Wirtschaft
Schweiz

Salz statt Lithium: Schweizer Firma bietet Natrium-Ionen-Batterie an

Salz statt Lithium: Wie eine Schweizer Firma vom Boom der Solarbatterien profitieren will

Die Nachfrage nach Stromspeichern wächst rasant. Die junge Firma Inesco setzt dabei auf Natrium-Ionen-Batterien und hofft, dass ihre Vorteile den höheren Preis wettmachen.
29.07.2026, 09:5229.07.2026, 09:52
Florence Vuichard / ch media
Die Inesco-Salzbatterien werden in Solothurn vom Sozialunternehmen Vebo zusammengesetzt.
Die Inesco-Salzbatterien werden in Solothurn vom Sozialunternehmen Vebo zusammengesetzt.Bild: zvg/Inesco

Er wollte kein Lithium im eigenen Keller, sagt der Unternehmer Hans-Ulrich Zwahlen. «Auf keinen Fall.» Also musste eine alternative Speicheroption her für den überschüssigen Strom, den er mit den Solarpanels auf dem Dach seines Hauses in Boll-Vechigen bei Bern produzierte. Fündig wurde er bei einer Firma, die Salzschmelze-Batterien anbot.

Doch die Technologie setzte sich nicht durch, die Leistung war zu schwach, die Firma ging Konkurs. Zwahlen, der sich gerade aus dem von ihm gegründeten Unternehmen, dem Schaltschränke- und Gehäusehersteller Swibox, operativ zurückgezogen hatte, schlug zu – zusammen mit zwei norwegischen Partnern, die bereits in Zürich eine Firma hatten. Zu dritt übernahmen sie 2024 die Ingenieure des konkursiten Unternehmens, firmierten die Firma der Norweger in Inesco um und richteten sie neu aus: Statt Salzschmelze-Batterien entwickelt und verkauft sie heute Natrium-Ionen-Batterien. Oder einfacher gesagt: Salzbatterien.

Inesco Mitinhaber Hans-Ulrich Zwahlen will kein Lithium in seinem Keller.
Mitinhaber Hans-Ulrich Zwahlen will kein Lithium in seinem Keller.Bild: zvg/inesco

Rund zwei Jahre später schreibt Inesco schwarze Zahlen, wie Zwahlen und sein Geschäftsführer Roger Nyffenegger nicht ohne Stolz betonen. «Im Juni haben wir zum ersten Mal einen Gewinn geschrieben.»

Anders als viele andere Firmen, die hierzulande grosse Batterien-Träume wälzen, haben die beiden bewusst «klein» angefangen, wie sie erzählen. Mit Batterien fürs Einfamilienhaus, dann fürs Mehrfamilienhaus, dann für Landwirtschafts- und Gewerbebetriebe oder Energieversorger. «Im Kleinen wollten wir die Kinderkrankheiten ausmerzen und lernen», sagt Nyffenegger. «Nun können wir darauf aufbauen, unser Wissen skalieren.»

Rund 400 Batterien haben Nyffenegger und sein Team bis heute insgesamt verkauft. Ein durchschnittlicher Haushalt benötigt vier Stück, die zusammen 18 Kilowattstunden Strom speichern können. Werden diese tagsüber mit überschüssigem Solarstrom vollständig geladen, versorgen sie den Haushalt in der Regel die ganze Nacht, rechnet der Inesco-Chef vor. «Und – je nach Stromverbrauch – noch bis weit in den nächsten Tag.» Kostenpunkt für das besagte Batteriesystem: Rund 13'000 Franken – inklusive Energiemanagementsystem, Wechselrichter und Support.

Inesco: Vier übereinander gestapelte Batterien reichen für ein Einfamilienhaus.
Vier übereinander gestapelte Batterien reichen für ein Einfamilienhaus.Bild: zvg/inesco

Damit sind die Salzbatterien für das Modell-Einfamilienhaus rund 2000 Franken teurer als von der Leistung her vergleichbare Lithiumbatterien. Im Gegenzug sei aber der Rohstoff ökologisch besser abbaubar, enthalte keine kritischen Rohstoffe wie Kobalt und sei geopolitisch weniger problematisch, sagt Zwahlen. Zudem seien die Salzbatterien auch brandsicherer und bei Temperaturen von minus 20 bis plus 55 Grad einsetzbar. «Sie eignen sich also perfekt für die Schweiz.» Man könne sie auch draussen aufstellen.

Die Salzbatterien brauchen etwas mehr Platz als Lithiumbatterien. Das dürfte so bleiben, auch wenn Inesco jetzt ein etwas kleineres Modell, das einem schmalen Schuhschäftchen gleicht, im Angebot hat. Hinzu kommt der eigene Wechselrichter, der oberhalb an der Wand befestigt werden muss.

