personal in den Privatspitälern ist auf Kurzarbeit? Diese Leute hätte man locker rekrutieren können. (Sorry für den Rant.)
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pun
23.04.2020 11:12registriert Februar 2014
Die meisten Kantone hatten seit Beginn der Pandemie unter 1000 bestätigte Fälle, die Hälfte unter 500. Warum haben diese Kantone nicht beständig das contact tracing weitergepflegt, wie es der Kanton Basel-Stadt offenbar getan hat? Nur schon mit eigenem Personal (diejenigen, die zum Beispiel von März bis Juni keine Aufenthaltsgenehmigungs-Anträge mehr bearbeiten und sich Arbeiten mit sensiblen Daten gewöhnt sind) hätte ja auch mehr als genug Personal zur Verfügung gestanden, nicht?
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