Starbucks, Migros und Coop verbieten E-Scooter
Bei den E-Scootern gehen die Meinungen auseinander: Sind sie nur nervig oder sollen sie auch verboten werden? Für letzteres hat sich die Kaffeekette Starbucks entschieden. Sie untersagt die Mitnahme von E-Scootern in allen Schweizer Kaffeehäusern.
Das Verbot wird durchgesetzt, wie ein Augenschein von «Schweiz heute» Mitte August in einem Lokal im Kanton Zürich zeigt. Ein Kunde, der seinen E-Scooter neben sich aufgestellt hat und an einem Tisch seinen Kaffee trinkt, wird vom Filialleiter freundlich, aber bestimmt zum Verlassen aufgefordert. An den Türen ist das Verbot mit Stickern ausgeschildert.
Starbucks teilt auf Anfrage mit, das Verbot sei Anfang Jahr in allen Schweizer Kaffeehäusern eingeführt worden. Es gehe um die Sicherheit der Gäste und der Mitarbeitenden. E-Scooter könnten aufgrund ihrer Akkus ein erhöhtes Brandrisiko darstellen und gerade in kleineren oder stark frequentierten Lokalen Flucht- und Verkehrswege blockieren. Gäste würden bei Bedarf «freundlich auf die Regelungen hingewiesen».
Migros warnt vor Brandgefahr
Starbucks ist mit der harten Linie nicht alleine. Bei Coop sind E-Scooter sowohl in den Supermärkten als auch in den Restaurants verboten – ebenfalls «aus Sicherheitsgründen», wie Sprecherin Laura Beugger sagt. Das werde seit einiger Zeit so durchgesetzt. Es gingen «verhältnismässig wenige Reklamationen diesbezüglich» ein. Wie oft es zu Vorfällen mit E-Scootern kommt, will Coop nicht verraten. Man äussere sich grundsätzlich nicht zu sicherheitsrelevanten Aspekten.
Einen E-Scooter-Bann kennt auch die Migros. Auch dort sind die Gefährte sowohl in den Supermärkten als auch in den Restaurants und Take-aways verboten. Damit sollen der Komfort als auch die Sicherheit der Kundinnen und Kunden und der Mitarbeitenden gewährleistet werden, sagt Sprecher Tristan Cerf. «Hinzu kommt die potenzielle Brandgefahr, die von den Batterien ausgehen kann.»
Diese Handhabung werde von den Kundinnen und Kunden «in der Regel» gut verstanden und eingehalten. Das Verbot gilt bei der Migros nicht nur für E-Scooter, sondern beispielsweise auch für Rollschuhe, Kickboards und Velos.
Bis zu 5000 Scooter pro Stadt
Andere Detailhändler wie Valora mit der Kaffeekette Spettacolo oder die Gastronomieunternehmen Wiesner mit Formaten wie Nooch und Negishi haben noch keine Verbote für E-Scooter erlassen, wie sie auf Anfrage mitteilen. Bisher hätten Kundinnen und Kunden nur in wenigen Restaurants E‑Scooter mitgebracht, sagt Co-Geschäftsführer Daniel Wiesner. Sie würden eher wie Velos neben den Restaurants parkiert und abgeschlossen.
Die Zahl der E-Scooter ist in den vergangenen Jahren allerdings explodiert. Einen grossen Anteil daran haben Verleiher der elektrisch betriebenen Trottinette. Im Jahr 2018 startete Lime in Zürich. Seither sind unzählige Anbieter hinzugekommen und wieder verschwunden. In der Stadt Zürich werden derzeit alleine von kommerziellen Anbietern knapp 5000 E-Scooter bereitgestellt, in Basel sind es bis zu 1600, in Bern und St. Gallen je etwa 300. Hinzu kommen privat gekaufte Gefährte.
Die E-Scooter stehen in der Kritik, weil sie oft rücksichtslos mitten auf Trottoirs und in Fussgängerzonen abgestellt werden und so ein Hindernis für sehbehinderte Menschen, aber auch für ältere Menschen oder Eltern mit Kinderwagen darstellen. Sie werden aber auch von vielen Fussgängerinnen und -fussgängern als störend und gefährlich empfunden – und zwar nicht zu Unrecht. Wie der «Spiegel» berichtet, sind E-Scooter in Deutschland mittlerweile das «mit Abstand gefährlichste Verkehrsmittel».
Paris verbietet E-Scooter ganz
Pro Million Kilometer verunglücken in Deutschland demnach 1,61 Menschen bei einer Fahrt mit einem E-Scooter schwer oder tödlich. Bei Velos inklusive E-Bikes beträgt diese Zahl 0,35, bei Fussgängern 0,14 und bei Autos, Mopeds und Töffs 0,04. Das Risiko eines schweren Unfalls ist bei E-Scootern also fast fünfmal höher als bei der Nutzung eines Velos und gar 40-mal höher als bei der Nutzung eines Autos oder Töffs.
Das liegt auch daran, dass die Gefährte vor allem von jungen, risikobereiten und unerfahrenen Lenkerinnen und Lenkern genutzt werden. Hinzu kommt, dass viele Fahrten unter Alkoholeinfluss stattfinden.
In Helsinki können deshalb in den Wochenendnächten gar keine E-Scooter mehr ausgeliehen werden, worauf die Unfallzahlen drastisch sanken. Paris verbot nach einem Bürgerentscheid das Geschäft mit den Leih-E-Scootern im Jahr 2023 ganz. Schweizer Städte behelfen sich mit milderen Massnahmen wie dem Geofencing. In bestimmten Gebieten – etwa in Fussgängerzonen – wird die Benutzung der Gefährte blockiert. Dies funktioniert, weil die Leih-Gefährte über einen GPS-Tracker verfügen. (schweizheute.ch)

