Warum du diese betrügerische WhatsApp-Nachricht nicht lesen solltest
Betrüger kennen kein Sommerloch. Abermals werden Schweizerinnen und Schweizer mit Betrugsversuchen im Namen von Prominenten belästigt – die neuste Welle schwappt via WhatsApp aufs Smartphone. Wie bei früheren Betrugswellen nutzen die Täter ein Foto von Bundesrätin Karin Keller-Sutter als Lockvogel.
In den WhatsApp-Nachrichten von unbekannten, ausländischen Nummern heisst es beispielsweise: «Skandal in Bern: Ein anonymer Fotograf erwischt Karin Keller in dem Moment, als die Wahrheit ans Licht kam.»
So sehen die betrügerischen Nachrichten aus.
Wer aus Neugier auf den Link «Leak öffnen» tippt, landet auf einer Fake-Webseite der Bundesverwaltung. Die Fälschung ist an der URL gut erkennbar, aber WhatsApp selbst verleitet zum Öffnen der Webseite und meldet: «Du kannst diese Unternehmenswebseite bedenkenlos aufrufen.»
Laut WhatsApp ist die Betrugsseite harmlos …
Auf der gefälschten Webseite des Bundes werben die Kriminellen im Namen von Christoph Blocher für eine betrügerische, angeblich vom Bund mitentwickelte Investitionsplattform, die hohe Gewinne verspricht.
So sieht die Betrugs-Webseite aus:
Die Kriminellen nutzen Blochers Bekanntheit, um für ein vermeintlich neues Programm der Regierung zu werben, das jedem Bürger «innerhalb von 24 Stunden nach der Registrierung ein garantiertes Einkommen von 1.000 CHF pro Tag» ermögliche.
Die Kriminellen schreiben auf der Fake-Seite der Bundesverwaltung:
Die Kriminellen versprechen mit der angeblichen Investitionsplattform «ein durchschnittliches Einkommen von 40.000 CHF» im ersten Monat. Um Seriosität vorzugaukeln, wird behauptet, die Online-Plattform EthAMG 2.6 unterliege «der Aufsicht der Schweizerischen Nationalbank sowie der FINMA.» Und weiter: «Alle Einlagen sind durch das Schweizer Einlagensicherungssystem geschützt.»
Natürlich gibt es diese offizielle, staatliche Investitionsplattform nicht. Natürlich hat Blocher nie dafür geworben. Und natürlich haben weder SNB noch FINMA irgendetwas damit zu tun. Wer einzahlt, verliert sein Geld.
Worum geht es wirklich?
Effektiv handelt es sich um Werbung «für eine betrügerische Investment-Seite», warnte das Eidgenössische Finanzdepartement vor zwei Jahren bei einer ähnlichen Betrugsmasche. Damals nutzten die Kriminellen gefälschte Werbeanzeigen in den sozialen Medien mit Fotos von Keller-Sutter und anderen prominenten Schweizern. Diese Fake-Werbung war oft in Form eines Interviews gestaltet, wahlweise getarnt als Artikel von «Blick» oder «20Minuten».
«Diese betrügerischen Artikel werden über E-Mail, Social-Media und Werbenetzwerke verbreitet», warnte das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) zuletzt Anfang Juli. Aktuell wird die Betrugsmasche auch wieder über WhatsApp gestreut.
Seit mehreren Jahren existieren zahlreiche Varianten dieses Anlagebetrugs. «Gemeinsam ist allen, dass sie behaupten, mit geringen Investitionen könne in kurzer Zeit und ohne Arbeit ein grosser Gewinn erwirtschaftet werden», schreibt das BACS. Vor Jahresfrist tauchten etwa KI-erzeugte Deepfake-Videos mit gefälschten Aussagen von Karin Keller-Sutter, Roger Federer oder SRF-Moderatorin Mona Vetsch auf, die vermeintlich für solche Anlageplattformen warben. Auch deshalb zählte Online-Anlagebetrug bereits 2025 als schnellst wachsende Form der Cyberkriminalität in der Schweiz.
