Schweiz
Drogen

In Basel geht ein Kokain-Deal komplett schief: Szenen wie aus einem Film

Beim Kokaindeal ging alles schief: Kein Geld, zwei Schwerverletzte und sechs Angeklagte

Ein Kokain-Deal ist in Basler Privatwohnung ausgeartet. Wegen einer blutigen Messerstecherei kurz vor Weihnachten 2017 müssen sich zwei junge Innerschweizer vor Gericht verantworten.
19.11.2019, 05:2019.11.2019, 09:00
Patrick Rudin / ch media
[gestellte Aufnahme] Ein Mann konsumiert am 11. November 2006 Kokain in einer Privatwohnung in Zuerich. (KEYSTONE/Martin Ruetschi) === , ===

[posed picture] A man is consuming cocaine in a private ap ...
Kokain-Dealer veranstalten eine Messerstecherei. (Symbolbild)Bild: KEYSTONE

«Wir wollten nur konsumieren und Party machen», meinte der 24-jährige Mann gestern Montag im Basler Strafgericht. Warum die Truppe aus der Innerschweiz für den damaligen Ausflug nach Basel im Auto auch Schlagstock und Pfefferspray dabei hatten, konnten sie nicht so recht erklären.

Sicher ist nur: Der vorweihnachtliche Trip nach Basel ging gewaltig schief, er endete in der Nacht auf den 22. Dezember 2017 mit einer blutigen Messerstecherei, einem grossen Polizeieinsatz und wochenlanger Untersuchungshaft für alle Beteiligten.

Die Version der Staatsanwaltschaft lautet so: Zwei Männer im Alter von 22 und 23 Jahren aus der Innerschweiz wollten in den Kokainhandel einsteigen, der 24-Jährige vermittelte den Kontakt über einen ehemaligen Knastfreund zu dem 31-jährigen Basler Dealer.

Doch die Innerschweizer hatten gar kein Geld und konnten die für 50 Gramm Kokain geforderten 3000 Franken gar nicht aufbringen. So planten sie, dem Dealer den Stoff mit Gewalt abzunehmen.

Der Basler Dealer wartete an jenem Abend in seiner Wohnung in der Nähe der Rosentalanlage und hatte kein gutes Gefühl bei der Sache, weshalb er noch einen kampfsporterprobten 34-jährigen Freund hinzuzog. Dieser sorgte dafür, dass zuerst nur einer der Käufer ohne jegliche Waffen in die Wohnung gelassen wurde.

Auf der Flucht mit gezogener Waffe gestoppt

Doch als der zweite Käufer das Geld hochbringen sollte, geriet die Sache ausser Kontrolle: Der Basler Dealer und sein Security-Mann erlitten schwere Schlag- und Stichverletzungen, als Tatwerkzeuge nahmen die Innerschweizer die vorhandenen Küchenmesser.

Der 31-jährige Dealer konnte über den Balkon flüchten und die Polizei alarmieren, die Innerschweizer wurden auf der Flucht in ihrem Auto von der Polizei mit gezogener Waffe gestoppt. In der Wohnung fand man 50 Gramm Kokain mit einem Reinheitsgehalt von 85 Prozent sowie ein halbes Kilo Marihuana, Geld hingegen hatte niemand dabei.

«Alles deutet darauf hin, dass man den Stoff gewaltsam behändigen wollte.»

Die beiden Basler landeten schwer verletzt im Spital, der 31-jährige Dealer ist bis heute arbeitsunfähig und bezieht Sozialhilfe. Die Rechtsvertreter der Beiden forderten Genugtuungssummen von jeweils 10'000 und 15'000 Franken von den beiden Haupttätern.

Staatsanwältin Simone Lustenberger klagte die beiden 22- und 23-jährigen Männer aus der Innerschweiz unter anderem wegen versuchter vorsätzlicher Tötung an.

«Das Konto des 22-Jährigen war mit 800 Franken im Minus. Niemand konnte plausibel erklären, wie man das Kokain bezahlt hätte. Alles deutet darauf hin, dass man den Stoff gewaltsam behändigen wollte», sagte Lustenberger in ihrem Plädoyer. Für die zwei Hauptangeklagten forderte sie Freiheitsstrafen von je acht Jahren und drei Monaten.

Der 24-Jährige, der den Deal eingefädelt und vom geplanten Raub gewusst hatte, soll für drei Jahre hinter Gitter. Ein weiterer Beteiligter sowie der Basler Dealer sollen eine Freiheitsstrafe von 28 Monaten erhalten, der 34-jährige «Security» als Gehilfe bei einem Drogenhandel eine bedingte Strafe von neun Monaten. Das Urteil fällt am Donnerstag, das Gericht wird auch über Landesverweise entscheiden. (bzbasel.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die dümmsten Koks-Schmuggel-Aktionen der Schweiz
1 / 11
Die dümmsten Koks-Schmuggel-Aktionen der Schweiz
Juni 2009: In einer Edelweiss-Maschine versuchen Mitarbeiter des Flughafens Punta Cana (Dominikanische Republik) 32 Kilogramm Kokain zu schmuggeln. Ihre Methode: Sie füllen das weisse Pulver in leere Orangensaft-Tetrapacks. Die präparierten Säfte landen in den Trolleys, wo sie von Edelweiss-Mitarbeitern entdeckt werden. Das Ganze fliegt noch vor Abflug in der Dominikanischen Republik auf. ... Mehr lesen
quelle: epa/keystone / olivier maire
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Bundesrat sieht Schweiz gegen Tigermücke gewappnet
Die Asiatische Tigermücke breitet sich in der Schweiz weiter aus. Eine direkte Gefahr für Ausbrüche von Tropenkrankheiten stellt das Insekt gemäss einem am Freitag veröffentlichten Bericht des Bundesrates aktuell aber nicht dar.
Denn bisher wurden in der Schweiz keine lokal übertragenen Fälle von Tropenkrankheiten wie Dengue-, Chikungunya- oder Zika-Fieber durch Tigermücken verzeichnet, wie der Bundesrat schreibt.
Zur Story