Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Friends are meeting for a cosy barbecue in a community center in Zurich, Switzerland, on May 25, 2011. They gather around an open fire pit in the garden.The sausages and the barbecue meat laying on the grill are sizzling promising and give off a mouth-watering smell. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Die Wurstwaren und das Fleisch liegen auf dem Grillrost, brutzeln verheissungsvoll und verstroemen einen feinen Duft. Die Freunde treffen sich zu einem gemeinsamen Grillen in einem Gemeinschaftszentrum in Zuerich, Schweiz, am 25. Mai 2011. (KEYSTONE/GAETAN BALLY)

Selbst Greenpeace ist skeptisch einer Fleischsteuer gegenüber. Bild: KEYSTONE

Steuer auf Fleisch? Das lehnen selbst linke Politiker ab – teurer soll es trotzdem werden

In Deutschland wird über die Einführung einer Fleischsteuer diskutiert. In der Schweiz stellen sich selbst linke Politiker gegen diese Idee. Sie wollen den Fleischkonsum auf andere Weise senken.

Maja Briner / ch media



Muss Fleisch teurer werden, dem Klima zuliebe? Darüber wird derzeit in Deutschland rege diskutiert. Zwei Ideen kursieren:

Schweizer Politiker lehnen diese Vorschläge ab. Zwar fordern die Grünen, der Fleischkonsum müsse sinken. Der Konsum müsse «jetzt endlich ressourcenschonender werden», schrieb Nationalrätin Maya Graf diese Woche in einer Medienmitteilung.

Eine höhere Steuer auf Fleisch als Einzelmassnahme sei aber nicht sinnvoll, sagt Balthasar Glättli, Fraktionspräsident der Grünen. «Sonst weichen die Leute auf günstigeres Importfleisch aus, das unter noch schlechteren Bedingungen produziert wurde.»

Stattdessen müsse man bei der Agrarpolitik ansetzen, sagt er. «Wir müssen Subventionen so ausrichten, dass die Landwirtschaft ökologischer und regionaler wird.» Die Landwirtschaft müsse auf importierte Futtermittel verzichten und das Tierwohl ins Zentrum stellen.

«Wir müssen aus der Massentierhaltung aussteigen», fordert Glättli. Dann werde automatisch auch weniger Fleisch produziert. Gleichzeitig müsse man auch bei Importen Mindeststandards fordern. Das werde indirekt zu höheren Preisen führen, räumt er ein. «Aber auch zu einem besseren, ökologischeren Produkt.»

«Bio sollte zum Standard werden»

Ähnlich klingt es bei der SP. Claudia Friedl, SP-Nationalrätin und Umweltnaturwissenschafterin, hält ebenfalls wenig von der Idee einer höheren Steuer auf Fleisch. «Es braucht Massnahmen, um den Fleischkonsum zu senken», sagt sie zwar. Ansetzen müsse man aber unter anderem bei den Subventionen: Diese müssten so ausgerichtet werden, dass die Landwirtschaft klimafreundlicher und ökologischer werde.

«Bio sollte zum Standard werden», sagt Friedl. Zudem brauche es einen Bewusstseinswandel bei den Konsumentinnen und Konsumenten. «Hilfreich wäre zum Beispiel, wenn in Kantinen zwei Vegi-Menüs und höchstens ein Fleisch-Menü angeboten würden - statt umgekehrt.»

Selbst Greenpeace ist skeptisch

Für eine starke Reduktion der Fleischproduktion setzt sich Greenpeace Schweiz ein. Mit dem Slogan «Weniger Fleisch = weniger Hitze» wirbt die Organisation dafür, weniger Fleisch zu essen. «Die massive Produktion von Fleisch reisst unsere Wälder nieder, verschmutzt unser Wasser und erhitzt den Planeten», kritisiert sie.

Die Umweltschutzorganisation fordert, dass die Fleischproduktion in der Schweiz unter einen Viertel des heutigen Konsums sinken soll. Trotz dieses ambitionierten Ziels zeigt sich Greenpeace gegenüber einer Fleischsteuer skeptisch:

Ob eine ‹Fleischsteuer› oder eine Erhöhung des Mehrwertsteuer-Satzes die effizienteste Massnahme zur Reduktion ist, stellen wir in Frage», erklärt Mediensprecherin Yvonne Anliker.

