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Anwärter auf den Erfinderpreis: Der Schweizer KI-Unternehmer Eleftheriou

Evangelos Eleftheriou entwickelt mit Axelera energie- und kostensparende Halbleiter für KI-Anwendungen.
Evangelos Eleftheriou entwickelt mit Axelera energie- und kostensparende Halbleiter für KI-Anwendungen.Bild: zvg

Er ist ein typischer Schweizer und surft ganz oben auf der KI-Welle

Der Neo-Unternehmer Evangelos Eleftheriou ist Ko-Gründer des grössten Halbleiterentwicklers in Europa. Im Juli könnte er den Europäischen Erfinderpreis gewinnen.
25.06.2026, 02:5925.06.2026, 02:59
Daniel Zulauf
Daniel Zulauf

Evangelos Eleftheriou ist ein typischer Schweizer – in gewisser Weise. Der gebürtige Grieche erwarb 1979 an der Universität Patras das Diplom als Elektroingenieur. Danach ging er nach Kanada, um zu promovieren. Seit 1986 lebt er in der Schweiz. Das IBM Forschungslabor in Rüschlikon hat ihn hierhergebracht. Er ist dort in 35 jähriger Tätigkeit zu einem renommierten Spezialisten für Speichersysteme geworden.

Leute wie Evangelos Eleftheriou folgen den Spuren einer Hightech-Industrie, und sie werden dort sesshaft, wo sie ihre Fähigkeiten am besten zur Geltung bringen können. Die Eleftherious haben zwei erwachsene Töchter, welche die hiesigen Schulen absolviert und mit Schweizerdeutsch aufgewachsen sind, wie der Vater sagt. Selbst spricht er aber immer noch lieber Englisch als Deutsch.

Grenzenlose Welt

Englisch ist eben die Lingua franca einer grenzenlosen Welt, in der sich Individuen mit besonderen Fähigkeiten aus allen Himmelsrichtungen mit Dingen beschäftigen, die mehr mit Wissenschaft als mit herkömmlicher Technik zu tun haben. Es ist die Welt der Technologie, der Wissenschaft der Technik. Im Alter von 71 Jahren bewegt sich Evangelos Eleftheriou in dieser Welt immer noch so geschmeidig wie ein Fisch im Wasser.

Vor fünf Jahren hat er sich als Co-Gründer des Halbleiterentwicklers Axelera selbstständig gemacht. Das Unternehmen zählt rund 280 Mitarbeitende, verteilt auf zwölf Länder in Europa. Jetzt stehen sie und ihr «Chief Technology Officer» mit ihrer selbst entwickelten, energie- und kosteneffizienten Speichertechnologie mittendrin im atemberaubenden KI-Boom, der gerade die Welt verändert.

Evangelos Eleftheriou im Elektroniklabor von Axelera in Zürich Wollishofen.
Evangelos Eleftheriou im Elektroniklabor von Axelera in Zürich Wollishofen.Bild: zvg

Die Halbleiter von Axelera lösen oder vermindern wenigstens ein Problem, das mit dem immensen KI-getriebenen Wachstum der Datenmengen gigantische Ausmasse angenommen hat. Selbst eine einfache KI-Abfrage führt dazu, dass in einem Computer Unmengen von Daten aus dem Arbeitsspeicher zum Prozessor und zurück verschoben werden müssen, damit ein paar wenige Rechenoperationen ausgeführt werden können.

Die Verarbeitung immenser Datenberge, die in der Sprache der Informatiker Hunderte von Gigabytes hoch sein können, ist unvermeidlich, wenn es darum geht, Computern das Lesen und Verstehen von Bildern oder von Sprache beizubringen. Die Maschine soll lernen, wiederkehrende Muster viel schneller und meistens auch zuverlässiger als Menschen zu erkennen und auszuwerten.