Zwahlen und Nyffenegger gehen davon aus, dass ihre Batterien dank günstigerer Rohstoffe mittelfristig billiger und Lithiumbatterien preislich gar unterbieten werden. Mit der steigenden Nachfrage sollte zudem auch die Herstellung günstiger werden. Wie die meisten Batterien stammen auch die Natrium-Ionen-Zellen aus China, Inesco bezieht sie von Biwatt, einer Firma aus Shenzhen. Auch die Gehäuse werden «noch» in China gefertigt, wie Zahlen anfügt, allerdings auf Auftrag. Die Software hingegen wurde hierzulande vom Inesco-Team entwickelt. Montiert und verkabelt wird das Batteriensystem ebenfalls in der Schweiz, von den Mitarbeitenden der Genossenschaft Vebo in Solothurn, die Menschen mit psychischen und physischen Beeinträchtigungen beschäftigt.

Im Vebo-Park sind Zwahlen und seine Mitstreiter auch mit ihren Büro- und Laborräumlichkeiten eingemietet. Die 14 eigenen Angestellten kümmern sich mehrheitlich um die Produktentwicklung, die Software, das Marketing und um den Aufbau des Verkaufsnetzes.

Inesco-Chef Roger Nyffenegger will mehr Installateure von Salzbatterien überzeugen.
Inesco-Chef Roger Nyffenegger will mehr Installateure von Salzbatterien überzeugen.Bild: zvg/Inesco

Denn für den Vertrieb setzt die Firma auf die Zusammenarbeit mit Installateuren. «Heute sind es rund 35, die unsere Natrium-Ionen-Batterien anbieten», sagt Nyffenegger. «Wir wollen aber bei 100 bis 150 Installateuren erhältlich sein.» Diese sollen, so die Hoffnung, ihren Kunden vermehrt eine Alternative zu Lithium anbieten.

Als «wichtigen Startkunden» für grössere Batterien bezeichnet Nyffenegger die Elektra Gams. Der Stromversorger im St. Galler Rheintal setzt die Salzbatterien ein, damit das Netz angesichts der steigenden Zahl von Solarpanelbesitzern auch an sonnigen Tagen stabil bleibt. Die dort in Metallschränken gestapelten Salzbatterien können 200 Kilowattstunden Strom speichern. «Es reicht, um in diesem Quartier die Spannungsspitzen zu brechen», sagte Elektra-Gams-Chef Heinz Kolb dem «St. Galler Tagblatt». «Nachts, wenn der Strom gebraucht wird, entladen wir die Batterien wieder.»

Der Einsatz von Batterien sei für Energieversorger günstiger als der kostspielige Netzausbau, sagt Nyffenegger. Das Geld dürfte laut ihm auch mehr Besitzer von Solaranlagen dazu motivieren, sich eine Batterie anzuschaffen. Denn ab 2027 können diese ihren überschüssigen Strom nicht einfach zu einem Fixpreis ins Netz ihres lokalen Stromversorgers einspeisen, sondern sind stärker den Marktpreisen ausgeliefert. Während kleine Anlagen weiterhin durch eine Mindestvergütung von 6 Rappen pro Kilowattstunde geschützt sind, dürften jedoch die Erlöse bei hoher Solarproduktion deutlich sinken. «Finanziell wird es sich also lohnen, selbst eine Batterie zu installieren», sagt der Inesco-Chef. «Umso mehr, als unsere Software fähig ist, dynamische Preise abzubilden.»

Noch setzen die meisten dabei auf Lithium. Für Hans-Ulrich Zwahlen jedoch hat sich die Suche nach einer Alternative zu einem neuen Geschäftsmodell entwickelt. (schweizheute.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Diese 31 Bilder zeigen, wie Europa der Hitzewelle trotzt
1 / 33
Diese 31 Bilder zeigen, wie Europa der Hitzewelle trotzt

Am Sonntag wurde es in Paris 37 Grad.

quelle: keystone / michel euler
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Kanadischer Politiker liest KI-Prompt vor
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
62 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
PinguiunDisco
29.07.2026 10:16registriert August 2025
Keine Ahnung was manch andere Kommentare hier für Probleme haben.
Ich finde es super, wenn in der Schweiz an solchen Produkten gearbeitet wird!
800
Melden
Zum Kommentar
62
UBS übertrifft mit Quartalsgewinn von 2,8 Milliarden US-Dollar die Markterwartungen
Die UBS hat im zweiten Quartal 2026 erneut deutlich mehr verdient und damit auch wieder die Schätzungen von Analysten übertroffen.
Trotz der Ungewissheit über ihre künftigen Kapitalanforderungen kündigt sie ein neues Aktienrückkaufprogramm an. Die CS-Integration nähert sich derweil langsam dem Ende.
Zur Story