Digital
Review

Kia EV2 im Test: Dieses kleine Elektroauto bietet mehr, als man denkt

Redaktor Christopher Clausen testet den Kia EV2.
Redaktor Christopher Clausen testet den Kia EV2. bild: Florian Schöffmann
Review

Kias neuer Elektro-SUV lässt die Konkurrenz klein aussehen

Kia schickt mit dem EV2 ein Elektro-SUV in die Kleinwagenklasse. Optisch wirkt der kleine Stromer weit erwachsener, als es seine Grösse vermuten liesse. Können Technik und Ausstattung da mithalten?
14.07.2026, 18:5614.07.2026, 19:29
Christopher Clausen / t-online
Ein Artikel von
t-online

Im Rückspiegel wirkt der Kia EV2 weit bulliger, als er eigentlich ist. Dabei gehört der 4,06 Meter lange Elektro-SUV in die Kleinwagenklasse. Kia hat die Designsprache der grösseren Stromer jedoch nahezu eins zu eins übernommen – das lässt den EV2 deutlich erwachsener wirken, als es seine Grösse vermuten lässt.

Bullig: Die Front des EV2 lässt wahrlich keinen Kleinwagen erwarten.
Bullig: Die Front des EV2 lässt wahrlich keinen Kleinwagen erwarten. bild: Clausen

Die Front wirkt breit, die Motorhaube ist ähnlich wie bei einem Geländewagen gerade geschnitten, und auch die Seiten verzichten auf verspielte Linien. Selbst das Heck erscheint massiv, ohne kantig zu wirken. Dass Kia den Heckscheibenwischer unter dem Dachkantenspoiler versteckt, ist ein pfiffiges Detail. Diskutieren lässt sich dagegen über die bündig ausfahrenden Türgriffe. Das mag modern aussehen – klassische Bügel hätten ihren Zweck allerdings genauso erfüllt.

In der Seitenansicht fallen die versenkbaren Türgriffe auf. Der Heckwischer ist im Dachkantenspoiler versteckt.
In der Seitenansicht fallen die versenkbaren Türgriffe auf. Der Heckwischer ist im Dachkantenspoiler versteckt. bild: Clausen
E-Auto-Alltagstest – was ist das?
Beim Alltagstest nehmen wir neue Fahrzeuge über mehrere Tage oder sogar Wochen unter die Lupe – und zwar im ganz normalen Einsatz: im Stadtverkehr, auf der Autobahn, beim Einkaufen, Pendeln oder auf Reisen. Anders als beim Kurztest auf Herstellerveranstaltungen können wir so auch Details bewerten, die sich erst im täglichen Gebrauch zeigen: Wie komfortabel ist das Fahrwerk wirklich? Wie intuitiv lässt sich das Infotainment bedienen? Wie praxisnah ist die Reichweite? Wie viel passt in den Kofferraum? Ein Alltagstest zeigt, wie gut ein Auto im echten Leben funktioniert.

Viel Platz für die Fahrzeugklasse

Innen setzt sich der gute erste Eindruck fort: Für ein Auto dieser Grösse wirkt der EV2 erstaunlich luftig. Die gerade geschnittenen Fensterflächen helfen dabei genauso wie die niedrige Mittelkonsole. Selbst bei normal eingestelltem Fahrersitz bleibt über dem Kopf noch jede Menge Luft. Nach hinten schränkt vor allem die breite C-Säule die Sicht etwas ein. Die Heckscheibe fällt ebenfalls eher klein aus.

Übersichtlich: Klar strukturiertes Cockpit mit einer ausgewogenen Mischung an Displays und Schaltern. Weitgehend ordentliche Materialien.
Übersichtlich: Klar strukturiertes Cockpit mit einer ausgewogenen Mischung an Displays und Schaltern. Weitgehend ordentliche Materialien. bild: Clausen

Beim Cockpit setzt Kia auf Bekanntes: Der Armaturenträger ist wie bei EV3 oder EV4 horizontal aufgebaut und im oberen Bereich mit Stoff bezogen. Dieser zieht sich bis in die vorderen Türen hinein und wertet den Innenraum sichtbar auf. Darum zeigt der EV2 aber auch, in welcher Klasse er unterwegs ist. Die Kunststoffe sind überwiegend hart, allerdings ordentlich gemasert und teils recht kratzempfindlich. Zusammen mit den Stoffflächen wirkt das Bild aber stimmig.