Hier spielt die Musik

Die Idee, dass Halbleiter in einem Arbeitsspeicher nicht nur Daten ordnen, sondern auch rechnen könnten, ist zwar nicht neu. Relevant wurde sie aber erst mit der Ausbreitung von KI-Systemen, die mit enormem Aufwand versuchen, die Funktionsweise eines menschlichen Gehirns nachzuahmen.

Ähnlich wie bei den Synapsen in einem menschlichen neuronalen Netzwerk muss auch in einem KI-System jedes Signal auf seine Bedeutung geprüft und mit übergeordneten Hinweisen kombiniert und abgeglichen werden. Am Ende soll eine Aussage mit einer ausreichend hohen Wahrscheinlichkeit resultieren. Zum Beispiel: Das Tier mit dem langen Hals und dem gepunkteten Fell ist eine Giraffe.

Ein Mensch benötigt für seine immensen Hirnleistungen rund 3000 Kilokalorien pro Tag. Ein Computer für eine nicht einmal annähernd so grosse Leistung Unmengen an elektrischer Energie.

Axelara adressiert das Problem der Datenschieberei, das nebst dem Energieverschleiss auch die Antwortzeiten des Computers verzögert und hohe Kosten verursacht. «Computing in Memory», rechnen im Arbeitsspeicher, ist aktuell eines der heissesten Themen im KI-Boom. Samsung Electronics, Micron Electronics und Sk Hynix gehören zu den weltweit führenden Speicherherstellern und zählen zu den wertvollsten Unternehmen der Halbleiterindustrie.

Die Halbleiter von Axelera sind eine Ergänzung zu den Systemen der drei Giganten und das Produkt, das aussieht wie eine Grafikkarte in der Grösse einer TV-Fernbedienung. Es kann in alle üblichen PC-Peripheriegeräte eingesteckt werden und ist seit einem Jahr im Handel. Die Systeme seien bei über 500 Kunden im Betrieb, sagt Evangelos Eleftheriou. Es sind ausschliesslich industrielle Kunden, die Systeme zur Bilderkennung und Bildverarbeitung anwenden.

Europäisches Vorzeige-Start-up

Axelera hat seit der Gründung rund 400 Millionen Euro eingesammelt. Die letzte Finanzierungsrunde über 200 Millionen Euro fand im Februar unter anderem mithilfe des Verntur-Fonds des European Investment Councils. Der EIC fördert mit Mitteln der EU-Kommission besonders vielversprechende Unternehmen, die geeignet sind, die europäische Wirtschaft wettbewerbsfähiger und in gewissen Schlüsselbereichen unabhängiger zu machen.

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Die Halbleiter von Axelera sind eine Ergänzung zu den Systemen der drei Giganten Samsung Electronics, Micron Electronics und Sk Hynix.Bild: keystone

«Wir sind knapp fünf Jahre alt und bereits der grösste unabhängige Halbleiterhersteller Europas», sagt Evangelos Eleftheriou mit Stolz, aber auch mit einem Unterton von Besorgnis. Tatsächlich weist Europa in diesem Gebiet eine eklatante Schwäche auf, wie es auch der frühere EZB-Präsident Mario Draghi vor zwei Jahren in seinem Bericht über die europäische Wettbewerbsfähigkeit festgestellt hatte.

Draghi hatte unter anderem Massnahmen zur Beschleunigung der Firmenförderung mit grösseren Mitteln empfohlen. Anfang Juni hat die EU-Kommission eine Neuauflage des europäischen Chips-Gesetzes vorgestellt, das die Schliessung technologischer Lücken zum Ziel hat.

Nominiert für den Erfinderpreis

Evangelos Eleftheriou, der in seiner Zeit bei IBM in Rüschlikon viel über effizientere Methoden der Magnetspeichertechnologie geforscht und mehr als 160 Patente angemeldet hat, ist mit seiner Axelera nun offensichtlich im richtigen Moment am richtigen Ort angekommen. Der reife Neo-Unternehmer ist für den diesjährigen Europäischen Erfinderpreis in der Kategorie Industrie nominiert, den das Europäische Patentamt am 2. Juli in Berlin verliehen wird.

(schweizheute.ch)

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