Schweiz
Energie

Schwere Sicherheitslücken bei Solaranlagen in der Schweiz

Wohnungsbau, Hausbau im Siegerland. Ein Neubau entsteht in einem Stadtteil von Siegen. Auf dem Hausdach wurden Photovoltaik, Solarkollektoren installiert. Wohnen im Siegerland am 16.08.2026 in Siegen/ ...
Zu den Problemen gehören ungenügende Zugangskontrollen wie voreingestellte Passwörter, ungesicherte Wartungszugänge sowie eine schwache oder fehlende Verschlüsselung der lokalen Kommunikation.Bild: imago images

Schwachstellen bei Solaranlagen gefährden Schweizer Stromnetz – das willst du wissen

Sicherheitslücken bei Photovoltaikanlagen können nach Einschätzung von Fachleuten das Schweizer Stromnetz gefährden. Bei mehreren in der Schweiz verbreiteten Geräten könnten Angreifer über zentrale Systeme gleichzeitig auf Tausende Anlagen einwirken.
17.09.2026, 12:4017.09.2026, 12:47

Das Nationale Testinstitut für Cybersicherheit (NTC) untersuchte elf weit verbreitete Produkte von acht Herstellern, darunter sieben Wechselrichter und vier Energiemanagementsysteme. Dabei entdeckten die Fachleute mehr als 50 Schwachstellen, wie das NTC am Donnerstag mitteilte.

Sieben wurden als kritisch und sechs als schwerwiegend eingestuft. Fünf der elf Produkte wiesen mindestens eine gravierende Sicherheitslücke auf.

Bei fast allen getesteten Wechselrichtern gelang es den Fachleuten, die Einspeiseleistung ohne Authentifizierung auf null zu reduzieren. Weitere Schwachstellen betrafen unter anderem voreingestellte Passwörter, ungesicherte Wartungszugänge und eine ungenügende Verschlüsselung.

Tausende Anlagen gleichzeitig betroffen

Die eigentliche Gefahr liegt laut NTC in der grossen Zahl vernetzter Anlagen. Viele Geräte sind etwa für Aktualisierungen mit den Cloud-Diensten der Hersteller verbunden. Sechs der entdeckten Schwachstellen könnten es ermöglichen, über eine zentrale Stelle gleichzeitig Tausende Geräte zu beeinflussen.

«Nicht allein die Schwere einer Schwachstelle macht sie gefährlich, sondern ihre Reichweite», erklärte NTC-Testexperte Tobias Castagna. Eine einzige Schwachstelle in einer zentralen Komponente könne Tausende Photovoltaikanlagen betreffen.

Das Sicherheitsniveau der untersuchten Produkte ist laut NTC nicht grundsätzlich schlechter als bei anderen vernetzten Geräten. Anders sei jedoch ihre Bedeutung für das Stromnetz. An sehr sonnigen Tagen deckt die Photovoltaik zeitweise mehr als die Hälfte des aktuellen Stromverbrauchs in der Schweiz.

Hinweise auf absichtlich eingebaute Hintertüren fanden die Fachleute nicht. Die meisten Hersteller hätten nach der Meldung der Schwachstellen rasch reagiert.

Mindeststandards gefordert

Das NTC empfiehlt unter anderem individuelle Zugangsdaten, besser geschützte Fernzugriffe und eine Trennung der Anlagen vom übrigen Netzwerk. Hersteller sollten Sicherheitsvorkehrungen bereits bei der Entwicklung berücksichtigen und Aktualisierungen digital signieren.

Von Politik und Behörden fordert das Institut Mindestanforderungen für Geräte, die auf den Markt kommen. Zudem sollte die Cybersicherheit nach Ansicht des NTC zu einer Voraussetzung für den Anschluss von Photovoltaikanlagen ans Stromnetz werden. (sda)

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