Vor dem Fahrer thronen zwei grosse Displays, dazwischen befindet sich die Bedienung der Klimaanlage. Kia kombiniert Touchflächen mit klassischen Bedienelementen. Unterhalb der mittleren Lüftungsdüsen sitzen Wippen für die Klimatisierung, dazu gibt es eine Schnellwahlleiste für die wichtigsten Menüpunkte und eine Lautstärkewalze. Das funktioniert angenehm intuitiv. Dazu kommen die logisch angeordneten Tasten auf dem Lenkrad. Wer schon einmal einen aktuellen Kia gefahren ist, findet sich sofort zurecht.

Schön gemacht sind auch die kleinen Details. Eine Ambientebeleuchtung zieht sich über den Armaturenträger und durch die flach gehaltene Mittelkonsole. Hellgelbe Akzente lockern den Innenraum auf, in den Türgriffen begrüsst ein kleines «Have a nice day» die Insassen.

Optischer Knalleffekt und kleiner Stimmungsaufheller: Schriftzüge im Türoffner.
Optischer Knalleffekt und kleiner Stimmungsaufheller: Schriftzüge im Türoffner. bild: clausen

Wie viele moderne Autos begrüsst auch der EV2 seinen Fahrer zunächst mit einer ganzen Reihe von Warntönen. Tempolimitwarner, Verkehrszeichenerkennung und verschiedene akustische Hinweise melden sich direkt nach dem Losfahren. Immerhin macht Kia das Abschalten vergleichsweise einfach. Die meisten Funktionen lassen sich schnell über das Menü deaktivieren, der Tempowarner wird mit einem längeren Druck auf den Lautstärkeregler am Lenkrad stummgeschaltet. Das schont im Alltag die Nerven.

Apropos Technik: Davon steckt im EV2 für seine Klasse erstaunlich viel. One-Pedal-Driving gehört genauso dazu wie die Akkukonditionierung vor dem Schnellladen. Auch Ladevorgänge lassen sich direkt aus dem Auto bezahlen, dazu kommen je nach Ausstattung unter anderem ein Harman/Kardon-Soundsystem oder ein Spurhaltehelfer in Kombination mit dem adaptiven Tempomaten. Vieles davon findet sich in dieser Fahrzeugklasse längst nicht überall.

Variable Rücksitzbank

Je nach Ausstattung gibt es den EV2 als klassischen Fünfsitzer oder – wie den Testwagen – mit zwei einzeln verschiebbaren Rücksitzen. Letztere bringen im Alltag ein gutes Stück mehr Flexibilität. Sind sie ganz hinten, finden auch grössere Mitfahrer auf mittellangen Strecken ausreichend Platz. Rutschen sie nach vorn, wächst der Kofferraum entsprechend.

Flexibel: Die beiden Sitze im Fond lassen sich einzeln verschieben.
Flexibel: Die beiden Sitze im Fond lassen sich einzeln verschieben. bild: clausen

Der Kofferraum selbst wirkt bei nach hinten geschobenen Sitzen nämlich zunächst kleiner, als man es von aussen erwarten würde. Unter dem doppelten Ladeboden findet sich immerhin zusätzlicher Stauraum für Ladekabel und Kleinteile. Der Ladeboden lässt sich herausnehmen, allerdings nicht in der Höhe verstellen. Schiebt man die Sitze nach vorn, entsteht eine Kante, die mit Stoffbahnen kaschiert wird. Eine pragmatische Lösung.

