Brennende Solaranlagen: Feuergefahr besteht vor allem nach Pfusch
In Reinach, in Elgg oder in Laax: In der Schweiz haben zuletzt mehrere Gebäude mit PV-Anlagen gebrannt. Ob letztere auch das Feuer verursacht haben, ermitteln die jeweiligen Kantonspolizeien noch. Die Vorfälle rücken dennoch die Sicherheit von PV-Anlagen in den Fokus. Zumal Videoaufnahmen von einem Feuer in Bassersdorf den Eindruck erwecken, dass der Brandherd die PV-Anlage ist.
Doch Solaranlagen brennen selten: Eine Studie des Deutschen Fraunhofer-Instituts kommt zum Schluss, dass nur 0,006 Prozent der Solaranlagen zu grösseren Brandschäden führen. Für einzelne Komponenten gelten internationale Standards, mit Tests werden sie etwa auf Hitze- und Hagelresistenz geprüft.
Gegenüber dem Tages-Anzeiger begründete die Vereinigung der Kantonalen Gebäudeversicherungen (VKG) die aktuelle Brandserie vor allem mit der gestiegenen Zahl der Anlagen. Heute sind in der Schweiz rund 350 000 Anlagen registriert.
Mögliche Fehler: Falsche Verbindungen, zu geringe Abstände
Zum Brandrisiko verkommen Solaranlagen vor allem, wenn bei der Installation die nötige Sorgfalt fehlt. Ein gängiger Fehler sei die Verbindung von Steckern unterschiedlicher Hersteller, erklärt ein Fachmann eines spezialisierten KMU gegenüber watson, der namentlich nicht genannt werden möchte. Sicherer sei die Verwendung von Komponenten der gleichen Marke.
Auch könne eine unsachgemäss installierte Solarpanels zu nah am Dach liegen und darum ungenügend belüftet sein. Bei hohen Temperaturen bestehe ein höheres Brandrisiko, wenn die Dachoberfläche aus brennbarem Material besteht.
«Wir empfehlen bei der Installation das Brandschutzmerkblatt ‹Solaranlagen ›zu beachten, das auf solche Risiken hinweist», sagt David Stickelberger von Swissolar. Das Merkblatt gibt sein Verband zusammen mit den kantonalen Feuerversicherungen heraus.
Weiter lohne es sich, den Installateur sorgfältig zu wählen und auf das Qualitätslabel «Die Solarprofis» zu achten. Swissolar vergibt es an Firmen, die bestimmte Auflagen einhalten: Sie müssen ihr Personal etwa regelmässig in Weiterbildungen schicken und Referenzanlagen vorweisen. «Absolute Sicherheit bietet das Label nicht, Fehler passieren immer, aber es ist ein eindeutiges Qualitätsmerkmal», sagt Stickelberger.
Während Solarboom hatten auch unseriöse Firmen ihre Hochphase
Ab 2019 kam es zu einem Boom, der in den Folgejahren zu Rekorden bei Neuinstallationen führte, besonders nach Russlands Grossangriff auf die Ukraine. In ganz Europa und in der Schweiz setzte zunehmend das Bewusstsein ein, dass nur eigens produzierte Energie die Versorgungssicherheit erhöht.
Der Bund förderte Photovoltaik-Anlagen damals über die sogenannte Einmalvergütung stärker, dazu gab es in vielen Kantonen noch Förderprogramme. Es waren die goldenen Jahre der Solarbranche. Doch sie zogen auch zweifelhafte Akteure an. «Es gab Unternehmen, die aufs schnelle Geld aus waren», erzählt der Fachmann, mit dem watson sprach.
Weil Fachkräfte im Vergleich zur Nachfrage damals besonders rar waren, hätten manche Firmen ungeschultes Personal auf die Dächer geschickt. In der Ostschweiz zum Beispiel gab es immer wieder Berichte über unseriöse Firmen, die mit Betrugsmaschen auffielen – viele von ihnen sind mittlerweile Konkurs. Auf solche Fälle angesprochen, bestätigt David Stickelberger eine «Konsolidierung» in der Branche, die man zuletzt beobachtet habe.
Ob die Brandserie auch ein Ausdruck des intensiven Ausbaus der vergangenen Jahre ist? Darüber möchte der Swissolar-Vertreter nicht spekulieren. «Wir arbeiten derzeit mit den zuständigen Behörden zusammen, um die Brandfälle aufzuklären und die richtigen Lehren daraus zu ziehen», sagt er.
PV-Markt hat sich etwas abgekühlt
Heute ist die Situation in der Branche eine andere als noch vor ein paar Jahren: Bund und Kantone fördern PV-Anlagen weniger. Die Leistung der neuinstallierten Solaranlagen sank 2025 erstmals von schweizweit 1,8 auf 1,3 Gigawatt. Damit hat sich der PV-Markt etwas abgekühlt.
Und Swissolars Reaktion auf den Fachkräftemangel in der Branche mache sich allmählich spürbar, sagt Stickelberger. Vor zwei Jahren begannen die ersten Lernenden die neue Lehre zum Solarinstallateur EFZ. Wer bereits eine abgeschlossene Lehre hat, kann sie in einem statt in drei Jahren absolvieren.
