Schweiz
Digital

Ständerat: Schweiz braucht eine breite «Kinderporno»-Meldepflicht

Polizei Ermittlungen im Internet / Pädokriminalität (Symbolbild)
Polizeiliche Ermittler gegen Pädokriminalität sind auf Hinweise angewiesen.Bild: imago-images.de

Die Schweiz braucht eine generelle «Kinderporno»-Meldepflicht, findet der Ständerat

Die kleine Kammer des Parlaments will wirksamer gegen die Verbreitung von Missbrauchsmaterial im Internet vorgehen. Vom Bundesrat wird eine gesetzliche Meldepflicht für Techfirmen verlangt.
11.12.2025, 12:4911.12.2025, 14:45

Der Ständerat hat am Donnerstag eine Motion von Nationalrätin Christine Bulliard-Marbach (Mitte/FR) angenommen, den entsprechenden Text aber abgeändert.

Aus Sicht der Mehrheit der kleinen Parlamentskammer ist eine generelle Meldepflicht notwendig. Darüber muss nun noch einmal der Nationalrat entscheiden.

Wer ist betroffen?

Gemäss dem Änderungsvorschlag sollen künftig alle Intermediäre und technischen Dienstleister – insbesondere Hosting- und Cloud-Anbieter sowie Kommunikations- und Content-Sharing-Plattformen –, die ihren Sitz in der Schweiz haben oder ihre Dienste hierzulande anbieten, einer «Kinderporno»-Meldepflicht unterstellt sein.

Die verantwortlichen Unternehmen sollen den zuständigen Behörden Verdachtsfälle von sexuellem Missbrauchsmaterial melden müssen, die sie im Rahmen ihrer Tätigkeit in der Schweiz feststellen.

Wo ist das Problem?

2023 zeigte eine Analyse der Internet Watch Foundation (IWF) auf, dass die Schweiz bezüglich des Hostings von «Kinderpornografie» weltweit auf dem vierten Rang lag. In der EU sind Internetdienste bereits gesetzlich verpflichtet, rechtswidrige Inhalte zu sperren oder zu entfernen, sobald sie davon Kenntnis haben.

In der Schweiz hat die betroffene Techbranche Verhaltensgrundsätze im Umgang mit unzulässigen Inhalten definiert, die sich teilweise an Regulierungen in den USA und der EU orientieren. Ein Gesetz sei aber unerlässlich, lautet der Tenor aus dem Parlament.

Darum ist «Kinderpornografie» ein irreführender Begriff

Bei «Pornografie» denken viele an einvernehmliche sexuelle Darstellungen von Erwachsenen. Bei sexuellen Handlungen mit Kindern kann es aber nie Einvernehmlichkeit geben – es handelt sich immer um Missbrauch.

Im englischen Sprachraum ist die Abkürzung CSAM (Child Sexual Abuse Material) verbreitet, was mit «Darstellungen des sexuellen Missbrauchs von Kindern» übersetzt werden kann. Dieser Begriff umfasst alle visuellen Darstellungen, in denen eine minderjährige Person an sexuellen Handlungen beteiligt ist, «einschliesslich, aber nicht beschränkt auf Fotos, Videos und computergenerierte Bilder», wie es etwa Google treffend beschreibt.

Internationale Organisationen, darunter viele NGOs, aber auch die Polizeibehörde Interpol, empfehlen inzwischen, «CSAM» oder «Material über sexuellen Kindesmissbrauch» zu verwenden.

Wenn Medien, Politik, sowie Polizei und Justiz übereinstimmend diese Begriffe verwenden, statt Kinderpornografie, wird damit deutlich, dass es sich nicht um sexuelle Präferenzen handelt, sondern um Gewaltverbrechen. Wer solche Taten aufnimmt, mit Dritten teilt oder im Internet weiterverbreitet, macht sich ebenfalls strafbar.

Quellen

(dsc/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Colonia Dignidad – das vermeintliche deutsche Idyll in Chile
1 / 37
Colonia Dignidad – das vermeintliche deutsche Idyll in Chile
Die ehemalige Colonia Dignidad, heute «Villa Baviera». Die von dem deutschen Sektenchef Paul Schäfer gegründete Siedlung liegt rund 340 Kilometer südlich der chilenischen Hauptstadt Santiago.
quelle: x01744 / © ivan alvarado / reuters
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Kinder, Hobbysportler und Schnee = Skifails!
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
5 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
5
E-Autos in der Schweiz: Zwei Hersteller fahren allen davon
Elektroautos werden in der Schweiz beliebter und chinesische Automarken erobern rasch Marktanteile. Doch in zahlreichen europäischen Ländern vollzieht sich der Wandel zur E-Mobilität weit schneller.
Im Juli kamen fast 5000 neue E-Autos auf Schweizer Strassen. Das sind 26 Prozent aller neu zugelassenen Personenwagen. Seit Anfang Jahr ist ebenfalls fast jede vierte Neuzulassung ein Stromer, ein Plus von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Nach einem Tesla-Zwischenhoch im Juni dominierte im Juli erneut Skoda die E-Auto-Neuzulassungen in der Schweiz; dahinter lieferten sich BMW, Mercedes, Volvo und VW ein enges Rennen um die Podestplätze. Der chinesische E-Auto-Gigant BYD rückte auf Rang 6 vor und liess bekannte Namen wie Audi und Renault hinter sich.
Zur Story