Variabel: Klemmbare Abdeckung, um die beim Verschieben entstehende Lücke zu schliessen.
Variabel: Klemmbare Abdeckung, um die beim Verschieben entstehende Lücke zu schliessen. bild: Kia/lena willgalis

Weniger glücklich gelöst ist die Kofferraumabdeckung. Sie schwingt beim Öffnen der Heckklappe nicht automatisch mit, sondern muss händisch nach oben geklappt werden. Bleibt sie nach dem Beladen versehentlich oben stehen, schränkt sie die Sicht nach hinten zusätzlich ein.

Der Kofferraum (403 Liter Volumen) wirkt auf den ersten Blick nicht sonderlich gross, bietet aber zusätzlich Raum unter der Ladeabdeckung. Werden die Sitze wie hier nach vorn geschoben, entsteht eine  ...
Der Kofferraum (403 Liter Volumen) wirkt auf den ersten Blick nicht sonderlich gross, bietet aber zusätzlich Raum unter der Ladeabdeckung. Werden die Sitze wie hier nach vorn geschoben, entsteht eine Lücke. bild: clausen

Dafür überzeugt ein anderes Detail: Der Griff zum Schliessen der Heckklappe ist angenehm gross und stabil ausgeführt. Das klingt unspektakulär, macht im Alltag aber tatsächlich einen Unterschied.

Massiv: Stabiler Bügel zum Zuziehen des Kofferraums.
Massiv: Stabiler Bügel zum Zuziehen des Kofferraums.bild: Clausen

Fahren: Erst etwas aufgeregt, dann angenehm harmonisch

Unser Testwagen war mit einer 42,2-kWh-Batterie und dem 146 PS starken Elektromotor unterwegs. In 8,7 Sekunden geht es auf Tempo 100, die WLTP-Reichweite liegt je nach Bereifung bei bis zu 317 Kilometern. Daneben bietet Kia noch eine zweite Variante mit 61,0-kWh-Akku und 135 PS an. Sie kommt auf bis zu 453 Kilometer Reichweite. Beide Versionen laden mit bis zu 118 kW Gleichstrom in rund 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Optional gibt es ausserdem 22-kW-Wechselstromladen.

Beim ersten Anfahren wirkt der EV2 im Normalmodus zunächst etwas aufgeregt. Gasannahme, Rekuperation und die noch sehr bissigen Bremsen des nahezu neuen Testwagens ergaben auf den ersten Metern zunächst kein ganz harmonisches Bild. Stellt man die Rekuperation und den Fahrmodus auf die eigenen Bedürfnisse ein, ändert sich dieser Eindruck jedoch.

Gerade im Stadtverkehr passt die Abstimmung zum Charakter des kleinen SUV. Zusammen mit dem i-Pedal, das bis zum Stillstand rekuperiert, ergibt sich ein stimmiges Gesamtpaket. Dazu passt auch die Lenkung. Sie spricht direkt an, ohne nervös zu werden. Gerade in der Stadt fühlt sich der EV2 angenehm handlich an.

Gut für die Stadt: Der EV2 macht sich gut im urbanen Umfeld.
Gut für die Stadt: Der EV2 macht sich gut im urbanen Umfeld. bild: Kia/lena willgalis

Angenehm auch das Fahrwerk: Der EV2 ist eher komfortabel abgestimmt. Er federt weich, ohne schwammig zu wirken oder sich nach Bodenwellen aufzuschaukeln. Gerade im Stadtverkehr passt das gut zum Charakter des Autos.

Beim Geräuschkomfort leistet sich der Kia ebenfalls keine Schwächen. Natürlich bleibt ein Kleinwagen auch akustisch ein Kleinwagen: Bei Tempo 110 und höher entstehen stärkere Windgeräusche, doch diese halten sich im Rahmen.

