KI-Boom sorgt für Milliardengeschäft – so viele Datenzentren gibt es in der Schweiz
In Glattbrugg bei Opfikon ging diese Woche der Spatenstich für ein neues Datenzentrum namens «ZUR4» über die Bühne. Bei Fertigstellung wird es das grösste Rechenzentrum der Schweiz sein. Gebaut wird das Gebäude von einer US-Firma, wie die meisten Datenzentren in der Schweiz.
Gerade Standorte im Kanton Zürich sind für KI- und Serverinfrastruktur beliebt. Nach dem Datenportal Datacentermap stehen rund um Zürich etwa 30 Prozent aller Rechenzentren der Schweiz.
Heute gibt es in der Schweiz etwa 117 grosse Datenzentren. Ein signifikanter Teil davon ist wohl in den letzten fünf Jahren in Betrieb genommen worden. Darauf lässt ein Bericht des Bundesamts für Verkehr zum Stromverbrauch von Rechenzentren schliessen. Zwischen 2019 und Frühling 2026 ist der Energieverbrauch der Datenzentren von 1,77 auf 2,1 Terawattstunden angestiegen. Also eine Zunahme von 20 Prozent innerhalb von nur sechs Jahren. Bis 2030 werden voraussichtlich nochmals 1,1 Terawattstunden dazu kommen, was beinahe einer Verdoppelung seit 2019 bedeuten würde. Bereits heute ist die Schweiz schon in den globalen Top 20 der Staaten mit den meisten Datenzentren.
Allerdings unbestritten auf dem ersten Platz liegt die USA – mit 3960 Zentren stehen dort etwa so viele, wie die nächsten 15 Länder auf der Liste zusammengezählt auswesien. Gleichzeitig bauen US-Firmen wie Amazon, Equinix oder Digital Reality die grosse Mehrheit der Datenzentren weltweit. Letztere baut beispielsweise das neue Rechenzentrum in Glattbrugg.
Das KI-Gaspedal
Der Bau von Datenzentren hat sich in den letzten 10 Jahren weltweit mehr als vervierfacht. Spezifisch in Nordamerika, Asien und Europa sind die Investitionen gerade für KI-Infrastruktur enorm. Weltweit sind heute rund 10'812 grosse Rechenzentren in Betrieb und es gibt keinen Anzeichen, dass dieser Anstieg stoppen wird – im Gegenteil.
Gerade in den USA erleben die Zentren einen fast uneingeschränkten Boom und die schiere Grösse der einzelnen Projekte hat enorme Ausmasse angenommen. Meta beispielsweise hat 2024 im Bundesstaat Louisiana auf einer Fläche von über 371'600 Quadratmetern mit dem Bau des Hyperion begonnen, dem grössten Datenzentrum der Welt. Das entspricht einem fünftel der Fläche von Manhattan, wie Meta-Boss Mark Zuckerberg stolz mit diesem Bild auf Social Media verkündete.
Milliarden-Investition
Doch enorm ist nicht nur die Grösse der Datenzentren, sondern auch der Preis. Das Hyperion in Louisiana kostet Meta rund 50 Milliarden US-Dollar. Dabei umwerben die US-Staaten die grossen Tech-Konzerne mit grosszügigen Steuerbegünstigungen, um auch etwas vom KI-Boom abzubekommen. Eine Studie der Beratungsfirma McKinsey schätzt, dass die Investitionen bis 2030 auf 7 Billionen US-Dollar ansteigen werden.
Das Kapital der Techkonzerne die weiterhin aus dem KI-Boom Profit schlagen wollen, ist zwar da, aber McKinsey warnt in der Studie auch, dass es zu massiven Engpässen bei der Energiezufuhr führen wird.
Der massiv hohe Energieaufwand der Datenzentren ist ein Problem für die Standorte. In Schaffhausen dürfte der Strombedarf des gesamten Kantons um 70 Prozent ansteigen, sobald das Datenzentrum in der Gemeinde Beringen in Betrieb genommen wird.
Der stetige Ausbau digitaler Infrastrukturen steht dabei der Energiewende im Weg. Bis 2030 soll die Schweiz nach dem Energiegesetz 2100 Gigawattstunden zusätzlichen Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugen. Gleichzeitig nimmt der Bund aber an, dass der Verbrauch von neuen Datenzentren im gleichen Zeitraum um über 4000 Gigawattstunden zunehmen wird.
