Darum verbrauchen Hybrid-Fahrzeuge oft mehr als angegeben
Fahrzeuge mit Plug-in-Hybrid-Antrieb verbrauchen oft mehr Strom und Treibstoff als offiziell angegeben. Das haben am Donnerstag veröffentlichte Untersuchungen der Empa ergeben. Besonders regelmässiges Laden, das Fahrverhalten und Fahrzeugeigenschaften wie Gewicht spielen demnach eine entscheidende Rolle.
Fahrzeuge mit Plug‐in‐Hybrid-Antrieb sollen den Übergang zur Elektromobilität erleichtern. Sie können kürzere Strecken rein elektrisch zurücklegen und bieten für längere Fahrten einen Verbrennungsmotor als Backup.
Wie gross der rein elektrisch gefahrene Anteil aber tatsächlich ist, hängt laut den vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) geförderten Studien der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) stark vom Einsatz – und insbesondere vom Ladeverhalten – ab.
Wenn jemand einen Plug‐in‐Hybrid besitze und das Fahrzeug nicht regelmässig lade, fahre diese Person de facto einen schwereren Verbrenner, wird Studienautorin Miriam Elser von der Empa zitiert. Durch das zusätzliche Gewicht von Batterie und Elektromotor könne der Verbrauch sogar höher liegen als bei einem vergleichbaren konventionellen Benziner.
Bislang stützten sich Erkenntnisse zum tatsächlichen Verbrauch von Plug‐in‐Hybriden vor allem auf im Fahrzeug erhobenen Alltagsdaten. Diese stammen aus dem sogenannten On-Board Fuel Consumption Monitoring (OBFCM), das bei Fahrzeugen auf dem europäischen Markt seit einigen Jahren vorgeschrieben ist. Die OBFCM-Daten zeigen allerdings, dass die realen Treibstoffverbräuche deutlich über den offiziellen Typprüfwerten liegen.
Einige Faktoren unberücksichtigt
Aus solchen direkt in Fahrzeugen erhobenen Alltagsdaten wisse man zwar, dass der Verbrauch höher sei, aber nicht warum, wird Elser in den Empa-Untersuchungen zitiert. Informationen zu Umgebungstemperatur, Heizbetrieb oder Fahrweise fehlten dabei meist und würden auch durch standardisierte Typprüfungen nicht abgedeckt.
Um diese Lücke zu schliessen, untersuchten die Empa-Forschenden zwölf aktuelle Plug‐in‐Hybrid‐Personenwagen auf dem Rollenprüfstand im Labor. Gemessen wurden elektrische Reichweite, Strom‐ und Treibstoffverbrauch sowie CO2‐ und Schadstoffemissionen bei unterschiedlichen Aussentemperaturen.
Die Resultate zeigen ein klares Muster: Unter idealen Bedingungen fahren Plug‐in‐Hybride lange elektrisch und verursachen entsprechend geringe Emissionen. Unter realistischen Alltagsbedingungen kann ihr Effizienzvorteil jedoch weitgehend verloren gehen. Tiefe Temperaturen, eingeschaltete Heizung und dynamisches Fahren verkürzen die elektrische Reichweite deutlich. Der Verbrennungsmotor schaltet früher und häufiger zu, und Treibstoffverbrauch sowie CO2‐ und Schadstoffemissionen steigen teils stark an. (nil/sda)
