Hitzesommer 2026 hinterlässt Sorgen und Verhaltensänderungen
Der Hitzesommer hat die Schweizer Bevölkerung stark belastet. Eine grosse Mehrheit empfand die Temperaturen als unangenehm und litt unter gesundheitlichen Folgen. Sorgen bereiten auch die Auswirkungen auf die Natur.
Insgesamt empfanden 74 Prozent der Schweizer Bevölkerung den Sommer 2026 als sehr oder eher belastend, wie aus einer am Freitag veröffentlichten Umfrage von «20 Minuten» und Tamedia hervorgeht. Nur ein Viertel der Befragten fand ihn sehr oder eher angenehm.
Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Frauen fühlten sich von der Hitze deutlich stärker beeinträchtigt als Männer. 46 Prozent der Frauen empfanden den Sommer als sehr belastend, bei den Männern waren es 31 Prozent.
Auch die politische Einstellung spielte eine Rolle: Während die Hälfte der Wählerschaft der Grünen die Hitze als sehr belastend wahrnahm, zeigten sich SVP-Sympathisanten am zufriedensten: 36 Prozent von ihnen empfanden den Sommer als angenehm.
Personen in Haushalten mit einem Einkommen bis 4000 Franken litten stärker (46 Prozent sehr belastend) als jene mit einem Einkommen von über 16'000 Franken (30 Prozent).
Die hohen Temperaturen führten bei vielen Menschen zu gesundheitlichen Problemen. Mehr als ein Drittel (37 Prozent) gab an, starke oder sehr starke körperliche Beeinträchtigungen wie Schlafstörungen oder Kreislaufprobleme erlitten zu haben. Auch hier waren Frauen mit 46 Prozent deutlich häufiger betroffen als Männer mit 29 Prozent.
Sorge um Natur und Landwirtschaft
Eine grosse Einigkeit herrschte bei den Befragten nach den Folgen für die Umwelt. 84 Prozent der Befragten zeigten sich besorgt über die Auswirkungen von Hitze und Trockenheit auf die Natur und die Landwirtschaft in der Schweiz. Frauen äusserten mit 58 Prozent (sehr grosse Sorgen) eine höhere Besorgnis als Männer (39 Prozent).
Ein Förster führt uns durch den trockenen Wald:
Die Angst vor den Folgen des Klimawandels sei in der Bevölkerung stark verankert, hiess es. Auf einer Skala von 0 (keine Angst) bis 10 (sehr beängstigend) erreichte die Zukunftsangst einen Durchschnittswert von 7,0.
Konkret äusserte sich dies auch in der Sorge um die Trinkwasserversorgung. Zwei Drittel der Bevölkerung befürchten, dass es in den kommenden Jahrzehnten in der Schweiz zu einer Trinkwasserknappheit kommen könnte. Dabei gab es bei den Altersgruppen und Siedlungstyp keine grossen Unterschiede.
Verhalten geändert
Ein gutes Drittel der Befragten verhält sich gemäss der Umfrage nach eigenen Angaben bereits seit Langem klimaschonend. Demgegenüber gaben 14 Prozent an, ihr Verhalten überhaupt nicht geändert zu haben. Frauen (40 Prozent) gaben deutlich häufiger als Männer (29 Prozent) an, sich schon lange klimaschonend zu verhalten. Umgekehrt war der Anteil der Männer, die keine Änderungen vornahmen, mit 21 Prozent dreimal so hoch wie bei den Frauen (7 Prozent).
Wer konkrete Anpassungen vornahm, tat dies vor allem durch Energiesparen im Haushalt (31 Prozent) und durch bewussteren Konsum. Genannt wurden auch die Reduktion von Flugreisen (26 Prozent), der Verzicht auf das Auto zugunsten des öffentlichen Verkehrs oder des Velos (23 Prozent) sowie ein geringerer Konsum von Fleisch und Milchprodukten (19 Prozent).
Neue Pläne für die Sommerferien
Die Hitze in Südeuropa führe bei vielen Befragten zu einer Anpassung der Ferienpläne. 29 Prozent ziehe es künftig für die Sommerferien eher in die Berge, rund ein Viertel bevorzugen nördlichere Länder. Weitere Strategien seien die Verlegung von Badeferien in den Frühling oder Herbst. 18 Prozent gaben an, generell nicht zu reisen.
Demgegenüber hielten 14 Prozent an warmen Reisezielen fest, weil sie hohe Temperaturen schätzen. Personen mit höherer Bildung oder höherem Einkommen weichen öfter in den Norden oder in die Berge aus, wie die Umfrage festhielt. Befragte mit tieferem Einkommen (bis 4000 Franken) oder obligatorischem Schulabschluss gaben hingegen überdurchschnittlich oft an, gar keine Reisen zu unternehmen (38 beziehungsweise 31 Prozent).
An der Umfrage nahmen 12’780 Personen aus der ganzen Schweiz am 19. und 20. August teil. Die Umfrage wurde in Zusammenarbeit mit Leewas durchgeführt. Der Fehlerbereich liegt bei 1,4 Prozentpunkten. (sda)
