Schweiz
Ranking

Wo die Schweiz bei erneuerbaren Energien glänzt – und wo nicht

Das Kraftwerk Pradella der Engadiner Kraftwerke AG mit dem dazugehoerigen Ausgleichsbecken unterhalb Scuol, aufgenommen am 22. Oktober 2009. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)
Das Kraftwerk Pradella in Scuol GR.Bild: KEYSTONE
Ranking

Wo die Schweiz bei erneuerbaren Energien glänzt – und wo nicht

Solar holt auf, Wind bleibt Sorgenkind: Eine neue Studie der Schweizerischen Energie-Stiftung zeigt, in welchen Bereichen die Energiewende vorankommt und wo die Schweiz im EU-Vergleich hinterherhinkt.
28.08.2026, 10:5428.08.2026, 12:28

Die Schweiz hat bei der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien im europäischen Vergleich gut abgeschnitten: Im Vergleich der Pro-Kopf-Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen belegte die Schweiz im Jahr 2025 den fünften Platz unter 28 Ländern (27 EU-Staaten und die Schweiz), wie die Schweizerische Energie-Stiftung (SES) am Freitag in einer Studie mitteilte.

Wasserkraft schiesst Schweiz aufs Podest

Dank der Wasserkraft belegte sie 2025 den fünften Platz. Bei der Solarenergie liegt sie im vorderen Mittelfeld, bei der Windkraft jedoch weit zurück. Nur nordische Länder und Österreich hätten im Vergleich besser abgeschnitten.

Zur guten Platzierung geführt habe die methodische Erweiterung der Studie – neu würde die gesamte erneuerbare Stromproduktion berücksichtigt. So habe vor allem der historische Ausbau der Wasserkraft zu dem Resultat geführt.

Erstmals wurde auch die Produktion pro Landesfläche verglichen: Hier schaffte es die Schweiz sogar aufs Podest und belegte hinter den Niederlanden und Malta den dritten Platz. Zurückzuführen sei dies auf die Wasserkraft und die flächeneffiziente Nutzung von Dächern für Solaranlagen, so die Autoren der Studie. Auch der Anteil der erneuerbaren Stromproduktion am Landesstromverbrauch war mit 70,8 Prozent hoch, was Platz 5 im europäischen Vergleich bedeutete.

Knapp die Hälfte der EU-Mitgliedsländer deckt ihren Stromverbrauch zu über der Hälfte aus erneuerbaren Quellen, wie der Länder-Vergleich zeigte. Spitzenreiter Schweden deckte bereits über 92 Prozent seines Verbrauchs aus erneuerbaren Quellen.

Fortschritte bei Solarenergie, Windkraft bleibt Sorgenkind

Die hiesige Solarstromproduktion ist allein in den letzten fünf Jahren um fast 1000 Gigawattstunden pro Jahr gestiegen. Im Vergleich zu 2024 konnte die Schweiz letztes Jahr einen Platz gutmachen und erreichte mit 878 Kilowattstunden pro Kopf Rang 10. Damit liegt sie im vorderen Mittelfeld. Spitzenreiter sind die Niederlande mit einer Pro-Kopf-Produktion von 1579 Kilowattstunden.

Vor der Schweiz liegen zudem Deutschland und Belgien. Zusammen mit den Niederlanden produzierten beide Länder pro Kopf mehr Strom aus Sonnenenergie, obschon in der südlicher gelegenen Schweiz bessere Einstrahlungsverhältnisse herrschten.

Fast keine Windenergie

Ein anderes Bild zeigte sich bei der Windenergie. Hier lag die Schweiz mit einer Pro-Kopf-Produktion von 18 Kilowattstunden wie im Vorjahr auf Platz 25 von 28 Rängen. Nur Slowenien, Malta und die Slowakei produzierten noch weniger Windstrom. Die Spitzenreiter Finnland, Schweden und Dänemark erzeugten 2025 pro Kopf fast 180-mal mehr Strom aus Wind als die Schweiz. Finnland führte die Rangliste mit 4006 Kilowattstunden pro Kopf an.

Schliesslich verglich die Studie den Grad der Elektrifizierung, also den Anteil des Stroms am gesamten Endenergieverbrauch. Hierfür wurden Daten aus dem Jahr 2024 verwendet. Die Schweiz wies einen Elektrifizierungsgrad von 26,7 Prozent auf und erreichte damit den siebten Rang.

Energiewende in der Schweiz auf Kurs

«Es geht vorwärts», sagte Léonore Hälg, Leiterin des Fachbereichs für Erneuerbare Energien, am Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Aber sie sieht auch Verbesserungspotenzial – beides seien positive Nachrichten, so Hälg.

Die Energiewende kommt in der Schweiz im Vergleich zu Europa voran. Wasserkraft, Solarenergie und Elektrifizierung bilden dafür eine gute Basis, wie es in der Studie hiess. Gleichzeitig gebe es grossen Handlungsbedarf auf allen Ebenen, insbesondere bei der Windenergie, um die Energieversorgung vollständig zu dekarbonisieren. «Damit die Schweizer Stromversorgung unabhängig von geopolitischen Entwicklungen wird.» (pre/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Helden des Alltags – Heute: Stromer und ihre schönen Schaltschränke
1 / 29
Helden des Alltags – Heute: Stromer und ihre schönen Schaltschränke
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Dieses Haus produziert 7x mehr Energie als es verbraucht
Video: srf
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
51 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Snowy
28.08.2026 11:21registriert April 2016
Zusammengefasst: Wir haben die Energiewende komplett verschlafen.

Wir stehen einzig aufgrund der Wasserkraft gut da, welche seit Jahrzehnten besteht (und in Zukunft nicht mehr überall gesichert sein wird).

Auf Bundesebene muss endlich mehr gehen bez Windenergie!
Und auf regulatorischer Ebene müssen PV-Anlagen für Private und Gewerbe forciert werden.
Ebenso müssen wir endlich aus fossilen Heizungen aussteigen. In vielen Kantonen kann faktisch noch heute bei einem Heizungsersatz eine Öl- oder Gasheizung in einem normalen EFH verbaut werden.

So gehts nie vorwärts.
Ölbert und HEV sei dank.
3711
Melden
Zum Kommentar
51
Meteoschweiz setzt auf KI für präzisere Gewittervorhersagen
Ein Algorithmus soll Nutzerinnen und Nutzer der Meteoswiss-App fortan zuverlässig vor Starkregen, Hagel und Blitzen warnen. Gemäss Bund verbessert das KI-System die Vorwarnzeit und reduziert die Fehlalarmquote.
Zur Story