«Ob eine ‹Fleischsteuer› oder eine Erhöhung des Mehrwertsteuer-Satzes die effizienteste Massnahme zur Reduktion ist, stellen wir in Frage»

Yvonne Anliker, Greenpeace

Zielführender wäre nach Ansicht von Greenpeace ein ganzes Bündel an Massnahmen, darunter etwa Lenkungsabgaben auf Futtermittel, ein Umbau des Direktzahlungssystems und Importeinschränkungen für «Billigfleisch». Weiter verlangt die Organisation, dass der Bund die Absatzförderung von Fleisch nicht mehr unterstützt.

Bild

Müssen Konsumenten künftig mehr bezahlen fürs Fleisch? Deutsche Agrarpolitiker von SPD und Grünen fordern eine höhere Mehrwertsteuer. bild: keystone

Keine Fleischwerbung mit Steuergeldern mehr?

Linke Politiker fordern seit Längerem, dass Werbung für Fleisch nicht mehr vom Staat subventioniert wird. Glättli hat dazu im März eine Motion eingereicht. Der Bundesrat stellt sich jedoch dagegen: Er argumentiert, die Werbung des Branchenverbands Proviande bezwecke keine Steigerung des Fleischkonsums im Allgemeinen. Es gehe vielmehr darum, dass mehr Schweizer Fleisch statt importiertem gegessen werde.

Der Nationalrat hat noch nicht über Glättlis Motion entschieden. Die Chancen dürften aber klein sein: Ein Vorstoss von SP-Nationalrat Beat Jans mit der gleichen Forderung war vor zwei Jahren mit 115 zu 60 Stimmen deutlich abgelehnt worden. (bzbasel.ch)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

watson geht Wursten!

Die traurige Herkunft von billigem Fleisch

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

91 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
54er
09.08.2019 17:35registriert June 2018
🤦🏻‍♂️
Fleisch teuer machen durch Verbot von Massentierhaltung und somit das Geld zu den Bauern... aber sicher nicht durch eine Steuer die der Staat bekommt und am Schluss bleibt alles gleich bei der Tierhaltung.
30312
Melden
Zum Kommentar
Chääschueche
09.08.2019 18:09registriert February 2014
Und wo bleibt die Steuer für Gemüse und Früchte die um die halbe Welt gekarrt werden? Ganz zu schweigen von den Regenwäldern die für das morgentliche Hipster-Healthy Avocadobrötchen abgeholzt werden. 🤔
26157
Melden
Zum Kommentar
Matti_St
09.08.2019 20:11registriert August 2017
Interessant was in den Kommentaren alles verteuert werden will.
Entweder zahlt Mama und Papa euer essen oder ihr habt Glück, dass ihr so viel verdient, dass ihr euch keine Gedanken über monatliche Budget machen müsst.
In Erinnerung, wenn eine 4-köpfige Familie weniger als 6000 Franken verdient, hat sie Ende Monat nicht gespart. Bei unter 5000 Franken macht sie Schulden um den täglichen Bedarf zu decken.
10621
Melden
Zum Kommentar
91

SRG-Umfrage zeigt: Im Moment würde die Kovi sehr deutlich angenommen

Mitte Oktober hätten die Schweizer Stimmberechtigten die Konzernverantwortungsinitiative deutlich, die Kriegsgeschäfteinitiative knapp angenommen. Damit deckt sich die erste Welle der SRG-Trendumfrage weitgehend mit jener der Tamedia-Medien von Mitte Oktober.

63 Prozent der Befragten hätten die Konzernverantwortungsinitiative sieben Wochen vor dem Abstimmungstermin vom 29. November bestimmt oder eher angenommen. 33 Prozent hätten sicher oder eher ein Nein in die Urne gelegt, wie die am Freitag …

Artikel lesen
Link zum Artikel