Und wie steht es mit der Reichweite? Bei einem Mix aus Stadt, Landstrasse und Autobahnen erscheinen die veranschlagten 317 Kilometer mit dem kleinen Akku realistisch – bei Temperaturen um die 20 Grad. Der Verbrauch mit einem zufälligen Mix aus Stadt, Landstrasse und Autobahn lag bei 13,4 kWh. Wer sich für die kleine Batterie entscheidet, sollte beachten, dass die Reichweiten bei niedrigen Temperaturen und schnellen Autobahnfahrten deutlich schneller sinken und bei Kälte teils nur die Hälfte des angegebenen Werts betragen können. Zum Glück rechnet der Bordcomputer flink mit und zeigt realistische Prognosen an.

Preis

Der Kia EV2 startet als Light mit der kleinen Batterie (42 kWh) bei 25'900 Franken. Für den grösseren Akku (61 kWh) werden mindestens 33'900 Franken fällig. Das getestete Modell basiert auf der Top-Ausstattungslinie Earth, die mit dem kleinen Akku ab 31'900 bzw. mit grösserem Akku ab 35'900 Franken erhältlich ist. Eine Wärmepumpe (750 Franken) oder bidirektionales Laden (aktuell nur V2L) für weitere 750 Franken können wie andere Extras separat dazugebucht werden. Bereits serienmässig gehören unter anderem Sitz- und Lenkradheizung, ein elektrisch einstellbarer Fahrersitz, eine induktive Ladeschale sowie der Frunk dazu, also ein zusätzlicher Kofferraum unter der Fronthaube.

Der Testwagen mit dem kleinen Akku war nahezu voll ausgestattet. Wärmepumpe, Harman/Kardon-Soundsystem, 360-Grad-Kamera, fernbedienbarer Parkassistent, verschiebbare Rücksitze im Fond sowie das Design-Paket mit 18-Zoll-Rädern, Ambientebeleuchtung und den bündig ausfahrenden Türgriffen treiben den Preis auf rund 37'000 Franken bzw. 41'000 Franken mit dem grösseren Akku. Ein grosser Reigen an Möglichkeiten also – aber dann eben auch nicht mehr günstig. Dafür gibt es ein aber sieben Jahre oder 150'000 Kilometer Fahrzeuggarantie sowie acht Jahre oder 160'000 Kilometer auf die Batterie.

Elektroauto

Fazit

Der EV2 wirkt grösser als er ist. Und genau das gilt nicht nur für sein Design. Auch im Innenraum, bei der Ausstattung und beim Raumgefühl spielt er eher eine Klasse höher. Doch das hat auch seinen Preis, wenn man das volle Paket wählt. Wer zudem häufiger längere Strecken fährt, sollte zur grösseren Batterie greifen.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die 20 meistverkauften E-Autos in der Schweiz 2025
1 / 22
Die 20 meistverkauften E-Autos in der Schweiz 2025

Rang 20: Volvo EX40 (729 Neuzulassungen).

Auf Facebook teilenAuf X teilen
Wir haben SUVS für euch gezählt
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
30 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
KoTaMo
14.07.2026 19:56registriert Mai 2020
„Natürlich bleibt ein Kleinwagen auch akustisch ein Kleinwagen: Bei Tempo 110 und höher entstehen stärkere Windgeräusche...“

Das hat wohl vorallem mit dem aerodynamisch absurden Design zu tun: Eine fahrende Wand.
396
Melden
Zum Kommentar
avatar
cricro
14.07.2026 20:11registriert April 2018
Dieses bullige Design ... wann hört das endlich auf Standard bei E-Autos zu sein. Es ist einfach pothässlich ...
337
Melden
Zum Kommentar
30
Einer der bekanntesten russischen Putin-Kritiker hat eine klare Warnung für den Westen
Der frühere Schachweltmeister Garri Kasparow gilt als scharfer Kritiker Russlands und von Diktator Wladimir Putin. Ein aktuelles Interview mit dem 63-jährigen Intellektuellen liefert spannende Einblicke.
Garri Kasparow hat österreichischen Medien ein Interview gegeben. Im Gespräch äusserte er sich zum Ukraine-Krieg, zur Bedrohung westlicher Demokratien und den gesellschaftlichen Folgen von künstlicher Intelligenz.
Zur Story