Laut dem Konsumentenmagazin «Beobachter» verlor ein Schweizer Geschäftsmann über 250’000 Franken, nachdem er sich auf der beworbenen Kryptoplattform registriert hatte. Das SRF berichtete im April über einen Mann, der durch Online-Anlagebetrug rund 100'000 Franken verlor. Tatsächlich dürfte der jährliche Schaden durch betrügerische Investment-Plattformen in der Schweiz bei weit über 100 Millionen Franken liegen. Die Dunkelziffer ist gross.
Auch bei der via WhatsApp laufenden Kontaktaufnahme werden die Opfer aufgefordert, sich auf der Fake-Webseite des Bundes für das angeblich sichere Investment zu registrieren. Mit 200 Franken wird die Einstiegshürde bewusst niedrig gehalten. Doch dann beginnt der Psychoterror:
Die Täter sind psychologisch geschult, sie bauen oft über Monate ein Vertrauensverhältnis zu ihren Opfern auf. Diese werden zunächst von einem Anlageberater aufgefordert, ein Konto bei einer Kryptobörse mit ihrem Namen und Identifikationsdokumenten zu eröffnen. «Mittels manipulierter Börsenkurssoftware wird eine stetige Zunahme des Anlagekapitals vorgetäuscht, was natürlich zu immer weiteren Investitionen motivieren soll», erklärt die Kantonspolizei Zürich das Vorgehen der Kriminellen auf der Webseite cybercrimepolice.ch. In einigen Fällen würden die Betrüger sogar kleinere Beträge auszahlen, um das Vertrauen zu stärken.
Wollen die Geschädigten aber einen grösseren Teil der vermeintlichen Gewinne abheben, werden sie vom Anlageberater mit fadenscheinigen Vorwänden hingehalten. Das Geld ist weg. Schlussendlich kann dies ganze Familien zerstören.
Achtung vor dem Betrug nach dem Betrug
Teils Monate oder Jahre nach dem Betrug melden sich Firmen oder Anwälte bei den Geschädigten, die angeblich das verlorene Geld zurückholen wollen. Diese Masche nennt sich «Fake Recovery Scam». Hierbei werden die im vorangegangenen Anlagebetrug geführten Kundenakten weitergegeben. Wer den vermeintlichen Helfern eine Gebühr für die Rückholung bezahlt, wird erneut ausgenommen.
Wer steckt dahinter?
Hinter den immer neuen Investitionsplattformen stecken internationale, professionelle Betrugsnetzwerke. SRF und RTS konnten eine Firma mit Sitz in Südafrika aufspüren, die offenbar zahlreiche dieser Plattformen betreibt. Der SWR berichtete bereits 2024, dass die Täter mit ihren Callcentern in Ländern wie Georgien, der Ukraine, Israel, Serbien oder Bulgarien sitzen. Sie betreiben hunderte solcher Plattformen.
Klar ist: Die gefälschten Promi-Inhalte tauchen nicht nur in klassischer Online-Werbung auf. Sie verbreiten sich auch über Messenger-Dienste wie WhatsApp und Telegram sowie Videoplattformen wie TikTok und YouTube.
Wie soll man reagieren?
Das Bundesamt für Cybersicherheit rät, solche betrügerischen Inhalte bei der Plattform, auf der sie veröffentlicht worden sind, zu melden. «Dies ist der schnellste Weg, um die Inhalte entfernen zu lassen.»
Zudem solle man im Zweifel auf der Seite der Finanzmarktaufsicht (FINMA) prüfen, ob der Finanzdienstleister bewilligt ist. Um vor verdächtigen Onlineplattformen zu warnen, stellt Cybercrimepolice.ch ausserdem eine nicht abschliessende Warnliste bereit.
Wer bereits einen finanziellen Schaden erlitten hat, sollte umgehend Strafanzeige erstatten.
